Gemeinde investiert 470.000 Euro Startschuss für Kita-Erweiterung in Bülstedt

Die Arbeiten für die Erweiterung des Bülstedter Kindergartens haben am Mittwoch begonnen. Derweil haben die letzten Tage der Amtszeit von Bürgermeister Albinger begonnen, er soll am 25. März abgewählt werden.
17.03.2021, 20:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Heeg

Bülstedt. Mit schwerem Gerät haben Bauarbeiter am Mittwoch Fakten geschaffen am Bülstedter Kindergarten. Das Verblendmauerwerk an der Ostseite des 1994 errichteten Gebäudes ist jetzt weg, nun können die Handwerker mit den Arbeiten fürs Fundament des Anbaus beginnen. 470.000 Euro darf die Gemeinde Bülstedt für die Erweiterung ausgeben, diese Summe steht im Haushaltsplan. „Schön, dass es vorangeht“, sagt Bürgermeister Jochen Albinger, in der einen Hand zwei Packungen Corona-Schnelltests fürs Kita-Personal, in der anderen Hand die Baugenehmigung. Sie trägt das Datum 15. März 2021, ist also ganz frisch. Am 10. September sei der Bauantrag eingereicht worden, „Landkreis und Architekt haben flott gearbeitet“, lobt er.

Herzstück des Anbaus ist ein 50 Quadratmeter großer Gruppenraum für Kinder über drei Jahre. Hinzu kommen Differenzierungsraum, eine Küche sowie zwei Badezimmer. Sobald der Neubau fertig ist, was gegen Ende der Sommerferien der Fall sein soll, machen sich die Handwerker über das Bestandsgebäude her. In dessen Inneren müssen einige Mauern weichen, damit dort künftig die Krippenkinder angemessen untergebracht und betreut werden können. Der Gruppenraum soll 37 Quadratmeter umfassen, er wird mit einer Leichtbauwand vom benachbarten Ruheraum abgetrennt. „Leichtbauwand deshalb, damit man später ohne großen Aufwand einen großen Raum davon machen kann“, erklärt der Bürgermeister. Die Einrichtung solle flexibel auf den Bedarf reagieren können. „Vielleicht wird das irgendwann einmal eine altersgemischte Gruppe“, so Albinger. Das Projekt finanziert die Gemeinde, ohne Schulden zu machen. 140.000 Euro kommen als Zuschuss vom Land, zudem nimmt die Gemeinde Geld ein durch den Verkauf von Grundstücken im benachbarten Baugebiet.

Bürgermeisterabwahl am 25. März

Wenn man ihn so auf der Baustelle erlebt und mit ihm spricht und seinen Tatendrang spürt, dann wirkt Albinger nicht wie jemand, dessen Tage als Bürgermeister der Gemeinde Bülstedt in genau einer Woche vorzeitig zu Ende gehen. Aber so wird es sein: Am kommenden Donnerstag, 25. März, wollen ihn seine Ratskollegin und die sieben Ratskollegen abwählen, das haben sie ihm geschrieben, und so steht es auf der Tagesordnung der öffentlichen Sondersitzung, die um 20 Uhr im Steinfelder Dorfgemeinschaftshaus beginnt. Der Grund für die vorzeitige Abwahl hängt wohl auch mit dem Kita-Projekt zusammen. Unter anderem mit der Größe der Gruppenräume, wie der stellvertretende Bürgermeister Frank Schmätjen auf Anfrage bestätigt. „Da hat sich einiges angesammelt an Alleingängen“, sagt er, unter anderem habe Albinger sich geweigert, einen Ratsbeschluss umzusetzen.

Dass Albinger nicht immer einverstanden war mit dem, was die übrigen Ratsmitglieder wollten, das bestreitet er gar nicht: „Den Beschluss mit dem zu kleinen Gruppenraum habe ich nicht unterschrieben. Das war mir zu wenig weitsichtig, das hätte den Kindergarten zu sehr eingeschränkt.“ Seiner Abwahl werde er übrigens selbst gar nicht beiwohnen, sagt Albinger: „Zur selben Zeit tagt in Tarmstedt der Schulausschuss der Samtgemeinde, der über die Ganztagsschule debattiert. Das ist mir wichtiger.“

„Albinger macht seine eigene Politik“

Bis zu seiner Abwahl, sagt Albinger, werde er alles in die Wege geleitet haben, damit der neue Bürgermeister nahtlos seine Arbeit aufnehmen könne. „Ich habe alle Gewerke vergeben, das läuft“, meint er. Einmal die Woche vormittags sei Baubesprechung auf der Baustelle, „da muss jemand von der Gemeinde dabei sein“. Wer neuer Bürgermeister oder neue Bürgermeisterin von Bülstedt wird, das wollen die Ratsmitglieder nicht vor der Sondersitzung verraten. „Darauf haben wir uns geeinigt“, sagt Schmätjen. Es werde aber „jemand Vernünftiges“ sein, bekräftigt er. Und wie zuvor schon sein Stellvertreterkollege Stefan Grube begründet Schmätjen die vorzeitige Abwahl mit einem Handlungsdruck: „Wir können nicht bis zur Kommunalwahl warten, wir müssen handeln. Jochen Albinger macht seine eigene Politik.“

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Zur Sache

Albinger bei seiner Abwahl nicht dabei

Die Sondersitzung des Bülstedter Gemeinderates zur Abwahl von Bürgermeister Jochen Albinger ist öffentlich. Sie beginnt am kommenden Donnerstag, 25. März, um 20 Uhr im Steinfelder Dorfgemeinschaftshaus. Die Plätze fürs Publikum sind wegen der Pandemie begrenzt und bereits alle vergeben. Neben der Abberufung des Bürgermeisters stehen die Neubildung des Verwaltungsausschusses und die Benennung der Stellverterter auf der Tagesordnung, außerdem die Wahl von zwei Bürgermeister-Stellvertretern. Eine Aussprache ist nicht vorgesehen. Dazu gebeten hat der Gemeinderat einen Vertreter der Samtgemeindeverwaltung. Jochen Albinger wird bei seiner Abwahl nicht dabei sein, denn er möchte lieber an der gleichzeitig stattfindenden Sitzung des Samtgemeinde-Schulausschusses in Tarmstedt teilnehmen.

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