Sottrumer Bürgerbus-Pionier

Im Team ein großes Projekt verwirklicht

Ulrich Thiart hat sich in der Samtgemeinde Sottrum in einer ganz besonderen Form verdient gemacht. Der 75-Jährige hat in den vergangenen zwölf Jahren mit einem starken Team den Bürgerbus in Sottrum etabliert.
15.10.2020, 16:20
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Im Team ein großes Projekt verwirklicht
Von Lars Köppler
Im Team ein großes Projekt verwirklicht

Ulrich Thiart hat den Vorsitz an Friedhelm Brüns (rechts) abgegeben. Dieser wird von Wilfried Wolters (links) unterstützt.

Focke Strangmann

Ulrich Thiart darf sich getrost als Bürgerbus-Pionier bezeichnen lassen. Der 75-Jährige ist der Mann, der gemeinsam mit seinen Mitstreitern vom Bürgerbusverein Sottrum seine Vision von einem bürgerfreundlichen Nahverkehrskonzept für die Samtgemeinde Sottrum erfolgreich in die Tat umgesetzt hat. Doch nach zwölf Jahren als Vorsitzender des Vereins hat der pensionierte Oberstudienrat nun einen Schlussstrich gezogen und die Verantwortung für das Erfolgsprojekt in andere Hände gegeben. Bei der jüngsten Jahreshauptversammlung hat Thiart das Heft des Handelns an Friedhelm Brüns und dessen neue Mannschaft übergeben, zu der künftig unter anderem die Stellvertreter Dagmar Gülzow und Matthias Krantz sowie Fahrdienstleiter Rainer Bachmann zählen. Wilfried Wolters, Peter Dräger, Sabine Schloen und Werner Döscher ergänzen den Vorstand.

Der Rückzug von Ulrich Thiart hat die Sottrumer Bürgerbus-Familie derweil keineswegs überrascht. Bereits im vergangenen Jahr hatte er seine Fahrerlizenz auslaufen lassen und frühzeitig bekannt gegeben, dass er nicht noch mal als Vorsitzender kandidieren wird. „Ich wohne seit sechs Jahren in Rotenburg und bin zu weit weg, um kurzfristig Dinge vor Ort zu erledigen. Außerdem ist es gut, wenn neue Leute mit neuen Ideen den Bürgerbusverein beleben“, liefert Thiart eine plausible Erklärung. Gleichwohl werde er Mitglied im Bürgerbusverein bleiben und politische Wünsche des Bürgerbusvereins unterstützen. „Dazu zählt weiterhin der Toilettenausbau am Bahnhof, aber auch, dass es im Zentrum von Sottrum eine überdachte Haltestelle am Lienworth geben soll.“

Anfänge im Juli 2007

An die Anfänge des Bürgerbus-Projekts in der Samtgemeinde Sottrum kann sich Ulrich Thiart derweil noch lebhaft erinnern. Als im Juli 2007 in der Sitzung des Samtgemeinderates die Verbesserung des ÖPNV in der Samtgemeinde auf der Themenliste stand, hatten Thiart und seine „grünen“ Ratskollegen sich bereits intensive Gedanken über ein neues Verkehrskonzept gemacht. „Und dabei sollte es nicht nur darum gehen, warum der Metronom nicht am Bahnhof hält, sondern wie man von den umliegenden Gemeinden überhaupt zum Bahnhof oder zum Kernort Sottrum kommt“, erinnert sich Thiart.

Die erste Informationsveranstaltung zum Thema Bürgerbus im März 2008 habe ihn so motiviert, „dass ich alle Schwierigkeiten beiseite geschoben habe, die von den eher konservativen politischen Vertretern im Samtgemeinderat kamen“. Für Thiart war dies echte Pionierarbeit. „Als wir angefangen haben, gab es im Landkreis einen Bürgerbus, in Visselhövede. Heute sind es acht, in Niedersachsen über 60“, sieht sich der Macher für die Geduld in seiner oft aufreibenden und manchmal auch frustrierenden Arbeit bestätigt.

Die nackten Zahlen geben ihm dabei recht. Rund 82 000 Fahrgäste haben den Sottrumer Bürgerbus seit der ersten Fahrt als Beförderungsmittel genutzt. Es sind aber nicht nur die Fahrgastzahlen, in denen Thiart eine Bestätigung für den immensen Zeit- und Kraftaufwand sieht: Immerhin habe man fast drei Jahre um die Einführung eines Bürgerbussystems gekämpft. „Es ist auch die Zufriedenheit und die Dankbarkeit der Bürgerinnen und Bürger, die mit dem Bürgerbus weiterhin mobil sind. Gerade die älteren Bürger freuen sich, wenn sie weiter unabhängig sind und ohne Hilfe aus ihrem Umfeld jederzeit nach Sottrum fahren können.“ Von den normalen Startschwierigkeiten mal abgesehen, sei es für Thiart die größte Herausforderung gewesen, die richtige Fahrstrecke zu finden und den dafür benötigten Fahrplan aufzustellen.

Fahrer werden immer gesucht

„Wir fahren jede Gemeinde der Samtgemeinde an, aber nicht jeden Ortsteil. Den optimalen Fahrplan zu erstellen, wird auch weiterhin eine große Aufgabe für den Bürgerbusverein sein“, erklärt der 75-Jährige. Eine weitere Herausforderung ergab sich während der Flüchtlingskrise, als Verständigungsprobleme den Fahrern das Leben erschwerten. „Dass man die deutschen Beförderungsbestimmungen nicht verstand, konnten wir noch verstehen. Problematischer wurde es, wenn man sich als Fahrer weigerte, neben dem Großeinkauf auch noch das Fahrrad mitzunehmen.“ Viel habe sich laut Thiart in den vergangenen zwölf Jahren jedoch nicht verändert. „Es sind immer noch die dieselben Fahrgäste“, sagt er und nennt das wohl größte Problem bei der Vorstandsarbeit. „Die größte Schwierigkeit ist es, genügend Fahrerinnen und Fahrer zu finden, die diese verantwortungsvolle Arbeit ehrenamtlich übernehmen.“ Neben dem sozialen Aspekt für die Berechtigung des Bürgerbusses sollte der ökologische Aspekt für Thiart eine größere Rolle spielen. „Auch wenn viele vom Klimawandel reden, hat sich dies bei den Fahrgastzahlen noch nicht bemerkbar gemacht“, klagt er.

Dennoch ist der Pionier, der zweimal in der Woche auf dem Tennisplatz steht und sich künftig verstärkt um Haus und Garten kümmern möchte, insgesamt zufrieden mit der Entwicklung seines Bürgerbus-Projekts. „Man hat mit guten Freunden ein großes Projekt realisiert. Wir sind verkehrstechnische Laien, kommen aus allen möglichen Berufen und haben es geschafft, dass ein Nahverkehrskonzept zuverlässig funktioniert. Dazu haben wir viel Unterstützung benötigt und bekommen“, stellt Thiart fest. Dass Fahrdienstleiter Rainer Bachmann jeden Abend den Bürgerbus an der Garage empfängt und den Fahrern noch ein kleines Schwätzchen hält und dabei auch Probleme klärt, ist für Thiart derweil der beste Beweis für ein intaktes Vereinsleben, an dem er sich weiterhin gerne beteiligt.

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