Aufgabe für Tarmstedts neuen Verwaltungschef

SPD wünscht sich Rathaus als Bürgerhaus

Bernd Sievert ist bislang der einzige Bewerber, der sich beim SPD-Ortsverein um die Nominierung zum offiziellen Samtgemeindebürgermeisterkandidaten bemüht. Entschieden wird am 30. September.
02.09.2020, 19:00
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Von Johannes Heeg
SPD wünscht sich Rathaus als Bürgerhaus

Neuerdings mit Brille unterwegs: Bernd Sievert (SPD) möchte Bürgermeister der Samtgemeinde Tarmstedt werden.

Johannes Heeg

Hepstedt. Die Tarmstedter Genossen lassen sich noch ein wenig Zeit mit der Aufstellung ihres Bürgermeisterkandidaten für die Samtgemeinde. Während die CDU schon vor einem Monat den parteilosen Rechtsanwalt Markus Schwiering nominiert hat, hat die SPD am Dienstag ebenfalls im Gasthaus Blanken in Hepstedt ihr sogenanntes „Interessenbekundungsverfahren“ eröffnet. Der einzige Interessent, der sich dort den 20 stimmberechtigten Mitgliedern vorstellte, war Bernd Sievert, Chef der SPD-Fraktion im Tarmstedter Samtgemeinderat. Die Nominierung „des Kandidaten oder der Kandidatin“, wie die SPD-Chefin Sylvia Best sagte, soll in vier Wochen im „Tarmstedter Hof“ erfolgen. Bis zu dieser Versammlung und noch während der Zusammenkunft am Mittwoch, 30. September, 19 Uhr, könnten sich weitere Bewerber melden.

Dass sich weitere Interessierte melden werden, glaubt die SPD-Chefin nicht so recht. Was aber nicht weiter tragisch sei, denn schließlich entspreche Sievert weitgehend dem Anforderungsprofil des Parteivorstands, wie sie am Rande der Versammlung sagte. Der SPD-Kandidat sollte demnach in der Samtgemeinde Tarmstedt verwurzelt sein und die Belange aller Einwohner im Blick haben. „Und gerade auch für die, die es im Alltag schwerer haben als andere“, sagte Best, „beispielsweise Alleinerziehende oder die, die jeden Donnerstag vor der Tafel stehen.“ Der künftige Samtgemeindebürgermeister sollte ein empathischer Mensch sein, zu dessen Sprechstunden die Menschen gerne ins Rathaus kämen. Überhaupt solle das Rathaus ein offenes Bürgerhaus werden. In der Samtgemeinde stecke viel Potenzial, das nur geweckt werden müsse.

Der Co-Vorsitzende Dirk Gröffel skizzierte das politische Anforderungsprofil. Der künftige Bürgermeister müsse die Digitalisierung voranbringen, um die Verwaltung mit Hilfe von digitalen Formularen bürgerfreundlicher zu machen, sagte er. Und mit der überfälligen Umsetzung des längst beschlossenen Ratsinformationssystems werde auch die politische Arbeit für die Bürger transparenter. Der Ausbau des Glasfasernetzes sei unerlässlich, auch um die Ansiedlung neuer Unternehmen zu ermöglichen. Die Weiterentwicklung der Grundschule Tarmstedt zur Ganztagsschule sei wichtig für eine familienfreundliche Kommune. Dabei sollten Räumlichkeiten mit eingeplant werden, die abends und am Wochenende von Vereinen und politischen Gruppen genutzt werden können. Und schließlich solle der neue Samtgemeindebürgermeister ein kommunikativer Partner für die Mitgliedsgemeinden und Nachbarkommunen sein. Mit gemeinsamen Projekten sollen Synergieeffekte für alle Beteiligten ermöglicht werden.

Für Bernd Sievert wäre es der zweite Anlauf zum Chefsessel im Tarmstedter Rathaus. Schon 2014 wollte der heute 56-jährige Tarmstedter Nachfolger von Frank Holle (CDU) werden, dessen Amtszeit nach 15 Jahren am 31. Oktober 2021 endet. Vor sechs Jahren zog Sievert mit 2439 zu 2871 Stimmen den Kürzeren. Sievert wurde 2019 bei der Bundeswehr in den Ruhestand verabschiedet und arbeitet seitdem halbtags als Sachbearbeiter bei einer Bundeswehr-Tochter namens Heeres-Instandsetzungs-Logistik in der Kaserne in Seedorf. Parteifreunde hätten ihn zu seiner Bewerbung ermuntert, sagt er. Zu dem Schritt, noch einmal anzutreten, habe er sich entschlossen, „weil meine Familie hinter mir steht“, sagte er jetzt in Hepstedt. Er erinnerte daran, dass seine Frau Karin 2014 für seine Hausbesuche „3000 Pralinen gedreht“ habe. „Ich habe bestimmt drei Viertel aller Häuser abgeklappert“, sagte er.

Er traue sich den Job in der Verwaltungsspitze zu, sagte Sievert. Seit der letzten Wahl habe er in der Politik viel Erfahrung gesammelt, aber auch an Lebenserfahrung hinzugewonnen. Seit zehn Jahren sei er Vorsitzender des TuS Tarmstedt. „Ich habe die Fähigkeiten, die man für dieses Amt braucht“, sagte er. Der Wahlkampf werde nicht leicht, ein Team dafür habe er bereits zusammengestellt. „Mit eurer Unterstützung werde ich das schaffen.“

In einer Fragerunde wurde Sievert unter anderem gefragt, welche Note er der Samtgemeinde Tarmstedt in Sachen Ökologie und Klimapolitik geben würde. Er nehme die vielen Maisfelder in der Region schon wahr, sagte Sievert, doch wolle er die Bauern „nicht zu sehr einschränken“. Schließlich sei es „die Gesellschaft, die die Landwirte dahin gebracht hat“.

Das gesellschaftliche Problem könne die Samtgemeinde alleine nicht lösen. Gleichwohl könne und müsse mehr für die Artenvielfalt getan werden, beispielsweise mit Blühinseln auf den Feldern. Sievert sprach von einem Trend hin zu einer regionalen Lebensmittelversorgung. Corona habe das Einkaufsverhalten der Menschen verändert, so Sievert, „die Menschen kaufen wieder mehr lokal“. Das sei gut für die hiesigen Landwirte.

Der Jubiläumsball zum 50-jährigen Bestehen des Ortsvereins wurde auf Juni 2021 verlegt, dafür ist nun die 84 Seiten umfassende Festschrift erhältlich, die nachträglich noch um ein Interview mit dem Gründungsvorsitzenden Jürgen Dehn ergänzt wurde. Die Weihnachtsfeier der SPD ist für den 27. November in Kirchtimke geplant.

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