Fußball-Kreisliga Rotenburg

TSV Karlshöfen: Trainer Ehlers zieht die Corona-Notbremse

Erst im Sommer gekommen, verkündete Stephan Ehlers, Trainer des Rotenburger Kreisligisten TSV Karlshöfen, kürzlich bereits seinen Rücktritt. Schuld ist das Corona-Virus.
30.10.2020, 14:59
Lesedauer: 3 Min
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Von Karsten Hollmann

Karlshöfen. Stephan Ehlers ist nicht mehr Trainer beim TSV Karlshöfen in der Fußball-Kreisliga Rotenburg. „Mir ist die Entscheidung nicht leicht gefallen. Aber ich habe dann die Reißleine gezogen“, sagte der 43-Jährige nach seinem Rücktritt aus privaten Gründen. Ehlers hatte das Amt erst im Sommer übernommen. Die bisherigen Co-Trainer Florian Mahnken und Harald Grabau übernehmen.

Schuld am Rücktritt ist, wie in diesen Tagen so oft, das Corona-Virus. Ehlers hatte sich wohl bei TSV-Spartenleiter Guido Specht damit angesteckt und vier Tage heftige gesundheitliche Probleme gehabt. „In diesen vier Tagen konnte ich weder schlafen noch mir eine Flasche Wasser aufdrehen“, berichtet der Ex-Coach. Er sei zwar nicht ins Krankenhaus gekommen, habe aber große Atemprobleme gehabt und sieben Kilogramm abgenommen. Und auch wenn Stephan Ehlers seit einer Woche wieder zur Arbeit geht, leide er noch unter Spätfolgen.

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„Wenn ich eine Treppe steige, bin ich schnell aus der Puste“, so Ehlers. Er könne es sich aus beruflichen und privaten Gründen nicht erlauben, sich ein weiteres Mal mit dem Virus zu infizieren. „Die Experten gehen derzeit davon aus, dass das Virus nur drei bis vier Monate immun macht“, erklärt Stephan Ehlers. Da er beim Fußball viel mit jungen Leuten zu tun habe, die auch mal zusammenkämen, um zu feiern, wolle er in dieser Hinsicht einfach kein Risiko mehr eingehen.

„Ich hatte aber eine schöne Zeit in Karlshöfen. Es waren immer Minimum zehn bis zwölf Leute beim Training. Die Mannschaft hat stets mitgezogen und die Vorgaben gut umgesetzt“, versichert Ehlers. Mit zwei Siegen aus vier Spielen stehen die Mannen um Kapitän Maik Grabau auch viel besser da als in der katastrophalen vergangenen Saison. „Mit den beiden Co-Trainern als meine Nachfolger wurde aus meiner Sicht eine gute Lösung gefunden. Sie werden auch Erfolg haben und die Liga halten“, ist sich Stephan Ehlers ganz sicher. Er selbst müsse nicht unbedingt wieder ein Traineramt übernehmen. „Ich kann meine Wochenenden auch anders verbringen. Bei einem neuen Verein müsste schon alles genau passen“, sagt Ehlers, der eine 45-minütige Anfahrt zum Training aus seinem Wohnort Horneburg hatte.

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„Mir liegt der Verein sehr am Herzen. Einige Spieler aus der Mannschaft kenne ich bereits seit der C-Jugend“, lässt der neue Trainer Florian Mahnken wissen. Der 37-Jährige ist bereits seit 33 Jahren Mitglied beim TSV und war hier auch schon unter den Übungsleitern Peter Leschniok und Stephan Brodtmann Co-Trainer. In der vergangenen Saison wurde er nach einem halben Jahr als Coach des SV Anderlingen entlassen. „Wir sind ganz optimistisch, dass wir den von Stephan Ehlers eingeschlagenen Weg fortsetzen können“, erklärt Mahnken.

Es gehe darum, vor allem in den Heimspielen aggressiv zu Werke zu gehen. „Wir wollen, dass die Gegner wie früher wieder Respekt haben, wenn sie zu uns kommen“, betont Mahnken. Er werde seinen Posten gleichberechtigt mit Harald Grabau ausüben. „Für uns geht es in erster Linie um den Klassenerhalt“, versichert Mahnken. Der stellvertretende Kapitän, Leif Böttjer, kann den Rücktritt von Stephan Ehlers nachvollziehen: „Es gibt manchmal Wichtigeres im Leben als den Fußball.“

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Der 23-Jährige hätte aber eigentlich gerne mit Ehlers weitergemacht: „Für die Mannschaft ist es ein großer Verlust. Sein System hat gut funktioniert. Er genoss große Anerkennung im Team und hat frischen Wind von außen reingebracht.“ Böttjer ist aber auch davon überzeugt, dass es nun keinen Bruch geben wird: „Florian Mahnken und Harald Grabau haben gemeinsam mit Stephan Ehlers gearbeitet und werden das weitermachen, was Stephan angestoßen hat."

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Duschen gesperrt, Vereinsheim geschlossen

Eine private Feier anlässlich der Geburt eines Kindes in Karlshöfen war Auslöser zahlreicher Corona-Fälle in der Gemeinde Gnarrenburg, die schließlich auch zu einem regionalen Sportverbot bis zum 25. Oktober führte. Alleine die Fußballer des TSV Karlshöfen verzeichneten elf Corona-Infektionen, wenngleich nur TSV-Obmann Guido Specht kurz an der Feier teilgenommen hatte. „Ich hatte nur kurz draußen ein Gespräch mit Guido unter Einhaltung eines Sicherheitsabstandes und habe mich wohl dennoch bei ihm abgesteckt“, teilte der neue Trainer Florian Mahnken mit.

Für den Großteil der Infizierten innerhalb der Mannschaft soll aber wohl der Vater eines Spielers verantwortlich sein, der vollständig an der besagten Feier teilgenommen hatte. „Schon alleine weil ich in meiner beruflichen Tätigkeit in der Kondomherstellung besondere Corona-Sicherheitsmaßnahmen beachten muss, bin ich in dieser Hinsicht auch privat immer sehr vorsichtig“, versichert Mahnken. Er selbst habe eine Woche mit Fieber flachgelegen.

Mahnken sei aber inzwischen ebenso wie alle anderen Karlshöfener wieder genesen. Seit Dienstag durfte beim TSV auch endlich wieder trainiert werden. „Wir sind bereits umgezogen zum Training gekommen und direkt im Anschluss ohne zu duschen wieder nach Hause gefahren“, sagt Mahnken. Doch jetzt ist das Vereinsleben ohnehin erst einmal wieder vier Wochen komplett stillgelegt.

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