Sommerzeitlauf des TSV Gnarrenburg

Ralf Rimkus: „Wird immer Leute geben, die so was tun“

Der Sommerzeitlauf des Lauftreffs des TSV Gnarrenburg wird wegen der Corona-Pandemie am 10. und 11. April erstmals virtuell ausgetragen. Wir haben mit dem Organisator Ralf Rimkus gesprochen.
15.03.2021, 09:34
Lesedauer: 5 Min
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Von Karsten Hollmann
Ralf Rimkus: „Wird immer Leute geben, die so was tun“

Eine verschworene Gemeinschaft freut sich auf den ersten virtuellen Sommerzeitlauf: Der Lauftreff des TSV Gnarrenburg.

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Herr Rimkus, der Sommerzeitlauf des Lauftreffs des TSV Gnarrenburg wird wegen der Corona-Pandemie am 10. und 11. April erstmals virtuell ausgetragen. Weshalb wollten Sie den Sommerzeitlauf Ihres Vereins nicht absagen?

Ralf Rimkus: Weil wir uns als Abteilung „Lauftreff“ im Jubiläumsjahr befinden und unser Neujahrslauf bereits abgesagt werden musste. Den Lauftreff gibt es mittlerweile seit 25 Jahren.

Wie schnell war die reale Austragung bei den Überlegungen vom Tisch?

Darum mussten wir nicht lange kämpfen. Wir haben schnell erkannt, dass wir die Auflagen des Niedersächsischen Leichtathletikverbandes nicht hätten erfüllen können. Nach langen Überlegungen haben wir uns daher entschieden, den Lauf als virtuellen Lauf anzubieten.

Welche Auflagen des Verbandes hätten Sie denn nicht umsetzen können?

Wir hätten die Läufer in Gruppen zu jeweils zehn bis 15 Leuten starten lassen und für jeden Läufer eine Startmarkierung erstellen müssen. Da unsere Strecke bestenlistentauglich ist, hätten wir die Zeiten nicht wie gewohnt mit der Hand stoppen können. Wir hätten deshalb jeden Läufer mit einem Chip zur Zeitmessung versehen müssen. Das hätte zwei Euro mehr pro Teilnehmer gekostet, was mir persönlich zu viel gewesen wäre. Wir hätten das Startgeld um diesen Betrag erhöhen müssen.

Mittlerweile gibt es aber ja auch Anbieter, die ihre Zeitmessung ohne Chip hinbekommen. Wäre das für Sie in Frage gekommen?

Grundsätzlich ja. Es gibt ein Start-up-Unternehmen aus dem bayerischen Raum, bei denen zwei Handys mit Kamera im Ziel für die Zeitmessung ausreichen. Das hätte auch nur einmalig 100 Euro und pro Teilnehmer 25 bis 32 Cent gekostet. Bei einem Ausfall der Veranstaltung hätte man auch sämtliche Kosten erstattet bekommen. In Passau ist so etwas auch schon erfolgreich getestet worden.

Weshalb fiel Ihre Wahl dennoch nicht auf diesen Anbieter?

Dieser Anbieter setzt darauf, alle Läufer zeitversetzt in einem mehrwöchigen Zeitraum auf der eigentlichen Wettkampfstrecke antreten zu lassen, um ein für alle vergleichbares Ergebnis zu erhalten. Wir glauben aber nicht, dass so etwas bei uns funktionieren würde. Aber im nächsten Jahr ist es eine Option für die reale Austragung. Ohne Chip, der hinterher weggeschmissen wird, ist es auch nachhaltiger. Bei diesem System kann auch schon drei Minuten später eine Urkunde mit der Platzierung ausgedruckt werden.

Gab es noch andere Gründe, den Lauf nicht real auszutragen?

Ja. Mehr als die Hälfte unserer 23 Lauftreff-Mitglieder ist bereits über 60 Jahre alt und fällt daher unter die Corona-Risikogruppe. Da auch einige Mitglieder im Gesundheitsbereich arbeiten, hätten diese uns nicht als Helfer zur Verfügung gestanden. Deshalb hoffen wir jetzt einfach mal auf das nächste Jahr.

Welche Strecken werden virtuell angeboten?

Es gibt den 1100-Meter-WIR-Krümellauf für die Geburtsjahrgänge 2010 bis 2015, den Fünf-Kilometer-EWE-Lauf für die Jahrgänge 2009 und älter, den Fünf-Kilometer-Walking-Wettbewerb sowie den Zehn-Kilometer-Sparkassen-Lauf für die Jahrgänge 2007 und älter.

Wie wollen Sie denn gewährleisten, dass die Läufer beim virtuellen Lauf nicht schummeln?

Wir lassen uns ein Foto von der Laufuhr schicken, auf der die gelaufene Strecke und die Zeit zu sehen sind. Aber natürlich könnte ich die Strecke auch mit dem Fahrrad fahren. Es wird wohl immer Leute geben, die so was tun. Aber da kann man eben nichts machen. Man müsste ansonsten die GPS-Daten auswerten.

Welche Strecken dürfen die Teilnehmer für ihren Lauf wählen?

Die Strecke ist frei wählbar. Jeder darf sich auf eigenes Risiko seine Lieblingsstrecke auswählen. Es kann auch Zuhause, im Garten oder auf der Laufbahn gewalkt, gegangen oder gelaufen werden. Wir möchten den Läufern ein bisschen Flexibilität ohne Zwang anbieten.

Welche Strecke wählen Sie für sich?

Auch wenn es rund um Gnarrenburg einige andere schöne Strecken gibt, werde ich die Originalstrecke laufen und die zehn Kilometer wählen. Ich werde die Strecke mit meinen Kollegen Ingo Schilling oder Andreas Burfeindt absolvieren. Wir werden den Lauf wohl in 45 bis 50 Minuten schaffen.

Welches Zeitfenster steht den Läufern für die Absolvierung des Wettbewerbs zur Verfügung?

Es darf von Sonnabend-Morgen um eine Minute nach Mitternacht bis Sonntag um 18 Uhr gelaufen werden. Uns ist es egal, ob die Läufer mitten in der Nacht oder am Nachmittag vor der Sportschau und ob die Teilnehmer schnell oder langsam laufen.

Mit wie vielen Teilnehmern rechnen Sie?

Am virtuellen Winterlauf in Oldendorf haben 397 statt der sonst üblichen etwa 150 Läufer teilgenommen. Mit so vielen Teilnehmern rechnen wir aber nicht. Wir möchten aber gerne die 100-Läufer-Marke knacken. Wir haben bereits 45 Anmeldungen. 50 benötigen wir, damit wir kostenneutral arbeiten können. Das hätten wir aber nicht ohne einen Sponsoren hinbekommen. Wir zahlen schließlich alleine 400 Euro an unseren Laufanbieter.

Haben Sie selbst bereits an einem virtuellen Lauf teilgenommen?

Ja, an dem Oldendorfer Winterlauf. Da hatte es aber gerade geschneit. Deshalb bin ich nicht wie geplant 30, sondern nur 15 Kilometer gelaufen. Ich hatte mir zwar schon extra meine Geländeschuhe angezogen. Dennoch war es selbst auf der Straße schwierig zu laufen. Ich habe es am nächsten Tag auch in der Muskulatur gemerkt. Trotzdem bin ich einen Schnitt von fünf Minuten pro Kilometer gelaufen.

Was gibt es beim virtuellen Sommerzeitlauf denn zu gewinnen?

Jeder Teilnehmer bekommt eine virtuelle Urkunde zum Selberausdrucken. Es wird bis einschließlich U16 jahrgangsweise und danach je Altersklasse gewertet. Unter allen Teilnehmern verlosen wir fünf Überraschungspreise im Wert von jeweils etwa 30 Euro. Außerdem habe ich vereinsintern einen Sonderpreis in Höhe von 100 Euro für die stärkste teilnehmende Abteilung des TSV Gnarrenburg ausgelobt. Ich rechne unter anderem auch mit unseren Fußballern.

Rechnen Sie angesichts der vielen Sportler, die sich während des Lockdowns zwangsweise mit Laufen fithalten, mit einem Lauf-Boom?

Ich denke schon, dass der eine oder andere im Lockdown Spaß am Laufen gefunden hat. Wir bekommen auch zwei junge Damen dazu, die mit Laufen an Gewicht verloren haben, und in Zukunft in der Gemeinschaft laufen möchten. Wir haben auch für jeden Läufer die passende Gruppe. Von 4:30 bis 7:30 Minuten pro Kilometer ist alles dabei.

Gab es auf der anderen Seite Abmeldungen wegen fehlender Wettbewerbe?

Nein, Abmeldungen haben wir keine verzeichnet. Ich weiß aber nicht, ob alle noch so aktiv dabei sind. Viele Kollegen habe ich seit dem zweiten Lockdown nicht mehr gesehen. Ich bin aber guter Hoffnung, dass wir zumindest unsere Zahl von 23 Läufern halten.

Werden Sie noch eine Feier anlässlich Ihres erst kürzlich begangenen runden Geburtstages nachholen?

Das habe ich vor. Wenn es die Corona-Lage zulässt, werde ich eine spontane Sommerparty mit den Nachbarn, Freunden und Verwandten feiern. Mir haben aber schon einige Leute persönlich zu meinem 60. Geburtstag gratuliert. Dafür hatte ich eigens einen Zeitplan erstellt. Ich hatte dabei vorher nur nicht bedacht, dass ich mit jedem einen trinken muss.

Das Gespräch führte Karsten Hollmann.

Info

Zur Person

Ralf Rimkus (60)

ist bereits seit 42 Jahren Mitglied beim TSV Gnarrenburg. Der gelernte Maschinenschlosser musste seinem damaligen Meister Herbert Teetz versprechen, an seinem 18. Geburtstag vom TSV Kuhstedt zum Nachbarverein zu wechseln. Hier spielte der spätere Bundeswehrsoldat bis vor 17 Jahren Fußball in verschiedenen Teams. Seit dem Jahr 2000 ist er auch Mitglied des Lauftreffs innerhalb des Vereins und löste Klaus Lührsen als Lauftreffleiter ab. Ralf Rimkus ist seit fast 40 Jahren mit Heike Rimkus verheiratet, mit der er die gemeinsamen Kinder Daniela (39) und Jana Rimkus (32) hat. Jana arbeitet ebenso wie Heike Rimkus als Fitnesstrainerin. Ralf Rimkus ist zwar eigentlich bereits pensioniert, beschäftigt sich aber weiterhin als Reservedienstleiter mit Wehrübungen. Über die zehn Kilometer liegt seine Bestzeit bei 40:35 Minuten, im Halbmarathon bei 1:36:50 Stunden. Den Marathon bewältigte der vielseitige Läufer bereits in 3:28 Stunden.

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