Werte-Woche für Azubis im Lager Sandbostel

Besondere Tage mit Blick über den Tellerrand

Acht Auszubildende der Volksbank OHZ Bremervörde verbringen eine „Werte-Woche“ in der Gedenkstätte Lager Sandbostel, befassen sich mit dem Thema Identität und Biografie und arbeiten praktisch mit.
05.08.2020, 17:38
Lesedauer: 2 Min
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Von Johannes Heeg

Sandbostel. Sie tauschten ihre klimatisierten Büros gegen körperliche Arbeit in einer Gedenkstätte: Auszubildende der Volksbank Osterholz Bremervörde absolvierten eine „Werte-Woche“ im ehemaligen Kriegsgefangenenlager Sandbostel. Pit-Alan Agyekum war einer von ihnen, er sagt: „Es sollte nie vergessen werden, was in der Vergangenheit hier passiert ist. Alles das muss aus unterschiedlichen Perspektiven heraus betrachtet werden.“ „Die Schrecken des Krieges, sie passierten auch hier, vor unserer Haustür“, ergänzt sein Kollege Sören Kück. Gemeinsam mit sechs weiteren angehenden Bankkaufleuten des ersten Lehrjahres befassten sich Agyekum und Kück in der Gedenkstätte Lager Sandbostel mit dem Thema Identität und Biografie. „Es ist uns wichtig, dass unsere Auszubildenden auch lernen, über den Tellerrand hinaus zu sehen", erklärt Volksbank-Vorstand Jan Mackenberg in einer Pressemitteilung das Motiv zu der „Werte-Woche“, wie Ausbildungsleiterin Kristin Meyer diese besonderen Tage in Sandbostel nennt.

Seit sechs Jahren bereits gehöre dieses Modul zum festen Bestandteil der Ausbildung des Kreditinstituts. Es werde jeweils Einblick in die Arbeit einer Einrichtung mit sozialem, gesellschaftlichem oder ökologischem Charakter gegeben. „Nachdem unsere Auszubildenden im vergangenen Jahr in der Diakonie tätig waren, sind wir in diesem Jahr zu Gast in Sandbostel“, so Meyer. „Sie nehmen hier wahr, welchen Wert Menschenrechte für das nationale und internationale Miteinander haben“, so Vorstand Mackenberg. „Ich werde nicht müde zu sagen, dass die Beschäftigung mit Geschichte einen starken Einfluss auf meinen, auf unseren Alltag hat, darauf, wie ich mit Menschen umgehe, ihnen begegne. Dieser Ort lehrt mich, mein Handeln täglich neu zu hinterfragen“, sagt Michael Freitag-Parey, Friedenspädagoge an der Gedenkstätte Lager Sandbostel und im Kirchenkreis Bremervörde-Zeven.

„Hinhören, hinterfragen und genauer hinsehen ist der Anfang von einem gerechten Frieden“, ist sich Freitag-Parey sicher. „So gilt es auch, Brücken zu schlagen, von diesem Projekt hinein in den Bankalltag“, sagt Personalchef Marco Feindt.

Neben der inhaltlichen Arbeit und verschiedenen Impulsen an den Vormittagen haben die Auszubildenden nachmittags ganz praktisch auf dem Gelände der Gedenkstätte gearbeitet und einer sanierungsbedürftigen ehemaligen Unterkunftsbaracke eine Drainage gelegt. „Unsere Arbeit, auch der praktische Teil, gibt uns viel mehr Einsichten, als ein bloßer Rundgang durch die Ausstellung“, sagt die Auszubildende Kendra Laschat. Auch das Zeitzeugengespräch mit Gerd Meyer beeindruckt die Auszubildenden und unterstreicht nochmals, wie wichtig es ist, von der eigenen Geschichte zu wissen und sie zu verstehen.

Gerd Meyer berichtet von der langen Suche nach seinem Vater, einem jungen russischen Soldaten, der sich in Meyers Geburtsort Haaßel in die Tochter des Hofes verliebt. Anatolij M. Pokrowskij, geboren im Oktober 1921, stirbt im Februar 1945. Gerd Meyer wird im November 1945 geboren. Es vergehen noch Jahrzehnte, bis er 2009 seinen Vater tatsächlich ausfindig macht. In dem Gespräch mit den jungen Erwachsenen erzählt er, wie die Geschichte seines Vaters sein ganzes Leben und seine Identität beeinflusste.

„Die Woche in Sandbostel ist sicherlich eine wertvolle Erfahrung fürs Leben“, so der Auszubildende Sören Kück. Dem konnten alle anderen Azubis nur zustimmen. Trotzdem freuen sich alle wieder auf den Alltag in der klimatisierten Volksbank und darauf, dass es bald bereits ein neues erstes Lehrjahr gibt. „Wir gehören dann zu den Großen“, schmunzelt Clemens Dauber. Die Bewerbungsphase für den Ausbildungsstart zum 1. August 2021 läuft bereits. Interessierte junge Menschen können sich bis 13. September auf www.vbohz.de bewerben.

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