Vorbereitungen laufen, Perspektive fehlt

Freibäder warten aufs Startsignal

Corona-Report: In den Freibädern Hepstedt, Wilstedt und Kirchtimke laufen die Vorbereitungen auf die Saisoneröffnung - und keiner weiß, wann die sein wird.
29.04.2020, 18:28
Lesedauer: 4 Min
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Von Johannes Heeg
Freibäder warten aufs Startsignal
Johannes Heeg

Hepstedt/Wilstedt/Kirchtimke. Schwimmbadbetrieb in Corona-Zeiten, wie könnte das aussehen? Nicht mal die Profis können sich das so recht vorstellen, wie das gehen soll mit der Einhaltung der Hygieneregeln und der Abstände. Clemens Giesecke, der frisch eingestellte neue Badleiter im Hepstedter Ummelbad, verweist zwar auf den Pandemieplan der Deutschen Gesellschaft fürs Bäderwesen. „Aber wie soll ich denn kontrollieren, ob die Menschen sich daran halten, wenn ich alleine die Badaufsicht habe?“, fragt der 25-Jährige.

Auch Jörg Wagner, bei der Samtgemeinde Tarmstedt zuständig für die drei Freibäder, sagt: „Der Pandemieplan ist erst mal Theorie.“ Auch deshalb, weil im Moment keiner sagen könne, wann die Schwimmbäder in Deutschland überhaupt ihren Betrieb aufnehmen dürften. „Wir wissen nicht, was die Regierung dazu sagen wird“, so Wagner. Anfang bis Mitte Mai war bisher immer Saisonbeginn der beheizten Bäder in Hepstedt und Wilstedt, in diesem Jahr werde das nichts, das stehe fest. Was das für die Einnahmen bedeutet? „Das haben wir noch nicht berechnet“, sagt Wagner. Im vorigen Jahr haben die drei Freibäder der Samtgemeinde ein Defizit von insgesamt 344 000 Euro beschert.

Giesecke, der seinen Dienst zum 1. April angetreten hat, nutzt die Zeit für Instandhaltungsarbeiten. Die Bänke hat er gestrichen, auch die Umkleiden. Demnächst will er die Überlaufrinnen um die Becken herum neu beschichten. Dafür habe die Samtgemeinde eigens eine teure, aber hochwertige Chlorkautschukfarbe beschafft. Ein Handwerker bessert derweil die Dehnungsfugen aus, und auch abgeplatzte Fliesen seien bereits erneuert worden. Im Moment arbeitet Giesecke von Montag bis Freitag. Das mit den freien Wochenenden sei zwar angenehm, trotzdem freue er sich auf den Badebetrieb: „Ich habe den Beruf auch gewählt, weil ich gerne mit Menschen zusammen bin.“

Im Wilstedter Heidebad ist Kim Peymann startklar, wie sie sagt. Jeden Tag entfernt sie den Blütenstaub aus den Becken, denn wenn erst einmal die Fugen alle wieder in Ordnung seien und die Brücke ihre neuen Fliesen bekommen habe, werde sie die Becken füllen – auch ohne Öffnungsperspektive. Fast eine Million Liter Wasser wird sie einlassen, um dann erst mal in den Probebetrieb zu gehen. „Wir haben im Herbst eine neue Umwälzpumpe bekommen, die jetzt feinjustiert werden muss“, erklärt Günther Nase vom Förderverein des Heidebads. Sobald alles einwandfrei laufe, „gehen wir auf Standby. Wir könnten dann jederzeit öffnen“.

Badebetrieb – wie das in der Praxis aussehen soll, wissen sie in Wilstedt allerdings auch nicht. An schönen Tagen seien schon mal 1000 Menschen im Bad, die könne sie gar nicht alle im Auge behalten, so Peymann. Aber wie viele Besucher sind in Corona-Zeiten vertretbar? „Das wissen wir nicht.“ Wann sie wohl öffnen wird? Aus Baden-Württemberg habe sie gehört, dass Schwimmbäder dort wie Großveranstaltungen gesehen werden. „Und die sind bis Ende August verboten. Dann ist die Saison fast vorbei“, sagt sie. Was sie sehr schade fände, denn sie freue sich sehr auf die Arbeit.

Im Timkebad in Kirchtimke bessern Maurer in diesen Tagen fehlerhafte Stellen am Beckenkopf aus. „Wenn das fertig ist, können wir die Becken streichen“, sagt Oliver Moje vom Förderverein Timkebad, dessen Mitglieder das Kirchtimker Bad voriges Jahr vor der endgültigen Schließung bewahrt haben. Jetzt hofft Moje, dass die versprochene Sanierung der maroden Beckenköpfe tatsächlich noch in diesem Jahr umgesetzt wird – für den Förderverein ein wichtiger Baustein zur Zukunftssicherung des Timkebads. Das Geld, immerhin 99 000 Euro, sei im Haushalt 2020 verankert, und mehrere Kostenvoranschläge lägen vor. Was Moje gar nicht behagt, ist die Vorstellung, „dass die Erneuerung der Beckenköpfe so lange verschleppt werden könnte, bis sie schließlich Sparmaßnahmen in Folge der Corona-Krise zum Opfer fallen“.

Samtgemeindebürgermeister Frank Holle sagt dazu auf Anfrage: „Stand jetzt gehe ich davon aus, dass alle Projekte, die wir mit unserem Haushalt 2020 beschlossen haben, auch umgesetzt werden.“ Die Ausschreibung des Beckenkopfes sei „beabsichtigt und in Arbeit“. Gleichwohl sei für den Samtgemeindeausschuss am 12. Mai ein „Corona-Sachstandsbericht“ geplant, in der Sitzung sollen die finanziellen Auswirkungen der Krise erörtert werden. Dabei würden alle Projekte „auf den Prüfstand gestellt“, wobei der Samtgemeinderat das letzte Wort habe. Holle äußert sich aber zuversichtlich: „Ich halte viel von dem Grundsatz, dass die öffentliche Hand in Krisenzeiten antizyklisch handeln, also investieren, sollte.“

Mittlerweile sei ein zweiter Teilzeithausmeister eingestellt worden. Beim Personal für Kasse und Reinigung sei die Samtgemeinde wegen der ungewissen Öffnungsperspektive noch zurückhaltend. So ganz zufrieden ist der Förderverein damit nicht: „Bisher durfte unser Hausmeister nur ganze Stunden pro Woche arbeiten“, sagt Moje. Dabei gebe es im Timkebad nicht weniger Arbeit als in Wilstedt und Hepstedt, wo das Stundenkontingent wesentlich größzügiger sei. „Wir rechnen mit rund 300 Arbeitsstunden, um unser Freibad auf die Saisoneröffnung vorzubereiten“, sagt der Vorsitzende. Das Problem werde nicht kleiner dadurch, dass der Förderverein wegen der Corona-Pandemie derzeit keine ehrenamtlichen Arbeitseinsätze leisten dürfe.

Voriges Jahr habe der Verein während der Badesaison rund 700 Arbeitsstunden ehrenamtlich erbracht, hauptsächlich für den Betrieb von Kiosk und Imbiss, aber auch für zwei Garteneinsätze. Wir sind auch in diesem Jahr sehr motiviert", sagt Moje. Zwei Wünsche hat er: "Dass wir das Timkebad bald öffnen können und dass wir von Verwaltung und Politik genauso behandelt werden wie die anderen beiden Bäder."

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