Erntefest in Hepstedt

Mehr als nur Disko

Hepstedt war wieder in Erntedankfeststimmung. Die Einwohner feierten mit internationalen Gästen ihr traditionelles Erntedankfest, dessen Höhepunkt der große Festzug am Sonnabend war.
29.09.2019, 12:05
Lesedauer: 2 Min
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Von Emily Rosinski
Mehr als nur Disko

Hepstedts Landjugend zeigte sich beim Erntefest am Sonnabend in traditioneller Kleidung. Sie führte den bunten und einfallsreichen Umzug mit den Motivwagen an, der sich durch das Dorf bewegte.

Emily Rosinski

Hepstedt. Beim Erntefest geht es nur noch um Party? In Hepstedt ist das nicht der Fall. Dass ein Erntefest traditionell gestaltet werden kann, ohne auf die jungen Feiernden verzichten zu müssen, haben die Hepstedter am Wochenende bewiesen.

Menschen aller Altersgruppen sind an diesem Sonnabend auf dem Dorfplatz zusammengekommen. Alle schauen auf die Erntekrone, die der Spielmannszug zuvor aufgestellt hat. Nun warten sie auf den Start des Programms, das die Landjugend Hepstedt während der vergangenen Wochen auf die Beine gestellt hat.

Neben Reden des Hepstedter Bürgermeisters Markus Schwiering und des Bürgermeisters der Samtgemeinde Tarmstedt, Frank Holle, bekommen die Gäste ein Theaterstück der Kindergartenkinder sowie Tanzeinlagen der sogenannten „Oldies“ und der Landjugend geboten. Auch das gemeinsame Singen von Ernteliedern darf nicht fehlen, bevor der Ernteumzug startet. Für den Abend steht der Ernteball auf dem Programm. Die Besonderheit in diesem Jahr ist das Europatreffen: 38 junge Menschen aus verschiedenen Ländern Europas sind an diesem Wochenende in Hepstedt zu Besuch.

Lennart Dittmer, 1. Vorsitzender der Landjugend Hepstedt, nutzt in seiner Ansprache die Gelegenheit, die Bedeutung des grünen Holzkreuzes, das neben dem Rednerpult steht, zu erklären: „Es handelt sich um einen stillen Aufruf gegen die immer strengeren Auflagen für Landwirte.“ Die Kreuze seien bereits auf vielen Höfen und Feldern der Region zu sehen. Auch Bürgermeister Schwiering thematisiert die aktuellen Herausforderungen für die Landwirte und appelliert an den Zusammenhalt der Hepstedter.

Zusammenhalt wird hier besonders groß geschrieben: Der mit rund 40 aktiven Mitgliedern vergleichsweise großen Landjugend sei es wichtig, dass man ein Erntefest für die Allgemeinheit organisiere, erzählt Lennart Dittmer im Gespräch. Deshalb wolle man auch an alten Bräuchen festhalten, wie den traditionellen Tänzen oder dem Gottesdienst am Sonntag. Damit unterscheide sich ihr Erntefest von anderen: „In vielen Orten ist das Erntefest in erster Linie kommerziell“, sagt Jona Poppe aus der Landjugend. Dittmer betont: „Wir machen hier mehr als nur Disko.“

Während das Festprogramm am Dorfgemeinschaftshaus noch im vollen Gange ist, rollen ein paar Straßen weiter bereits die Wagen für den Ernteumzug an. Das Gewummer der Schlager- und Elektromusik hört man schon von Weitem. Besonders laut schallt sie von dem Wagen „Toxicator“: Im Gegensatz zu anderen wurde er nicht von einer Landjugend organisiert, sondern von Julian Ritter und seinen Freunden. Das Feiern steht bei ihnen im Vordergrund: „Wir sind wirklich keine Spaßbremsen“, ruft Ritter und wird dabei fast von der Musik übertönt.

Neben den Party-Wagen sind beim Umzug auch zahlreiche wahre Kunstwerke zu entdecken: Obstkostüme, Wüstenbewohner und Bademeister, die extra einen Pool auf dem Wagen aufgebaut haben, sind nur einige der Hingucker. Voran laufen die Mitglieder der Landjugend, gekleidet in Tracht.

Und auch die Party-Enthusiasten vom Toxicator möchten eine bestimmte Tradition trotz allem erhalten: Sie werfen den kleinen und großen Schaulustigen Bonbons zu, und von denen haben sie eine ganze Menge.

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