Reiten Nadine Husenbeth will in diesem Jahr wieder angreifen

Die erfolgreiche Dressur-Reiterin aus Sottrum hat mit Duracell und Faviola zwei Nachwuchshoffnungen ausgebildet. Mit ihnen will Nadine Husenbeth in der Saison 2021 den Fokus auf die S***-Prüfungen.
05.05.2021, 18:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Sina Stahlsmeier

Wenn Nadine Husenbeth über ihre neunjährige Stute Faviola und ihren gleichaltrigen Wallach Duracell spricht, beginnen ihre Augen zu strahlen. Nachdem sie die Erfolgsstute Florida, mit der sie souverän ihre U25-Touren meisterte, vor vier Jahren in ihre wohlverdiente Rente entlassen hat, war es einige Zeit ruhiger geworden um die Reiterin aus Sottrum. Denn die Ausbildung der beiden vielversprechenden Pferde stand im Vordergrund.

„Wir haben das große Glück, dass unsere Pferde alle im Privatbesitz stehen und wir mit ihnen kein Geld verdienen müssen. Die Ausbildung der jungen Pferde zielt darauf ab, dass sie motiviert bleiben, Abwechslung bekommen und gesund bleiben. Jedes Pferd bekommt seine Zeit, hier zu reifen. Da kann es schon mal etwas länger dauern, bis man wieder ein Pferd für den Spitzensport aufgebaut hat“, erklärt Nadine Husenbeth ihre zwischenzeitliche Abwesenheit aus dem Spitzensport.

Faviola und Duracell zogen beide fünfjährig in den Stall der Husenbeths ein. In den vergangenen vier Jahren bildete die 28-Jährige sie hauptsächlich allein aus. „Das sind die ersten Pferde, die ich selbstständig ausgebildet habe, da bin ich natürlich sehr stolz drauf“, sagt sie. Doch ohne den Rückhalt der gesamten Familie – so ist sich die junge Frau sicher – könne sie ihren Traum vom Spitzensport nicht verwirklichen: Angefangen mit den Spitzenpferden ihres Vaters Klaus Husenbeth wie zum Beispiel Piccolino, von denen sie stets eine Menge lernen durfte, über die zahlreichen Tipps ihrer Mutter, die sie vor allem in der „Ponyzeit“ trainiert hat, bis hin zu ihrer Schwester, die die Pferde für sie bewegt, wenn die Arbeit es nicht anders zulässt.

Der Tag ist durchgeplant

Nadine Husenbeth arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bremen, hat dort eine Dreiviertel-Stelle. Ihr Tag folgt einem genauen Zeitplan, damit weder die Pferde noch die Arbeit zu kurz kommen. Das erfordert einige Disziplin, die sich letztendlich aber auch in den Prüfungen widerspiegelt: Mit Geduld, Erfahrung und natürlich der nötigen Pferdeliebe stellte sie ihren Wallach Duracell bereits erfolgreich in S***-Prüfungen vor. „In seiner ersten Prüfung ist Duracell Dritter geworden, vorletztes Wochenende noch einmal Zweiter. Ich könnte nicht zufriedener mit seiner Entwicklung sein“, sagt die Universitätsmitarbeiterin.

Faviola, die von Foundation und Weltmeyer abstammt, musste über den vergangenen Winter noch etwas in ihre Aufgabe hineinwachsen. „Das ist überhaupt nicht schlimm, der Sprung in die Grand Prix-Lektionen ist nicht einfach und es fehlt ihr noch etwas Sicherheit in den Lektionen, die der Wallach eben schon hat.“ Im November sei Husenbeth mit Faviola das bislang letzte Mal unterwegs gewesen, seitdem habe sie sich so gut entwickelt, dass sie hoffe, in dieser Saison auch mit ihr im S***-Bereich Fuß fassen zu können.

Faviola und sie, das sei wie Pott und Deckel. Die „schicke schwarze Ballerina“ sei wohl so etwas wie ihr Herzenspferd. Die Chemie habe von Anfang an gestimmt zwischen der Reiterin und der jungen Stute. „Ich verspreche mir ganz viel von diesem Pferd“, sagt Husenbeth. Duracell hingegen falle eher durch seine imposante Erscheinung im Viereck auf. Er sei großrahmig, hat eine ganz andere Ausstrahlung und Präsenz als die „Kleine“. „Natürlich schiele ich auch in Richtung Serien wie den Louisdor-Preis. Darauf arbeiten wir hin und meine Pferde werden mir zeigen, wann sie soweit sind. Daher bekommen sie alle Zeit der Welt.“

Unterstützung durch die Familie

Es war aber nicht nur durch den langsamen Aufbau der Pferde etwas ruhiger im vergangenen Jahr – Nadine Husenbeth hat nach ihre Bachelor- und Masterstudium in BWL vor etwa zwei Wochen ihre Promotion eingereicht. An dieser hat sie die vergangenen Monate fleißig gearbeitet, sodass ihr Vater Klaus Husenbeth, der selbst viele Jahre hocherfolgreich im Dressursport unterwegs gewesen ist, ihre Mutter und ihre Schwester einige „Pferdedienste“ übernehmen mussten. „Das ist bei uns zum Glück überhaupt kein Problem, weil wir alle auf der Anlage hier wohnen und auch sonst ein sehr enges Verhältnis zueinander haben. Ich profitiere sehr davon und bin unheimlich dankbar, dass auch das Training als Familie so gut funktioniert.“

Sie werde oft gefragt, warum das Training bei den eigenen Eltern so gut funktioniere. „Ich habe ehrlich gesagt keine Antwort darauf. Es ist einfach wahnsinnig toll, dass man miteinander über Trainingserfolge sprechen kann. Meine Eltern reiten auch selbst noch und können so einmal nachfühlen, was ich meine, wenn wir am Tisch über das Training sprechen.“ Mittlerweile könne sie sogar schon am Blick ihres Vaters ablesen, wie Training oder Prüfung gerade laufen. „Er hat mich immer geerdet, gerade in den großen Prüfungen, wenn man in ein Stadion einreitet und sich vorher doch einige Gedanken macht.“ Doch nicht nur im Hinblick auf den Reitsport sei ihr Vater ein Vorbild. Er habe ihr schon immer vorgelebt, dass sich sportliche Ambitionen und Spitzensport mit einer „normalen“ Arbeit verbinden lassen.

Natürlich suche die Reiterin auch immer wieder Trainer von außerhalb auf. So stehe sie zum Beispiel mit Bundestrainerin Monica Theodorescu und Co-Trainer Jonny Hilberath in engem Kontakt. „Ich würde auch gerne wieder mehr rausfahren zum Training, bin aber durch Corona und die Herpesbeschränkungen aktuell sehr vorsichtig“, gibt die Sottrumerin zu.

Nachdem ihr mit Florida im U25-Bereich ein Sprung „von null auf 100“ gelungen war – 2012 Bronze bei der Deutschen Meisterschaft der Jungen Reiter, 2013 Teilnahme an Stationen des Piaff-Förderpreises in Aachen und Wiesbaden, Teilnahme an der Europameisterschaft in Herning (Dänemark) – möchte sie nun endlich wieder „angreifen“. Ihre beiden Top-Pferde sind bald bereit, an den internationalen Turnieren teilzunehmen – und der nächste Anwärter steht schon in den Startlöchern: First Look.

Der Fünfjährige ist über einige Zufälle bei Familie Husenbeth gelandet. „Wir suchen normalerweise immer drei- oder vierjährige Pferde, die angeritten sind und die wir selbst weiter ausbilden können. Mir ist das Reitgefühl beim Ausprobieren immer sehr wichtig. Es muss einfach passen“, erklärt die Universitätsmitarbeiterin. „In dem Jahr, als wir den Hengst gefunden haben, waren wir händeringend auf der Suche nach einem Nachwuchspferd für mich.“ Der Vorsitzende des Hannoveraner Verbandes trat schließlich an die Familie heran und überredete sie, sich die Pferde auf dem verbandseigenen Hengstmarkt doch einmal anzuschauen – eine völlig neue Erfahrung für Nadine und ihre Eltern. „First Look ist ein faszinierendes Pferd. Er war damals für seine zweieinhalb Jahre schon wahnsinnig ausbalanciert im Galopp.“

Der erste Eindruck überzeugte und so wechselte der Hengst in den Besitz der Familie, wurde dreijährig angeritten und durfte danach noch ein dreiviertel Jahr auf der Weide genießen. Seit er vier Jahre alt ist steht er nun in Sottrum und hat die junge Reiterin bisher noch nicht enttäuscht: In seinen ersten Dressurpferdeprüfungen der Klasse A erreichte er jeweils den zweiten Platz. Der nächste Schritt wird in dieser Saison der Schritt hin zur Dressurpferde-L sein. „Natürlich träumt man auch von einer Qualifikation für das Bundeschampionat und womöglich auch für die Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde“, gibt Nadine Husenbeth zu. Sie arbeite daran – mit der Unterstützung ihrer Familie und einem abwechslungsreichen Training.

Aber wie immer gilt: „Er ist soweit, wenn er soweit ist. Natürlich setzen wir uns Ziele, aber das Pferd wird uns letztendlich zeigen, was geht und was nicht.“

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