Fußball-Bezirksliga

Sinan Reiter: Vom Torhüter zum Torjäger

Sinan Reiter vom TV Sottrum hat seine fußballerische Laufbahn im Tor begonnen. Mittlerweile trifft er als Stürmer nach Belieben.
08.10.2020, 10:14
Lesedauer: 4 Min
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Sinan Reiter: Vom Torhüter zum Torjäger
Von Maurice Reding
Sinan Reiter: Vom Torhüter zum Torjäger

Seit Sinan Reiter beim TV Sottrum ist, spielt der 25-Jährige regelmäßig auf dem Feld. In dieser Saison hat er bereits sechs Treffer erzielt.

Björn Hake

Auf einmal war sie da, die Chance auf den Ausgleich. Louis Jaugstetter schickte Sinan Reiter mit einem hohen Ball, der nur noch den gegnerischen Torhüter vor sich hatte. Der Stürmer des TV Sottrum versuchte, den Ball mit dem Kopf vorbeizulegen. Doch Langwedels Keeper Moritz Nientkewitz machte ihm einen Strich durch die Rechnung und schnappte sich den Ball in der Luft. „Es war die Szene, in der ich am ehesten die Chance hatte, ein Tor zu erzielen“, haderte Reiter. So stand am Ende für die Sottrumer im Spitzenspiel der Fußball-Bezirksliga eine 2:3-Pleite gegen den FSV Langwedel-Völkersen (wir berichteten).

Die Rolle, die Nientkewitz als Retter in diesem Spiel einnahm, hatte Reiter jahrelang selbst inne: Denn der Stürmer begann seine fußballerische Laufbahn im Kasten. „Als ich mit dem Fußball angefangen habe, wollte ich immer ins Tor. Das war für mich etwas Besonderes, unter anderem, weil der Torhüter ein anderes Trikot, als seine Mitspieler trägt“, erzählt Reiter, der sich über die Jahre stets nach oben gearbeitet hat. Seine erste Station im Herrenbereich war der TSV Posthausen, mit dem er von 2014 bis 2016 in der 1. Kreisklasse kickte. Hierbei gelang ihm in der zweiten Saison als Torhüter per Elfmeter sogar ein Tor.

SPORT // Fußball Bezirksliga TSV Bassen - TuSG Ritterhude

Dass das nicht immer so war, zeigt dieses Bild. Seine fußballerische Laufbahn begann Reiter als Keeper. Dabei versuchte er, wie in dieser Szene, auch den einen oder anderen Elfmeter zu entschärfen.

Foto: Björn Hake

Anschließend zog es Reiter zum TSV Bassen. Bei den Dohmspatzen bekam er seine ersten Chancen auf dem Feld. Dennoch stand er häufiger im Kasten. Während er 2016/2017 dreimal in der zweiten Mannschaft in der Kreisliga spielte, kam er in der ersten Mannschaft in der Bezirksliga 13-mal zum Einsatz. Ein Treffer war ihm dabei noch nicht vergönnt. Eine Spielzeit später eroberte sich Reiter einen Stammplatz im Kasten der ersten Herren. 26 Einsätze zeigen das Vertrauen, das er von seinem Coach Uwe Bischoff bekam. Trotzdem zog es Reiter zur Saison 2018/2019 zum Klassenkonkurrenten 1. FC Rot-Weiß Achim. Hier kam er in allen Saisonspielen zum Einsatz, stand dabei aber immer im Tor.

Der Wunsch, es als Feldspieler zu versuchen, wurde stärker. „Ich habe so viele Gegentore gekriegt. Dann wollte ich es auf dem Feld ausprobieren. Neben dem Training habe ich noch gekickt. Mit der Zeit wusste ich, dass ich schnell bin. Dann habe ich die Beidfüßigkeit trainiert“, hat Reiter stets an sich gearbeitet. Das lange Warten hatte dann in der vergangenen Saison ein Ende. Nach seinem Wechsel zum TV Sottrum schenkte ihm sein damaliger Coach Daniel Mathies das Vertrauen auf dem Feld. Der 25-Jährige dankte es ihm gleich im zweiten Spiel, als er gegen seinen Ex-Klub 1. FC Rot-Weiß Achim dreimal traf. Insgesamt erzielte Reiter acht Tore in zwölf Spielen. Keine so schlechte Bilanz für jemanden, der den Großteil seiner Laufbahn nicht auf dem Feld verbracht hat.

In der aktuellen Saison hat Reiter noch mal einen draufgesetzt. Nach vier Spielen weist sein Torkonto sechs Treffer auf. Gleich im ersten Spiel gelang dem Stürmer ein Dreierpack – und wieder war sein ehemaliger Verein, der 1. FC Rot-Weiß Achim, der Gegner. Dabei hatte Reiter sogar die Chance auf einen Viererpack, doch er scheiterte mit einem Elfmeter. Auch im Heimspiel gegen den SV Ippensen gelang dem Torjäger ein Treffer. Für den 3:0-Sieg in Thedinghausen war der Stürmer mit einem Doppelpack fast alleine verantwortlich. Erst gegen Langwedel riss die Serie. Auch mit ein paar Tagen Abstand ärgert sich Reiter noch, dass dieses Spiel verloren ging. „Das einzig Positive nach dem Spiel war, dass wir weiterhin Tabellenführer sind“, sagt er.

Dass es in dieser Saison auf Anhieb läuft, hängt für Reiter vor allem damit zusammen, dass Dariusz Sztorc den TVS coacht. „Die Zusammenarbeit mit ihm ist sehr gut, weil er mir vertraut. Er hat die Mannschaft im Griff. Ich bin daher sehr glücklich mit der momentanen Situation“, lobt der Stürmer seinen Trainer. In der laufenden Saison hat Reiter mit dem TV Sottrum noch einiges vor. „Wir wollen als Team noch enger zusammenwachsen. Persönlich will ich mich fußballerisch weiterentwickeln“, sagt der 25-Jährige, der sich eine Tormarke gesetzt hat, die er erreichen will: „20 Tore sind mein Ziel.“

Im Laufe der kommenden Jahre will Reiter weiter hoch hinaus. Die Bezirksliga soll nicht das Ende für den Stürmer sein. „Ich will so hoch spielen, wie ich kann. Ich bin bereit dazu“, sagt Reiter, der mit Mentalität auf dem Platz vorangeht. Ob ihm dies mit dem TV Sottrum gelingt, bleibt abzuwarten, auch wenn Reiter betont: „Ich würde am liebsten mit Sottrum aufsteigen. Das kann man nach vier Spieltagen zwar noch nicht genau beurteilen. Wir können aber oben mitmischen.“ Die kommenden Spiele werden hierbei entscheidend sein, in denen auf die Sztorc-Elf die schwierigeren Gegner warten.

Eine Entwicklung hat Reiter aber so oder so schon genommen. Denn wer kann schon von sich behaupten, dass er zunächst als Torhüter auflief, um ein paar Jahre später als Torjäger zu glänzen? Die aktuelle Trefferquote spricht dabei für sich. „Das kann man mal so machen“, sagt er grinsend. Und da wäre ja noch die 20-Tore-Marke, die der 25-Jährige in dieser Saison knacken will. Trifft Reiter in dem Tempo weiter wie bisher, dürfte es nicht lange dauern, bis diese Marke fällt. Auch beim TSV Achim, dem kommenden Gegner der Sottrumer, dürften sie registriert haben, dass es beim TVS einen Stürmer gibt, der mittlerweile nach Belieben trifft.

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