TSV Timke

Bewusste Fußballpause - wegen Corona!

Beim TSV Timke ist genau das eingetreten, was nicht wenige prognostiziert hatten. Mit Mascha und Jule Laucke haben zwei Fußballerinnen eine Pause verkündet - und zwar wegen der Corona-Pandemie.
27.08.2020, 09:07
Lesedauer: 3 Min
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Bewusste Fußballpause - wegen Corona!
Von Tobias Dohr

Kirchtimke. Als die Corona-Pandemie im März schlimmer und schlimmer und der vollständige Lockdown ausgerufen wurde, da meldeten sich auch irgendwann die Vereine besorgt zu Wort. Wochen-, ja, monatelang mussten die Sportlerinnen und Sportler auf die Ausübung ihres Hobbys verzichten – und es gab nicht wenige, die befürchteten, dass sich früher oder später zahlreiche Aktive bei den Klubs abmelden würden.

Dieses Horrorszenario ist (bislang) nicht eingetreten. Die allermeisten Vereine und Mannschaften sind mit einem blauen Auge durch das letzte halbe Jahr gekommen. Beim TSV Timke ist nun aber genau das eingetreten, was nicht wenige prognostiziert hatten. Mit Mascha und Jule Laucke haben zwei Fußballerinnen eine Pause verkündet, die unmittelbar mit der Pandemie zusammenhängt.

„Wir werden erst einmal nicht mehr Fußball spielen“, sagt Mascha Laucke und liefert die Begründung gleich mit: „Unser Vater und unsere Großeltern gehören allesamt zur Risikogruppe. Da wollen wir einfach nichts riskieren.“ Nun muss man wissen, dass die Laucke-Zwillinge nicht irgendwelche Spielerinnen beim TSV Timke sind. Mit ihren vielen Toren trug das Duo in der abgebrochenen Spielzeit maßgeblich dazu bei, dass der Rotenburger Kreisligist bis zum coronabedingten Abbruch mit einer makellosen Bilanz (zehn Spiele, zehn Siege) auf Platz eins stand – und somit in dieser Saison in der Bezirksliga an den Start gehen wird.

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Dem TSV Timke um seinen Neu-Coach Andreas Feldmann (siehe nebenstehender Bericht) gehen also zwei absolute Leistungsträgerinnen verloren. Das ist den beiden 20-Jährigen durchaus bewusst, dennoch stand die Entscheidung relativ schnell fest: „Nur das Training in unserer Mannschaft mit den gewohnten Abstandsregeln, das wäre für uns noch okay gewesen“, berichtet Jule Laucke. Doch dann kam irgendwann das Zeichen, dass der normale Spielbetrieb wieder zugelassen werden soll. Für die Zwillinge der Moment, um mit den Teamkameradinnen das offene Gespräch zu suchen.

„Es gab zum Glück keinerlei Vorwürfe oder böse Worte“, erinnert sich Mascha Laucke. Alle hätten die Entscheidung der Schwestern akzeptiert und mitgetragen. Auch von Zuhause hätten sie keinen Druck verspürt: „Unsere Familie hat uns die Entscheidung komplett selbst überlassen, da hat niemand Druck in irgendeine Richtung ausgeübt“, berichtet Mascha Laucke. So sicher sie in ihrer jetzigen Entscheidung waren, so klar ist auch: Irgendwann wollen die Laucke-Zwillinge wieder angreifen – im wahrsten Sinne des Wortes. Wann das sein wird? Da wollen sie sich lieber noch nicht festlegen.

„Wir werden jetzt auf jeden Fall das Ende der Sommerferien abwarten und dann schauen, wie sich die Zahlen entwickeln. Vielleicht gehen wir dann im Oktober wieder zum Training, um uns dort auch die nötige Sicherheit zu holen“, erklärt Mascha Laucke. Und wenn alles passt, steht auch einem Punktspieleinsatz am Ende des Jahres nichts mehr im Wege. Momentan steht ohnehin die Ausbildung an erster Stelle. Mascha Laucke hat Anfang August eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau begonnen, ihre Schwester Jule startet in diesen Tagen in ihrer Erzieherinnenlaufbahn. „Deshalb ist der Verzicht auf Fußball zum jetzigen Zeitpunkt eine absolut notwendige Risikominimierung für uns“, erklärt Jule Laucke. Gleichwohl weiß auch sie: „Wir freuen uns, wenn wir irgendwann wieder mit dem Fußball anfangen.“ So gesehen ist auch beim TSV Timke der „worst case“ nicht eingetreten. Von einem endgültigen Fußballabschied wollen die Laucke-Zwillinge schließlich nichts wissen.

Info

Zur Sache

Andreas Feldmann springt ein

Überzeugungsarbeit leisteten die Fußballerinnen des TSV Timke, um einen ehemaligen Übungsleiter zumindest als Übergangstrainer für ihr Team zu gewinnen. Andreas Feldmann springt beim Bezirksliga-Aufsteiger als Interimscoach ein. „Es wird eine Riesen-Herausforderung“, ist sich der 56-jährige Übergangstrainer der Schwere der Aufgabe voll bewusst.

Feldmann betreute mehrere Stammkräfte bereits im Mädchenbereich. Der Dipshorner verweist auf eine langjährige Erfahrung im Mädchen- und Frauenbereich beim TSV Eiche Neu St. Jürgen (13 Jahre) und beim TSV Timke (sieben Jahre). Die ersten Eindrücke nach seinem Comeback als Übungsleiter sind positiv. „Das Engagement, das die Spielerinnen an den Tag legen, lässt keine Wünsche offen“, lobt der Rückkehrer auf die Trainerbank. Mit Andreas Trapp steht dem TSV Timke auch ein Torwarttrainer zur Verfügung.

Der Neu-Bezirksligist plant, dass Andreas Feldmann für mehrere Monate aushilft, ehe ein neuer Trainer die Kickerinnen vom Schierksdamm übernehmen soll. Mit einem Mini-Kader von nur 13 Spielerinnen geht der TSV Timke das Bezirksliga-Abenteuer an. Der Verein hatte sich in der Sommerpause von seinem Erfolgs- und Meistertrainer Tobias Hecht getrennt.

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