Stuckenborsteler Wald Streit um den Stuckenborsteler Wald

Die von der Gemeinde Sottrum initiierten und vom Bezirksförster ausgeführten Baumrodungen im Stuckenborsteler Wald sorgen für Ärger. Grünen-Ratsherr Lühr Klee sieht darin Willkür und fordert Bürgerbeteiligung.
09.12.2020, 16:06
Lesedauer: 3 Min
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Streit um den Stuckenborsteler Wald
Von Lars Köppler

Für Ratsmitglied Lühr Klee von den Sottrumer Grünen sind die aktuellen Baumrodungen im Stuckenborsteler Wald reine Willkür, für Bezirksförster Robin Bergmeyer von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und Gemeindedirektor Holger Bahrenburg dienen sie derweil der erhöhten Verkehrssicherheit in diesem Waldbestand. „Mit Erstaunen und Unverständnis musste ich zur Kenntnis nehmen, wie ein Teil des Stuckenborsteler Waldes am Denkmal abgesägt wurde. Alle Welt redet vom Bäumepflanzen und Aufforsten, um dem Klimawandel wenigstens ein wenig entgegenzuwirken, und hier werden durch die Gemeinde gerade auch gesunde Bäume in großer Zahl gefällt“, empört sich Klee in einer E-Mail, die er jüngst an die Verwaltung adressiert hatte.

Was war passiert? Nach Darstellung des Bezirksförsters, der die Rodungsmaßnahme vor Ort ausführt und begleitet, seien in Absprache mit dem Gemeindedirektor die Bereiche in dem Wäldchen gekennzeichnet worden, in denen Holz gefällt werden soll. Dann habe er den Harvesterfahrer entsprechend dieser Vorgaben eingewiesen.

„Es stehen bereits abgestorbene oder vom Borkenkäfer befallene Fichten am Waldrand in unmittelbarer Nähe zu den Wohnhäusern, des Weiteren ist durch den dort ansässigen Kindergarten und dem angelegten Barfußpfad sowie der eingezäunten Grabanlage mit einem erhöhten Besucherverkehr zu rechnen. Daher ergibt sich in diesem Waldbestand eine erweiterte Verkehrssicherungspflicht“, rechtfertigt Bergmeyer sein mit der Verwaltung abgestimmtes Vorgehen. „Die Verkehrssicherungspflicht und die Haftung hierzu obliegt dem Gemeindedirektor“, ergänzt Holger Bahrenburg.

Immenser Borkenkäferbefall

Der Waldbestand hatte derweil im nordöstlichen Teil eine Fichten-Fläche von etwa 0,5 Hektar, in denen laut Bergmeyer zwei große Borkenkäferlöcher aus dem vergangenen Jahr vorhanden waren. „Der Borkenkäfer hatte sich bereits in dem übrigen Bestand ausgebreitet, sodass der Fichtenbestand komplett gefällt werden musste. Die Ausbreitung des Borkenkäfers erstreckte sich so weit, dass auch die einzeln stehenden Fichten bis zur Höhe des Spielplatzes entnommen werden müssen, da diese auch aktuell vom Borkenkäfer befallen sind“, erklärt der Bezirksförster und fügt hinzu: „In dem Teil des Waldes um den Barfußpfad herum werden auch einzelne abgestorbene Eichen entnommen – diese werden jedoch nur gefällt und verbleiben als Totholz auf der Fläche.“

Robin Bergmeyer beruft sich zudem auf Paragraf 12 des Niedersächsischen Gesetzes über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldG). Dieser besage, dass Kahlschläge, die sich über eine Fläche von einem Hektar erstrecken, zwar vorher anzuzeigen sind, nicht jedoch wenn es aus Gründen des Waldschutzes erforderlich ist. „Jedoch habe ich zusätzlich in einem Telefonat mit dem Amt für Naturschutz und Landschaftspflege Rotenburg diese Maßnahme angekündigt. Meiner Ansicht nach läuft diese Maßnahme nach den Kennzeichen der ordnungsgemäßen Forstwirtschaft ab.“

Klee fordert Bürgerbeteiligung

Lühr Klee, der sich seinen Ärger mit etlichen Bürgern teilt, reichen all diese Argumente jedoch nicht aus. „Sie haben angeordnet, dass dieses Absägen auf der anderen Seite des Weges fortgesetzt werden soll. Die Markierungen an den Bäumen zeigen deutlich, dass die überwiegende Mehrheit auch der gesunden Bäume gefällt werden sollen, so war es ja leider auch in dem bereits am vergangenen Freitag gefällten Teil des Wäldchens“, nimmt er Bahrenburg direkt in die Verantwortung, verbunden mit einer klaren Botschaft: „Ich fordere Sie daher hiermit auf, das zu stoppen.“

Geht es nach Klee, sollte zunächst durch Beteiligung der Bevölkerung und der Vereine sowie der zuständigen Gremien über das weitere Vorgehen beraten und unter Einbeziehung von Fachleuten ein Konzept für den Erhalt und die Weiterentwicklung des kleinen, innerörtlichen Wäldchens in Stuckenborstel erarbeitet und beschlossen werden.

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