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Ausstellung ehrt die Männer aus Putten

Die Gedenkstätte Lager Sandbostel verlegt die Sonderschau „Mannen uit Putten in Sandbostel, 1945“ wegen der Corona-Pandemie ins Internet.
05.04.2020, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Johannes Heeg
Ausstellung ehrt die Männer aus Putten

Eigens für die Ausstellung in Sandbostel hat Ben Middelkamp eine Reihe von Aquarellen geschaffen.

Stiftung Lager Sandbostel

Sandbostel. Ausstellungen können in diesen Corona-Zeiten nur noch im Internet besucht werden. Das gilt auch für die Sonderausstellung „Mannen uit Putten in Sandbostel, 1945“ in der Gedenkstätte Lager Sandbostel. Die sollte ursprünglich an diesem Sonntag, 5. April, um 15 Uhr im Rahmen des Begleitprogramms zum 75. Jahrestag der Befreiung der Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge im Stalag X B eröffnet werden. Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Gedenkstätte Lager Sandbostel aber bis auf weiteres geschlossen, und sämtliche Veranstaltungen sind abgesagt. Um die Kunstwerke dennoch zu zeigen, wird die Ausstellung in den virtuellen Raum verlegt, teilt der Leiter der Gedenkstätte Andreas Ehresmann mit.

Wie es überhaupt zu der Sonderausstellung kam, erklärt Ehresmann so: „Vor einem halben Jahr wandte sich der niederländische Künstler Ruurd van Schuijlenburg an die Gedenkstätte Lager Sandbostel mit der Bitte, seinen Großonkel Geurt Dirksen aus dem niederländischen Dorf Putten und 33 weitere in Sandbostel verstorbene Männer aus demselben Dorf mit einem temporären Kunstprojekt zu ehren.“ Ben Middelkamp, ein befreundeter Künstler, und Ruurd van Schuijlenburg wollten dazu gerne eine eigens erarbeitete Ausstellung in der Gedenkstätte Lager Sandbostel präsentieren.

„Nach einem ersten Ortstermin waren wir schnell von dem Kunstprojekt und der Qualität der künstlerischen Arbeiten überzeugt“, so Ehresmann. Ruurd van Schuijlenburg zeige und würdige in eindrucksvollen Bleistiftporträts die Männer – alle aus Putten nach Sandbostel deportierten Männer in ihrem zivilen Alltag. Ben Middelkamp zeigt in expressionistischen Aquarellen die Orte – vom Ort des Anschlages über die Kirche von Putten bis hin zum Stalag X B Sandbostel.

Verschleppt wurden die Niederländer nach einer Razzia der deutschen Wehrmacht in Putten. „Nach einem am 1. Oktober 1944 ausgeführten Anschlag der niederländischen Widerstandsbewegung, bei dem drei deutsche Soldaten verletzt wurden und einer ums Leben kam, führte die Wehrmacht eine Razzia in dem in der Nähe gelegenen Dorf Putten durch“, erläutert Ehresmann. Als Repressalmaßnahme sei zunächst die gesamte männliche Bevölkerung des Dorfes (660 Männer und Jugendliche ab 17 Jahre) festgenommen und schließlich 588 in das Konzentrationslager Neuengamme deportiert worden. Im Zuge der Räumung des KZ Neuengamme gelangten 46 der Männer aus Putten mit einem Todesmarsch in das Stalag X B Sandbostel. Nur zwölf von ihnen überlebten und kehrten nach der Befreiung zurück nach Putten.

Die Sonderausstellung werde im Rahmen der virtuellen Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Befreiung umfassend auf der Homepage präsentiert. Ehresmann: „Wir schalten sie zum ursprünglich geplanten Eröffnungszeitpunkt am Sonntag, 5. April, um 15 Uhr frei.“ Die Internetadresse lautet: https://www.stiftung-lager-sandbostel.de/mannenuitputten.

Abgesagt hat die Gedenkstätte auch alle anderen angekündigten Veranstaltungen, Vorträge und Rundgänge, die bis Ende April geplant waren. Dies betrifft auch die Jubiläumsveranstaltung zur 15-Jahr-Feier der Stiftung (17. April), die Fachtagung zu den „Todesmärschen im Elbe-Weser-Dreieck“ (18. April) und die große Gedenkveranstaltung anläßlich des 75. Jahrestags der Befreiung der Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge im Stalag X B (29. April).

„Am Mittwoch, 29. April, werden wir in deutlich kleinerem Rahmen der Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge gedenken, die in Sandbostel gelitten haben und gestorben sind“, kündigt Ehresmann an. Diese Veranstaltung, aber auch andere Vorträge, die ohne Publikum aufgenommen werden, werde die Gedenkstätte auf ihren Social-Media-Kanälen zum Mitverfolgen anbieten (www.facebook.com/gedenkstaettelagersandbostel; www.instagram.de/gedenkstaettelagersandbostel).

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