7. Klappstauregatta in Gnarrenburg

Feucht-fröhlich - in jeder Beziehung

Plattdeutsch, Torfkahnpullen, Kanuziehen, Fußballspielen und natürlich Kanufahren - die Klappstauregatta verlangt den Teilnehmern einiges ab. Sie ist aber auch eine beliebte Gaudi.
19.06.2019, 17:51
Lesedauer: 3 Min
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Von Christa Neckermann
Feucht-fröhlich - in jeder Beziehung

Im Zielhafen im Kollbecksmoor hatten die "Strapazen" für die Kanuten noch lange kein Ende: Es galt, weitere Aufgaben zu erledigen.

Christa Neckermann

Gnarrenburg. Eigentlich ist es eine schöne Strecke auf dem Oste-Hamme-Kanal zwischen dem Dorf Findorf und dem Torfschifferhafen am Gasthaus Zur Kreuzkule im Kollbecksmoor. 4,5 Kilometer lang, zwischen hohen Ufern gelegen, an denen sich die Zuschauer drängen und den Regatta-Teilnehmern aufmunternd zurufen oder von den vielen Brücken aus zuwinken. Da könnten sich die 22 gemeldeten Regatta-Teams eigentlich spannende Paddel-Duelle liefern – wären da nicht die „natürlichen“ Schikanen auf der Strecke, die sieben Klappstaue.

Nach dem Bau des Oste-Hamme Kanals Ende des 18. Jahrhunderts stellten die Torfkahnschiffer, die über den Kanal den Torf zu den Handelsplätzen und nach Bremen brachten, fest, dass die Kanäle nicht immer genug Wasser führten. Daher verlegte man sich darauf, in Streckenabschnitten das Wasser aufzustauen. Manche der verwendeten Techniken dazu waren schwierig zu überwinden, gelegentlich mussten die Torfkähne dazu über Land gezogen werden. Durch die Erfindung der Klappstaue, die herunterklappten, wenn ein Schiff oberhalb dagegen fuhr, ging weniger Wasser stromabwärts verloren.

Einfach war es dennoch nicht. Und auch aktuell mussten die Kanuten bei jedem Klappstau vorsichtig über die Stauoberkante manövrieren, und, falls doch mal im Eifer des Gefechts das Kanu kenterte, möglichst schnell wieder an Bord zu kommen, denn auch die Konkurrenz gab alles. Die Teams mit so fantasievollen Namen wie „Beer vorrut“, „Trinksport-AG“ oder „Los tres Marineros“ mussten nicht nur im Boot alles geben, sondern hatten auch am Start in Findorf einen heiligen Ballon in Empfang genommen, der schadensfrei durch alle Hindernisse auf der Strecke gelotst werden musste. „Am besten ist es, der ganze Ballon schafft es ins Ziel. Aber auch, wer nur mit der Ballonhülle oder dem Band ankommt, bekommt noch einen Punkt von uns“, verriet einer der Punktrichter im Kollbecksmoor. Dort im Zielhafen im Kollbecksmoor folgten dann die weiteren Aufgaben der Klappstauregatta: Nachweis in der plattdeutschen Sprache, Kanu ziehen, auf die Fußball-Dartwand schießen und dann das Highlight, Torfkahnpullen. „Was die in Volkmarst mit Treckern können, können wir hier schon lange mit den Torfkähnen“, war die vielgehörte Meinung der Regattateilnehmer.

Startschuss in Findorf

Um 13 Uhr war der Startschuss in Findorf erfolgt, alle Regattateilnehmer, darunter viele Damen-Teams, legten sich gleich ins Zeug. Die ersten trafen nach einer knappen Stunde in einem weit auseinander gezogenen Feld im Kollbecksmoor ein. Nach dem Entleeren der Kanus am Bootssteg zeigte sich auch, weshalb manche Gruppe etwas länger für die Strecke brauchte: Bierflaschen und anderer flüssiger Proviant musste gleich mit entsorgt werden.

Selbst aus den Niederlanden war eine dreiköpfige Regatta-Gruppe in die Teufelsmoor-Region gereist. Jonny, Leo und Joyice starteten unter dem Regatta-Namen „The Netherlands“ und traten in der niederländischen Nationalfarbe Orange an. Vielleicht nutzten sie ja Jahrhunderte alte Kenntnisse im Kanal- und Moorentwässerungsbau, die sie von ihren Vorfahren ererbt hatten, und auch an der Fußball-Dartwand des Volksbank-Sponsors rechneten sich die Drei gute Chancen aus.

Seit den Mittagsstunden hatten sich am Zielpunkt schon mehrere Hundert Besucher eingefunden, fürsorgliche Teamunterstützer besorgten den Teams stärkende Getränke von den Imbissbuden, hielten Handtücher und warme Decken bereit und sorgten so dafür, dass die Manschaften den fröhlichen Wettkampf fortsetzen konnten.

Torfkahnpullen als Höhepunkt

Das Torfkahnpullen sorgte dabei für den meisten Spaß. Manch eine Gruppe geriet schon beim Einsteigen in das Kanu in Seenot und musste das Fahrzeug unter dem Gelächter und dem Applaus der Zuschauer erst wieder entleeren, umdrehen und neu bemannen, bis sie mit viel Herzblut und Muskelkraft den Torfkahn aus seinem Unterstand am Hafenrand herausziehen konnten. Dann galt es, das Wassergefährt quer über den Hafen zu schleppen, um dann einen großen Knopf zu drücken, mit dem die Uhr angehalten wurde. Nach Auswertung aller Ergebnisse standen am späten Nachmittag die Sieger der siebten Klappstauregatta im Teufelsmoor fest: Auf den dritten Platz kamen René, Felix und Roel, die als Gruppe „Stammtisch II“ gestartet waren. Den zweiten Platz eroberten Sören und Joscha, die als Frosch und Pinguin, „Fringuin“ die Regatta gefahren waren. Den unbestrittenen ersten Platz erreichte das Vater-Sohn-Gespann „Kiebitzway-Group“, Christoph und Andreas Burfeind.

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