Schüler der KGS Tarmstedt im „Schamaika“

Eine Woche Auszeit für „Sister Act“

Chor und Orchester des KGS Tarmstedt erarbeiten im „Schamaika“ ein Musical. Derweil planen Lehrkräfte Aktionen gegen Kürzungen bei den musischen Fächern.
20.02.2020, 18:28
Lesedauer: 2 Min
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Von Johannes Heeg

Tarmstedt. Die einen sind auf Skifreizeit, die andern vertiefen sich in dieser Woche in Musik und Gesang: Die beiden Arbeitsgemeinschaften Chor und Orchester des KGS Tarmstedt haben sich im „Schamaika“ eingemietet. Das an der Hamme gelegene Gasthaus mit seinen Ferienhäusern ist komplett von 28 Schülerinnen und Schülern aus allen Jahrgangsstufen und allen Schulformen der Tarmstedter Gesamtschule belegt. Mit dabei auf dier musischen Fahrt sind vier Musiklehrer, mit denen die Jugendlichen das Musical „Sister Act“ erarbeiten. „Wir werden das im Juli in Tarmstedt aufführen“, sagt die Lehrerin Julia Küchenmeister, die die Fahrt zusammen mit ihren Kollegen Kaja Linnemann, Rainald Menges und Karen Erichsen leitet.

Für Rabea Medebach, an der KGS Tarmstedt Fachbereichsleiterin fürs Musische, ist diese aufwendige, mit vielen ehrenamtlichen Überstunden verbundene Projektwoche ein Beispiel für „gelebte Schulgemeinschaft“. Alle Schüler, von den kleinsten bis zu den ältesten, verstünden sich prächtig, die Schulform, ob Hauptschule, Realschule oder Gymnasium, spiele keine Rolle, „hier dreht sich alles um die Musik, hier ist jeder Musiker“.

Der musische Bereich habe an der KGS Tarmstedt einen hohen Stellenwert, betont Medebach. Doch hinter den Kulissen sei bei vielen Lehrern ein gewisses Unbehagen zu spüren. Denn das Land Niedersachsen habe bei den Gymnasien den Rotstift angesetzt, und zwar ausgerechnet in den Fächern Kunst und Musik. „Für die elfte Klasse ist der Unterricht jeweils auf eine Stunde pro Woche halbiert worden“, klagt Medebach. Das Problem: „Wie sollen die Schüler in 45 Minuten ein Bild malen, wenn sie in der Zeit noch die Farben mischen und am Ende alles wegräumen sollen?“ Gerade mal 20 Minuten blieben dann noch für den kreativen Prozess, das sei absurd. Ähnlich problematisch verhalte es sich mit dem Musikunterricht, da müssten die Instrumente auf- und abgebaut werden, da bleibe nicht viel Zeit fürs Musikmachen.

An der KGS begegne man der Kürzung zwar mit einer „kreativen Lösung“, indem Kunst und Musik weiterhin in Doppelstunden, dafür aber nur noch über ein Schulhalbjahr unterrichtet würden. Für die dreijährige Oberstufe bedeute dies, dass beide Fächer nur noch jeweils anderthalb Jahre unterrichtet würden. So aber funktioniere die Vorbereitung aufs Abitur nicht mehr – mit der Folge, so Medebach, „dass Schüler faktisch der Möglichkeit beraubt werden, sich in den musischen Fächern auszuprobieren“.

Um auf das Problem aufmerksam zu machen, hat die KGS Tarmstedt gemeinsam mit anderen niedersächsischen Gesamtschulen das Projekt „Kumu20“ gestartet. Im März seien landesweit öffentlichkeitswirksame Aktionen geplant, in Tarmstedt für Dienstag, 3. März. Wer an Kunst- und Musikunterricht spare, spare am falschen Ende zu lasten der Kinder, das wollen die Lehrer vermitteln.

„Die musischen Fächer sind ein wesentlicher Beitrag zur Persönlichkeitsbildung“, unterstreicht Medebach. Gerade im digitalen Zeitalter, wo Kunst und Kultur praktisch jederzeit abrufbar sei, sei es wichtig, selbst den Pinsel in die Hand zu nehmen. „Selbst ins Tun zu kommen, das ist etwas ganz anderes als nur zu konsumieren“, sagt die Lehrerin.

Info

Zur Sache

Kulturelle Woche in Tarmstedt

Das Musical „Sister Act“, das die Chor-AG und die Orchester-AG der KGS Tarmstedt gerade gemeinsam im „Schamaika“ erarbeitet haben, wird am Mittwoch, 8. Juli, abends und am Donnerstag, 9. Juli, vormittags in der Martin-Luther-Kirche in Tarmstedt aufgeführt. Für Montag, 6. Juli, ist am Abend eine Theateraufführung im Forum der KGS geplant. Am Freitag, 10. Juli, wird das Stück an gleicher Stelle am Vormittag zu sehen sein.

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