Mitfahrerbank für Hepstedt

Einfach hinsetzen und abwarten

Jetzt hat auch Hepstedt eine Mitfahrerbank. Damit schließt der Seniorenbeirat der Samtgemeinde Tarmstedt sein Mobilitätsprojekt ab.
06.06.2019, 17:28
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Heeg
Einfach hinsetzen und abwarten

Probesitzen auf der Hepstedter Mitfahrerbank (von links): Bürgermeister Markus Schwiering, Christa Ruschmeyer (Seniorenbeirat) und Stefan Heibel (Volksbank).

Heeg

Buchholz/Hepstedt. Jetzt hat auch Hepstedt eine Mitfahrerbank. Das rot lackierte Sitzmöbel steht an der Tarmstedter Straße/Ecke Am Brink gegenüber dem Anwesen der Familie Jagels. Also in Richtung Tarmstedt. Dass es keine Bank für die Gegenrichtung gibt, erklärt Christa Ruschmeyer vom Seniorenbeirat so: „Uns wurde gesagt, dass das die Hauptrichtung ist und es für Fahrten nach Breddorf keinen Bedarf gibt.“

Diese erste und einzige Hepstedter Bank ist die letzte von insgesamt vier Mitfahrerbänken in der Samtgemeinde, die auf eine Initiative des Seniorenbeirats aufgestellt wurden. Vorige Woche sind zwei in Dipshorn installiert worden, jeweils eine in Richtung Wilstedt und in Richtung Otterstedt, und außerdem gibt es eine in Vorwerk, bei der Feuerwehr, die auf die Seniorenvertretung zurückgeht. Für fast alle haben Ruschmeyer und ihre Mitstreiter Sponsoren gefunden. Daher war zur kleinen Feierstunde im Buchholzer Gemeinschaftshaus zum Abschluss des Projekts der Tarmstedter Volksbank-Chef Stefan Heibel gekommen. Auch die Firma Siedenburg und das Autohaus Warncke haben je eine Bank bezahlt. Zudem seien auch die Betonplatten gespendet worden, auf denen die Bänke montiert wurden.

Zum Probesitzen in Buchholz war auch Hepstedts Bürgermeister Markus Schwiering erschienen. Der hatte sich im Gemeinderat zwar gegen eine Mitfahrerbank ausgesprochen, aus juristischen Gründen, wie er sagte. Der Jurist war aber von seinen Ratskollegen überstimmt worden, die das niedrigschwellige Mobilitätsangebot einfach mal ausprobieren wollten. „Genau darum geht es“, sagt Ruschmeyer, die erstmals 2016 beim Kreisseniorenrat davon gehört hatte. „Es ist doch ganz einfach: Wer mitfahren will, setzt sich auf die Mitfahrerbank. Wenn einer anhält, der einem nicht zusagt, sagt man dem, dass man sich nur mal ausruhen wollte“, so Ruschmeyer. Umgekehrt sei auch kein Autofahrer gezwungen, jemanden mitzunehmen. Das Ziel werde durch auswechselbare Schilder angegeben.

Bei dem Treffen in Buchholz kursierten durchaus einige Erfolgsmeldungen. Jochen Franke zum Beispiel wusste von Selbstversuchen zu berichten, bei denen er „keine zwei Minuten“ habe warten müssen, ehe der erste angehalten habe. Und schon mehrmals sei er „bis vor die Haustür gefahren worden“. Ähnliches habe er von anderen gehört. Franke, früher Gewerbelehrer, hat die meisten der rund ein Dutzend Mitfahrerbänke eigenhändig gebaut, die in der Samtgemeinde herumstehen. „Der Seniorenbeirat und ich hatten gleichzeitig die selbe Idee“, meinte er mit Blick auf das schlechte öffentliche Verkehrsangebot im Süden der Samtgemeinde Tarmstedt. Erneut plädierte der Buchholzer dafür, die Buslinie 630 ab Tarmstedt in Richtung Wilstedt und Buchholz zum Bahnhof Sagehorn zu führen und nicht mehr über Lilienthal. „Dann wäre man zehn Minuten schneller am Bremer Hauptbahnhof als jetzt.“ Leider werde über diese Idee nicht weiter diskutiert.

Der stellvertretende Samtgemeindebürgermeister Rolf Struckmeyer lobte den Seniorenbeirat und Jochen Franke für deren Initiative und Beharrungsvermögen: Sie hätten die Sache einfach selbst in die Hand genommen und dabei einen langen Atem bewiesen und nicht die Geduld verloren. Manchmal müsse man selber vorangehen, dann kämen die anderen schon nach. „Sie haben was Tolles geschaffen“, so Struckmeyer.

Das Projekt sei noch lange nicht abgeschlossen, darauf wies Christa Ruschmeyer hin. So fehlten zum Beispiel noch Mitfahrerbänke in Breddorf und in Steinfeld. Und auch die Vernetzung mit einigen Nachbargemeinden wie Rhade, Zeven oder Otterstedt stehe noch aus. Doch weil der Weg zum Status quo „langwierig und manchmal auch entmutigend“ gewesen sei, „ist für den Seniorenbeirat jetzt erst mal Schluss“, stellte sie klar.

Jochen Franke zeigt sich dagegen tatendurstig. Zwei fertige Bänke habe er noch auf Lager, weitere könne er in seiner Werkstatt jederzeit produzieren.

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