Vergiftungssymptome in Tarmstedt Katzen im Koma

In der Tierärztlichen Gemeinschaftspraxis Tarmstedt sind am Montag und Mittwoch zwei Katzen mit Vergiftungssymptomen eingeliefert worden. Ein Tier hat überlebt. Auch in Grasberg sind Katzen betroffen.
04.10.2019, 18:29
Lesedauer: 2 Min
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Von Johannes Heeg

Tarmstedt. In der Tierärztlichen Gemeinschaftspraxis Tarmstedt sind am Montag und Mittwoch zwei Katzen mit Vergiftungssymptomen eingeliefert worden. Wie die Praxis auf Facebook schreibt, stammten die jungen, ansonsten gesunden Kater aus Wilstedt (Wüllenheide) und Tarmstedt (Wiesenweg). Auch in und um Grasberg gibt es offenbar mehrere solcher Fälle. „Der Vergiftungsverdacht in Grasberg hat sich bestätigt. Mittlerweile sind mind. 8 Tiere betroffen“, postete die Borgfelder Tierarztpraxis Dr. Yvonne Wolff auf Facebook.

Wie die Tarmstedter Tierärzte schreiben, zeigten die Kater „Unruhe, Gangunsicherheit/Torkeln und brachen innerhalb von Minuten mit Krampfanfällen zusammen. Sie waren bei Eintreffen in der Praxis nicht mehr ansprechbar, hatten sehr kleine Pupillen und deutlich Untertemperatur, die sich bei unserem ersten Patienten trotz Wärmezufuhr nicht beherrschen ließ. Parallel zu den Krampfanfällen fielen beide Katzen in ein tiefes Koma, das länger als 24 Stunden anhielt“. Diese Art von Symptomen habe man in der Praxis bisher noch nicht erlebt. Der Vierbeiner aus Wilstedt habe es leider nicht geschafft, er musste eingeschläfert werden. Dem Kater aus Tarmstedt gehe es wieder besser, er sollte am Freitag nach Hause entlassen werden.

Bisher gebe es keinen sicheren Nachweis, heißt es von der Tarmstedter Tierarztpraxis, doch die Symptome sprechen für eine Vergiftung mit alpha-Chloralose, einem Wirkstoff, der besonders während der kalten Jahreszeit als Rattengift verwendet werde. Der reine Wirkstoff sei kristallin, ähnlich wie Milchpulver. Vergiftungssymptome treten demnach innerhalb 30 Minuten bis vier Stunden nach der Aufnahme ein. Kommerziellen Rattengiften seien in der Regel Bitterstoffe beigefügt, damit zum Beispiel Katzen diese nicht aufnehmen. „Hersteller und Vertreiber werben damit, dass andere Tierarten als Nager eher wenig gefährdet seien, weil der Wirkstoff nach etwa 48 Stunden ausgeschieden würde. Ohne Intensivtherapie hat jedoch kein vergiftetes Tier eine Chance“, so die Tierärzte.

Weiter schreiben sie: „Wir wissen zurzeit nicht sicher, ob es sich wirklich um alpha-Chloralose handelt, die Wahrscheinlichkeit ist aber hoch. Und die Häufung von Fällen lässt zweifeln, ob es sich wirklich um Zufall handelt.“ Sobald mehr bekannt sei, würden sie das auf Facebook bekannt geben. Bis dahin solle man auf seine Katzen und Hunde acht geben. Wer sein Haustier bei der Aufnahme von verdächtigen Substanzen beobachtet, sollte zumindest innerhalb einer Stunde Erbrechen herbeiführen. Es sei wahrscheinlich, dass es auch zu einer Vergiftung kommen kann, wenn die Katze eine Maus oder Ratte frisst, die das Gift schon aufgenommen hat.

Die Tierärzte bitten, wenn möglich, verdächtige Substanzen einzusammeln. „Aber bitte mit Handschuhen oder einer Plastiktüte aufheben, manche Gifte können über die Haut aufgenommen werden“, warnen die Tarmstedter Veterinäre.

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