Bürgerbus Sottrum

Erfolgsmodell auf vier Rädern

Seit zehn fahren die Sottrumer Bürgerbusse kreuz und quer durch die Orte der Samtgemeinde Sottrum. Ulrich Thiart erinnert sich an aufregende und aufreibende Zeiten und hat schon neue Ziele vor Augen.
07.04.2020, 14:59
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Erfolgsmodell auf vier Rädern
Von Lars Köppler
Erfolgsmodell auf vier Rädern

Ulrich Thiart hat das Projekt "Bürgerbus Sottrum" maßgeblich mitgestaltet und ist immer noch an Bord. Nach zehn Jahren im Fahrbetrieb hat das Vorstandsmitglied des Bürgerbusvereins jetzt Bilanz gezogen und neue Ziele in den Blick genommen.

Antje Holsten-Körner

Seit mittlerweile einem Jahrzehnt ist der Sottrumer Bürgerbus eine Konstante im öffentlichen Personennahverkehr der Samtgemeinde Sottrum und eine ideale Ergänzung zum bestehenden Linienverkehr. Zwar hätten sich die Vereinsmitglieder, der Vorstand um Ulrich Thiart und die zahlreichen Fahrerinnen und Fahrer für ihre Feierstunde zum zehnjährigen Bestehen wahrlich andere Umstände als eine derartige Pandemie gewünscht, doch an der Freude über das bisher Erreichte und an der Motivation, neue Ziele anzugehen, ändert auch die Coronavirus-Krise bei den Aktiven nichts. „Die Corona-Krise bremst uns gerade aus“, erklärt Ulrich Thiart, der jedoch glaubt, dass die grundlegenden Probleme des öffentlichen Nahverkehrs auf dem Lande für viele Bürgerinnen und Bürger auch nach der Krise weiterhin bestehen werden.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Sottrumer Bürgerbusses sind für die Vereinsmitglieder derweil stets präsent. Weil das Angebot von der Bevölkerung so gut angenommen wird, ist inzwischen der dritte Bürgerbus bestellt worden, der im Mai 2020 seinen Betrieb aufnehmen soll. Mehr als 80 000 Fahrgäste sind nach Angaben von Ulrich Thiart, dem Macher der ersten Stunde, seit der ersten Fahrt am 1. April 2010 auf den Linien 852, 853, 854 und 856 mitgefahren. „Nur vier Mal ist der Bürgerbus aus technischen Gründen oder wegen Glatteis nicht gefahren“, sagt Thiart und ist durchaus stolz auf diese Bilanz.

Doch wohl kaum ein Mitglied des Sottrumer Bürgerbusvereins weiß besser als der „Vater“ des Bürgerbusvereins, welche Anstrengungen nötig waren, um den jetzigen Status eines verbindlichen und etablierten Beförderungsangebotes zu erreichen. Drei Jahre habe es gedauert, bis der Bürgerbus zum ersten Mal durch die Samtgemeinde im Liniendienst fahren konnte, erinnert sich Thiart an eine aufregende und vor allem aufreibende Zeit – geprägt von Glücksgefühlen und Rückschlägen. Politisch stand das Thema Bürgerbus erstmals am 2. Mai 2007 im Ausschuss für Bauen, Planung und Umwelt auf der Agenda. Es folgte die Beauftragung eines Verkehrsplaners für eine Machbarkeitsstudie, um die Möglichkeiten zur Verbesserung des ÖPNV zu ermitteln. Mit der Gründung des Bürgerbusvereins am 18. Juni 2008 konnte das Projekt dann endlich Fahrt aufnehmen, doch bis zum Fahrbetrieb sollten nochmal fast 24 Monate vergehen.

In der Zwischenzeit mussten weitere Hürden genommen werden. Zur Informationspolitik für die Bürger gehörten Infoveranstaltungen mit Bürgerbusvertretern aus Weyhe, Ganderkesee und Visselhövede. Zudem mussten der Sottrumer Samtgemeinderat und der Kreisausschuss des Landkreises Rotenburg ihren Daumen heben. Und auch die Bewilligung der Förderanträge für den Bus bei der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen und beim Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) war kein Selbstläufer. Und auch unmittelbar vor der Jungfernfahrt am 1. April 2010 gab es mächtig Trubel im neu gegründeten Bürgerbusverein. Um für den Fahrbetrieb zugelassen zu werden, mussten sich die Fahrer der ersten Stunde einem Erste-Hilfe-Kurs beim DRK Rotenburg unterziehen. Auch eine Einweisung für den Fahrbetrieb bei dem damaligen Linienkonzessionär Dierks-Reisen sei laut Thiart unumgänglich gewesen, ebenso wie eine Fahrerschulung mit dem Bürgerbus Kirchlinteln. „Seitdem fährt der Bürgerbus kreuz und quer durch alle Orte der Samtgemeinde“, freut sich Thiart über den Erfolg des Projekts, das er in den vergangenen zehn Jahren maßgeblich mitgestaltet hat.

Derzeit laufen Überlegungen zur Fahrpreisreduzierung. Ein entsprechender Antrag bei der Samtgemeinde Sottrum sei bereits gestellt worden. Erwachsene sollen demnach einen Euro pro Fahrt zahlen, für Kinder soll die Fahrt im Tarifgebiet Sottrum dann 50 Cent kosten, der Rest soll von der Gemeinde subventioniert werden. „Seit dem 1. Januar wird es in Oyten praktiziert. Die Fahrgastzahlen haben sich um rund 30 Prozent erhöht“, hofft Thiart auf Zustimmung durch den Samtgemeinderat.

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