Pastor Preibusch geht in Ruhestand Gemeinsam gute Erfahrungen gemacht

Nach 35 Jahren als Pastor der Kirchengemeinde Kirchtimke wird Wolfgang Preibusch am kommenden Sonntag, 2. Mai, in den Ruhestand verabschiedet. Der Gottesdienst wird im Internet übertragen.
29.04.2021, 10:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Heeg

Kirchtimke. Von seinem Schreibtisch aus hatte er immer die Kirche im Blick. 35 Jahre war das so. Dreieinhalb Jahrzehnte, so lange ist Wolfgang Preibusch nun Pastor in Kirchtimke, und so lange lebte er mit seiner Familie im Pfarrhaus, wo er auch sein Arbeitszimmer hatte. Seit Februar wohnen die Preibuschs in Wilstedt, und das Kirchtimker Pfarrhaus steht leer. Denn am kommenden Sonntag, 2. Mai, wird Pastor Preibusch in den Ruhestand verabschiedet. Wegen Corona dürfen dem Gottesdienst mit der Superintendentin Jutta Rühlemann nur geladene Gäste beiwohnen, doch ist ab 13.50 Uhr Live-Stream geplant, abrufbar unter https://youtu.be/qeBXcuc8Qec.

Gekommen ist Preibusch als Hilfspastor, auch Probedienstler genannt. Am 1. Februar 1986 war das, da hatte der in Göttingen aufgewachsene Theologe zweieinviertel Jahre Vikariat bei der Domgemeinde Verden und ein Jahr Predigerseminar in Rotenburg hinter sich, war 30 Jahre alt, verheiratet und hatte zwei Kinder. „Die Stelle in Kirchtimke wurde mir zugewiesen, und wir haben uns gesagt: Sieben bis zehn Jahre bleiben wir auf jeden Fall, denn in den fünf Jahren zuvor sind wir fünf Mal umgezogen.“ Tatsächlich ist Preibusch 35 Jahre geblieben, was für die Kirchengemeinde typisch zu sein scheint, „denn in den letzten hundert Jahren gab es hier nur vier Pastoren“. Auch sein Vorgänger Dieter Stuckenschmidt sei als Probedienstler eingestiegen.

Was ihm bei seiner Arbeit stets wichtig war, bringt Preibusch so auf den Punkt: „Wenn Gemeinschaft gelingen soll, also das Zusammenleben im Dorf und in der Stadt, dann brauchen die Menschen Orte, wo sie gemeinsam gute Erfahrungen machen können. Und solche Orte bietet unsere Kirchengemeinde.“ Gelebt werde dies beispielsweise bei der Konfirmandenarbeit, die in Kirchtimke unter seiner Regie aufs vierte Schuljahr vorgezogen wurde, und zwar unter intensiver Beteiligung der Eltern. „Das funktioniert wunderbar. Ich bin in all den Jahren nur drei Mal eingesprungen“, so Preibusch.

Dass in seiner Kirchengemeinde mit ihren 2500 Mitgliedern überdurchschnittlich viele, nämlich etwa 100 Ehrenamtliche aktiv das Gemeindeleben mitgestalten, hängt mit Preibuschs Verständnis von Kirche zusammen. „Was das geistliche Amt betrifft, gibt es in der evangelischen Kirche keine Hierarchie. Alle Getauften sind auf einer Stufe“, sagt er, „wir sprechen auf Augenhöhe.“ So sei es ihm immer wieder gelungen, Gemeindeglieder neu zur Mitarbeit zu ermutigen, für ihre Aufgaben vorzubereiten und dann auch zu begleiten. Die Schulungen für die Lektoren, die selbstständig 25 bis 30 Gottesdienste im Jahr gestalten, den Besuchsdienst, den Kindergottesdienst und die Konfirmandenarbeit hätten seinen Dienst stark geprägt.

„Pastor Preibusch hat viel bewegt, und er wird viele Spuren hinterlassen“, sagt denn auch Annegret Lünzmann, die Vorsitzende des Kirchenvorstands. Für die von Preibuschs Frau Karola ins Leben gerufenen und lange geleiteten Gruppen von Eltern mit Kleinkindern, Mini-Club genannt, sei sogar das Gemeindehaus umgebaut worden. Und sie erinnert an Veranstaltungen wie Frauen-Feierabend und Männerfrühstück, die der Pastor angeregt habe. Wichtig sei auch das gute Miteinander mit der Kirchengemeinde Wilstedt/Tarmstedt sowie der Salemsgemeinde Tarmstedt, die auch stets in die gemeinsamen Bibelwochen eingebunden seien. Und auch die besonderen Gottesdienstformen, wie Denkste-Gottesdienst, Taufen im Freibad oder die Winterkirche in den Kapellen der Dörfer seien nicht mehr wegzudenken. „Er hat uns große Freiheiten gelassen“, so Lünzmann. Was sie auch freut: „Es gibt keine Vakanz, der Nachfolger wird bereits im Juli antreten.“

Nach seinem letzten Gottesdienst in Kirchtimke am 2. Mai hat Preibusch noch einige Wochen Resturlaub und Sonderurlaub fürs 35-jährige Ordinationsjubiläum, bevor sein Dienst offiziell am 31. Juli endet - nach genau 35 Jahren und sechs Monaten in Kirchtimke. Preibusch wird dann 65 Jahre und neun Monate alt sein. Seine letzten Amtshandlungen seien die Konfirmationen am 20. und 27. Juni. Was er im Ruhestand machen wird? „Ich möchte schon gerne Ruheständler sein“, sagt der vierfache Vater und zweifache Großvater. Klar sei, dass er sich ehrenamtlich engagieren werde, „das wird sich finden“.

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Zur Sache

Neues Pfarrhaus geplant

Die Kirchengemeinde Kirchtimke will ein neues Pfarrhaus bauen. Es entsteht neben dem alten Pfarrhaus auf dem Kirchengrundstück an der Hauptstraße gegenüber der Kirche auf einem Teil einer Fläche, die Pfarrworth heißt, weil dort bis in die 1940er-Jahre Pfarr- und Missionsfeste gefeiert wurden. Der Neubau wird wie das alte Haus etwa 200 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche haben. „Die Finanzierung steht, wir warten nur noch auf die Baugenehmigung“, sagt Pastor Wolfgang Preibusch, der Ende Juni in den Ruhestand geht. Nutznießer wird also sein Nachfolger sein. Das alte Pfarrhaus wird verkauft, es stammt aus dem Jahr 1953 und gilt als stark sanierungsbedürftig. Dessen Vorgängerbau stand früher an der Auffahrt zum jetzigen Pfarrhaus und wurde 1970 wegen Baufälligkeit abgerissen. Als die alte Schule 1974 zum kirchlichen Gemeindehaus wurde, hat der Türbalken des alten reetgedeckten Pfarrhauses dort einen neuen Platz bekommen.

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