Plattdeutsches Theater in Hepstedt

So tüdelig ist Oma noch gar nicht

In seinem aktuellen plattdeutschen Stück führt der Theaterverein Hepstedt die Rettung einer Dorfkneipe vor – Am Sonntag Premiere in Blankens Gasthof.
08.02.2019, 17:17
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Kessels
So tüdelig ist Oma noch gar nicht

Wirt Hermann (Klaus Detjen) und seine Frau Elvira (Silvia Brase) vor der Dorfkneipe namens Titanic, die nach 150 Jahren in Familienbesitz unterzugehen droht.

Christian Kosak

Hepstedt. Wie fällt man bühnenwirksam hin, wie lange hält man es mit einem Knebel im Mund aus, und auf welcher Silbe muss das Wort „Pastor“ betont werden? Antworten auf diese Fragen gibt der Theaterverein Hepstedt ab diesem Sonntag. Dann feiert seine plattdeutsche Komödie „De Titanic dröff nich ünnergahn“ von Helmut Schmidt Premiere. In dieser Woche wurden die Proben vom Hepstedter Sporthaus in den Saal von Blankens Gasthof verlegt. Die Bühne ist gerade fertig geworden.

An der linken Wand die Außenmauer eines Hauses, in der Mitte der Rückwand eine Tür. Die wird noch zwei Einsetzrahmen und bunte Glasscheiben erhalten, damit besser zu erkennen ist, dass das Stück draußen spielt, und der Platz vor Kneipe hinten und Wohnhaus der Wirtsleute links muss auch noch ein wenig ergrünen. „Unser Malermeister macht das noch“, sagt Angelika Klindworth, die Vorsitzende des Theatervereins. Deshalb stehen auch ein Dutzend Farbeimer unterm Tapeziertisch, auf dem die beiden frischgestrichenen Fensterrahmen zum Trocknen liegen.

Noch wirkt alles etwas chaotisch, noch wissen nicht alle der zehn Mitspieler immer auf Anhieb, wie sie auf der Bühne stehen, welchem Spieler sie ihr Gesicht zuwenden und in welcher Reihenfolge sie abgehen sollen. Aber Souffleuse Christina Detjen hat den Überblick und wird dabei von Hannelore Bammann unterstützt, die neuerdings Regie führt – in den letzten Jahren spielte der Theaterverein ohne Regisseur. Die Kneipe im Bühnenhintergrund, das ist die Titanic, die nicht untergehen darf. Sie steht aber kurz davor, denn Wirt Hermann (Klaus Detjen) hat sie fast verspielt und muss sie an Josef Schaffernicht verkaufen. Der ist Bayer. Heiko Brase, der ihn spielt, ist kein Bayer, spricht aber schon fast perfekt. „Ich hab’s einfach so gelesen, anfangs war es schwierig, das ist ja fast eine Fremdsprache“, meint er. Noch etwas ist schwierig für ihn: Gegen Schluss wird er gefesselt und geknebelt. Er hat nämlich mit der Kneipe höchst verwerfliche Pläne, sie soll ein Bordell werden, und das ruft die Frauenbeauftragte (Angelika Klindworth) auf den Plan, die vor nichts zurückschreckt. Höchstens vor einer Sache, die die Welt zusammenhält: „No Sex!“ steht auf einem der Plakate, mit dem sie und zwei Statistinnen eine Demo zur Titanic veranstalten, so richtig schön mit Trillerpfeife und Megaphon, das bei der Probe unprogrammgemäß plötzlich von selbst loskrächzt.

Dabei ist doch in Wahrheit Oma schuld! Oma Rosa (Martina Blanken) ist die Mutter von Wirt Hermann, die Kneipe war 150 Jahre in Familienbesitz, und jetzt hat ihr liederlicher Sohn sie verspielt? Oma ist zwar schon leicht tüdelig, meint ihre Schwiegertochter Elvira (Silvia Brase), aber sie weiß sich zu helfen, und ihr wird geholfen. Sie hat nämlich, sonst wäre sie ja keine Oma, einen Enkel, und Ronny (Harm Tietjen), Student in Hamburg, hat eine Freundin, Angela (Ronja Haase), und die hat eine Freundin Tina (Inken Meyer), und außerdem ist Oma seit drei Jahren mit dem Herrn Schaffernicht gut bekannt.

Natürlich machen Tina und Angela bereitwillig mit bei Omas Plan, und da das neue Etablissement ohne weibliche Reize nicht existieren kann, werden Ronja Haase und Inken Meyer bei der Premiere, anders als bei der Probe, auch nicht in Winterjacke und dickem Schal auftreten, sondern erheblich luftiger bekleidet. „Solange man verkleidet ist und eine Perücke trägt, ist die Hemmschwelle weg“, meint Ronja Haase, und sie müsse auch nicht befürchten, am Tag nach der Aufführung im Dort schief angesehen oder plump angebaggert zu werden. Vorerst ist Angela aber etwas unbehaglich zumute: „Buten stahn un dann noch in disse Klamotten.“ Tina sieht es realistischer: „Maakt doch Spaß, de Mannslüe to verorschen.“ Beim ersten Gast (Jürgen Brüggemann) kann sie gleich ihre Verführungskünste erproben: „Raus mit den Kröten und nicht erröten.“ Der Gast wollte natürlich nur mal gucken kommen. Und der Pastor (Helmut Haase) hat auch nur die besten Absichten. Das kann er Angie lange erzählen.

„Mir haben alle gesagt, ich soll Pastohr sagen statt Pástor“, sagt Silvia Brase alias Elvira – da der Autor Helmut Schmidt gebürtiger Ostfriese ist und in Oldenburg lebt, ist der Dialekt des Stückes ein wenig anders als das Hepstedter Geestplatt. Einige Wörter sind hierzulande unbekannt, manchmal ist auch die Schreibweise irreführend: Würde „amenne“ in zwei Wörtern geschrieben, würde man sofort darauf kommen, dass es „am Ende“ bedeuten soll. „Darum lesen wir ja auch ab Oktober ein paar Wochen lang“, sagt Anette Brüggemann, die Schriftwartin des Vereins, die dieses Jahr nicht auf der Bühne steht. Obwohl plattdeutsche Muttersprachlerin, habe sie manchmal Schwierigkeiten mit der oldenburgisch-ostfriesischen Mundart. Aber sie macht es wie alle Spieler auf der Bühne – sie passen sich das in ehr’n Muul torecht, und schon klappt es.

Die Premiere in Blankens Gasthof ist am Sonntag, 10. Februar, um 15 Uhr, es folgt eine Abendvorstellung um 19.30 Uhr. Diese Uhrzeiten gelten auch für Sonntag, 17., und Mittwoch, 20. Februar. Am Mittwoch, 13. Februar, wird um 19.30 Uhr gespielt, am Sonnabend, 16. Februar, um 15 Uhr, und am Freitag, 22. Februar, folgt auf die Vorstellung von 19.30 Uhr die Abschlussparty.

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