Fußball-Portrait

Top(p) Aussichten eines Gnarrenburger Nachwuchstalents

Der 16-jährige Keke Topp kickt derzeit bei den Bremer B-Junioren in der Regionalliga und beweist nicht erst in dieser Spielzeit seinen außergewöhnlichen Torriecher. Jetzt zieht er in das Bremer Internat.
17.06.2020, 09:58
Lesedauer: 4 Min
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Von Jan-Henrik Gantzkow
Top(p) Aussichten eines Gnarrenburger Nachwuchstalents

Keke Topp (hinten rechts) aus Gnarrenburg beim U 16-Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft in Rotenburg gegen Österreich.

Guido Specht

Gnarrenburg. Es gibt viele Gründe, warum der SV Werder Bremen in dieser Saison in arge Abstiegssorgen geraten ist. Verletzungspech und individuelle Fehler im Defensivverbund zählen dazu, aber auch arge Probleme im Offensivspiel: Mit gerade einmal 30 Treffern stellt der Tabellenvorletzte den schwächsten Angriff der Liga, bester Torschütze ist mit Milot Rashica dabei noch ein etatmäßiger Flügelspieler. Es fehlt also ein echter Goalgetter, der einfach mal richtig steht und den Ball im entscheidenden Moment über die Linie drückt. Für kurzfristige Abhilfe soll dabei der lange ausgefallene Niclas Füllkrug schaffen, auf lange Sicht könnte diese Lücke aber auch durch Keke Topp geschlossen werden.

Der 16-jährige Gnarrenburger kickt derzeit bei den Bremer B-Junioren in der Regionalliga und beweist nicht erst in dieser Spielzeit seinen außergewöhnlichen Torriecher. „Bei Keke hat man schon früh gesehen, dass er ein ganz besonderer Spieler ist. Er hatte schon in jungen Jahren eine außergewöhnliche Schusstechnik, außerdem war er absolut fußballverrückt und war immer mit dem Ball unterwegs“, erinnert sich Topps ehemaliger Jugendtrainer Peter Schlesselmann an dessen Anfänge beim TSV Gnarrenburg.

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Dort spielte das Nachwuchstalent gleichzeitig in zwei Mannschaften – neben Schlesselmann war auch Dieter Lemmermann ein wichtiger Förderer – und überzeugte dabei selbst gegen zwei Jahre ältere Gegenspieler vollends. So sehr, dass er bei einem Sichtungsturnier in Sittensen das Interesse der anwesenden Scouts auf sich zog und bereits mit neun Jahren in die Jugendabteilung des traditionsreichen Bundesligisten wechselte. „Natürlich ist das Tempo hier von Beginn an ein anderes gewesen, aber ich kam eigentlich sehr schnell zurecht“, beschreibt der Mittelstürmer seinen Start an der Weser.

Dass ihm der Sprung zu Werder dabei nicht schwer fiel, hängt einerseits mit seinen körperlichen Voraussetzungen zusammen, schließlich war der mittlerweile schon 1,85 Meter große Topp immer einer der robustesten Akteure. Vor allem ist es aber auch der Ehrgeiz des jungen Sportlers, der ihm stets half, seine hohen Ziele zu erreichen. „Natürlich will ich Profifußballer werden! Sonst würde man diesen Aufwand gar nicht betreiben“, zeigt sich Topp motiviert. Und dieser Aufwand ist seit Jahren ziemlich groß: Bis zu viermal die Woche macht sich der Schüler seit 2013 mit dem Zug aus Oldenbüttel auf den Weg nach Bremen, um dort zu trainieren oder zu spielen. Viel Zeit für andere Hobbys bleibt so nicht:

„Nach der Schule hat man noch gelernt oder sich ausgeruht und dann ging es oft schon los. Ohne die Unterstützung meiner Eltern wäre das so aber gar nicht möglich gewesen“, berichtet Topp über seinen Alltag. Hat er doch mal ein bisschen Freizeit, dann zockt er eine Runde mit seinen Kumpels oder verbringt Zeit mit seinem Hund Cleo. Bis vor ein paar Monaten besuchte er sogar ab und zu noch das Training seiner alten Teamkollegen in Gnarrenburg und kickte gemeinsam mit seinen ehemaligen Mitspielern und Weggefährten. „Auf mein enges Umfeld kann ich mich total verlassen“, so Topp, der Harry Kane und Cristiano Ronaldo als sportliche Vorbilder nennt.

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Gerade seine besten Freunde freuen sich dabei sehr für ihren ambitionierten Kumpel, müssen aber auch immer häufiger auf ihn verzichten. „Wenn wir am Wochenende losziehen, gehe ich halt früher und wenn sie sich einen Döner holen, esse ich zuhause etwas Gesundes“, verrät Topp, der in seinen jungen Jahren so schon mit den „Schattenseiten“ des Fußballerdaseins konfrontiert wird. Von seinem Weg abbringen lässt er sich davon aber nicht, eher im Gegenteil. Schon vor der Corona-Zwangspause stand er auf dem Sprung zur U 17-Bundesligamannschaft, für die Regionalligaformation erzielte der Strafraumstürmer beachtliche 17 Treffer.

Im vergangenen September erfüllte er sich darüber hinaus einen Traum, den wohl jeder Fußballer als kleines Kind hatte: Topp erzielte ein Tor für die deutsche Nationalmannschaft. Beim 2:1-Sieg im U 16-Duell gegen Österreich besorgte er per Kopf den zwischenzeitlichen Ausgleich – vor über 2000 Zuschauern ausgerechnet im Rotenburger Ahestadion. „Das war natürlich mit Abstand das Highlight meiner bisherigen Karriere. Im Trikot seines Landes zu treffen und das dann auch noch quasi bei einem Heimspiel“, strahlt Keke Topp bei der Erinnerung an diesen Meilenstein.

Und der nächste steht nach den Sommerferien an. Dann wechselt der Schüler, der seinen erweiterten Realschulabschluss noch in Gnarrenburg absolvierte, an das Werder-Internat. „Ich freue mich schon sehr darauf. Zusammen mit 20 Jungs im gleichen Alter, die auch noch die gleichen Interessen haben. Das wird bestimmt nicht langweilig“, sagt Topp. Und auch aus der Sicht seines aktuellen Coaches ist der Wechsel ein absolut sinnvoller Schritt: „Keke ist ein positiver, begeisterungsfähiger Spieler, der lernwillig und sehr ehrgeizig ist. Durch den Wechsel ans Internat wird er noch zwei Einheiten mehr in der Woche haben und so die Chance erhalten, sich noch schneller zu verbessern“, glaubt SVW-Trainer Frank Bender.

Vor allem an seiner Athletik und an der Geschwindigkeit muss er nach der Meinung seiner Übungsleiter da noch arbeiten, auch im Kopfballspiel sehen sowohl Bender als auch der selbstkritische Topp noch Luft nach oben. Wenn er sich in diesen Bereichen weiterentwickelt, dann habe er durchaus das Zeug, eines Tages die Bremer Sturmmisere auf höchstem Niveau zu beenden.

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„Er hat einen sehr präzisen Abschluss, eine gute Körperlichkeit und er weiß, wie und wo sich ein Stürmer zu bewegen hat. Der Weg zum Profi wird natürlich kein leichter sein, aber sollte er die angesprochenen Punkte verbessern, hat er sicherlich gute Voraussetzungen, um im Profifußball zu landen“, glaubt Bender.

Allerdings weiß er auch, dass es für eine wirklich exakte Prognose noch zu früh ist und einige Faktoren den weiteren Verlauf von Topps Karriere beeinflussen können. Unter anderem Verletzungen oder Krankheiten – damit kennt sich der Werder-Fan immerhin schon einmal aus. So war er zu Beginn der Corona-Pandemie am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt, die fußballfreie Zeit kam ihm daher gar nicht so ungelegen.

Pünktlich zur Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs, der auch beim Bremer Nachwuchs durch die gängigen Hygienemaßnahmen bestimmt wird, ist er nun aber wieder fit und verfolgt weiter voller Leidenschaft seinen großen Traum. Nicht nur die Fußballinteressierten aus der Region dürften ihm bei diesem Unterfangen die Daumen drücken, auch jeder Werder-Fan wird sich wohl wünschen, dass Keke Topp seine Treffsicherheit behält – und vielleicht eines Tages wieder für häufigere Jubelstürme im Weserstadion sorgen wird.

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