Das Porträt: Klaus Dreyer Der Dauerbrenner

Klaus Dreyer ist kein Mann, der schnell einen Rückzieher macht. Seit 25 Jahren leitet der 71-Jährige als Bürgermeister die Geschicke der Gemeinde Hassendorf. Auch in anderen Funktionen ist er ein Dauerbrenner.
19.02.2019, 16:03
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Der Dauerbrenner
Von Lars Köppler

Wenn Klaus Dreyer etwas anpackt und sich in eine Sache vertieft, dann macht er dies stets mit vollem Elan. Das Wort „Rückzieher“ scheint in dem Wortschatz des 71-jährigen Vollblutpolitikers nicht zu existieren. Seit 25 Jahren leitet der Sozialdemokrat unaufgeregt und doch emotional als Bürgermeister die Geschicke der Gemeinde Hassendorf. Dabei ist dieses Weitsicht und Kompromissbereitschaft fordernde Amt längst nicht die einzige Bühne, auf der Dreyer tanzt. Auch auf ganz anderen Gebieten außerhalb der Politik hat er sich über viele Jahre einen Namen gemacht.

Das kleine Gemeindebüro an der Bahnhofstraße ist so etwas wie das zweite Zuhause des am 20. Januar 1948 in Nindorf bei Visselhövede geborenen Sohnes einer Bauernfamilie, dort hat Dreyer für sich und seine Mitarbeiter eine gemütliche Schaltzentrale für ruhiges Arbeiten, regelmäßige Treffen oder auch offizielle Anlässe eingerichtet.

Motiviert durch Karl Ravens

Die Bewunderung für den damaligen Kanzleramts- und Bundesbauminister Karl Ravens aus Achim habe ihn als 19-Jähriger im November 1967 dazu bewogen, in die SPD einzutreten und sich erste Sporen in der Kommunalpolitik als Schriftführer in der SPD-Gemeinderatsfraktion zu verdienen. „Es war jedoch auch die Suche nach einem europäischen Ausgleich auf kommunaler Ebene und Bundesebene. Heute ist es umso wichtiger, für Europa einzutreten und die Jugend dafür zu gewinnen“, ergänzt Dreyer, der wiederum als Ausgleich zur Kommunalpolitik die Arbeit im heimischen Garten bevorzugt oder das Fahrrad für eine ausgedehnte Radtour aus dem Schuppen holt.

Ein weiteres Argument, sich politisch zu engagieren, war sein Wunsch schon in jungen Jahren nach Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen und des Ehrenamtes. Dreyer ist derweil kein Mann, der sich für Erfolge feiern lässt und für Niederlagen andere verantwortlich macht. Daher wird der amtierende Bürgermeister auch nicht müde, seinen Vorgänger Hans-Joachim Hartmann zu loben. „Er ist seit 55 Jahren im Rat, war 22 Jahre Bürgermeister und hat mir eine fortschrittliche Gemeinde mit einem vorbildlichen Dorfgemeinschaftshaus hinterlassen“, freut sich Dreyer darüber, dass ihm Hartmann „auch heute noch mit Rat und Tat zur Verfügung“ stehe.

Amtszeit läuft bis 2021

Während sich Hartmann vornehmlich im Landschafts- und Naturschutzbereich sowie im Straßenbau engagierte, hat Dreyer in seiner noch bis zum 31. Oktober 2021 laufenden Amtszeit mit seiner homogenen Ratsmannschaft ein neues Feuerwehrhaus, ein neues Sporthaus mit Turnhalle und einen weiteren Sportplatz auf den Weg gebracht. Den Eintritt in das Förderprogramm „Dorferneuerung“ mit Zuweisungen von mehr als 700 000 Euro bezeichnet Dreyer jedoch als größten Erfolg als Bürgermeister. „Damit war der Ausbau von Straßen und Plätzen im Ort möglich, es wurden die Dorfgemeinschaftsanlage modernisiert und ein Gemeindearchiv geschaffen“, erinnert sich Dreyer. Auch private Hauseigentümer hätten von der Dorferneuerung profitiert.

Seit 1972 bis heute ist der ehemalige Anwaltsbürovorsteher als Mitglied im Hassendorfer Gemeinderat dabei und trifft in diesem Gremium wichtige politische Entscheidungen. Und wie es seinem Naturell entspricht, denkt Klaus Dreyer – seit 2009 zudem Träger des Bundesverdienstkreuzes – nicht über altersbedingten Abschied von der Kommunalpolitik nach. „Soweit es meine Gesundheit zulässt, werde ich auch mit über 70 Jahren gerne das Amt des Bürgermeisters in Hassendorf, des stellvertretenden Bürgermeisters der Samtgemeinde Sottrum und weitere ehrenamtliche Tätigkeiten fortführen“, sagt er voller Tatendrang. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich Dreyer die Eigenschaften angeeignet, die man braucht, um das Amt des Bürgermeisters konstruktiv auszuüben. Die Fähigkeit, möglichst viele Menschen im Rat und außerhalb mitzunehmen, sei ebenso gefragt wie ein langer Atem und Beziehungen „nach oben“, um die für Projekte notwendigen Mittel einzuwerben. Nicht zu vergessen „die sehr gute Unterstützung aus der Verwaltung“, die er immer bekommen habe.

„Einer von vielen“

Seine Rolle als Bürgermeister will Dreyer indes nicht zu hoch hängen. „Ein Bürgermeister sollte nicht der Vorsteher sein, sondern einer von vielen im Dorf. Er kann nur erfolgreich sein, wenn möglichst viele Bürger am besten in eine Richtung mitwirken.“ Wichtig sei es ihm zudem, Gerechtigkeit gegen jede Person auszuüben.

Gerechtigkeit, das war Klaus Dreyer auch in einer ganz anderen Funktion immer wichtig. Denn nach seiner Pfeife mussten viele Jahre die Fußballer aus dem Landkreis Rotenburg tanzen. 25 Jahre lang, für Dreyer schon so etwas wie eine Mindestlaufzeit, zeigte er sich auch als Schiedsrichter meistens auf der Höhe des Geschehens. Und auch im Schiedsrichterausschuss war der Fußballfan ein anerkanntes Mitglied.

Ohnehin galt der Sport für Dreyer immer als Ausgleich zur Politik. War es keine politische Sitzung oder eine familiäre Angelegenheit, die ihn beschäftigte, engagierte er sich als Schriftführer und Vorsitzender im örtlichen Sportverein oder traf sportpolitische Entscheidungen als Vorstandsmitglied im Kreissportbund Rotenburg, dem er – wie könnte es anders sein – ebenfalls 25 Jahre lang ehrenamtlich diente.

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