Schüleraustausch an der KGS Tarmstedt Neugierig auf die Kultur der anderen

An der Tarmstedter Gesamtschule waren Schülergruppen aus der Türkei und aus Spanien zu Gast. Die Gegenbesuche im nächsten Jahr sind schon geplant.
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Von Johannes Heeg

Tarmstedt. Gibt es Menschen, die bekannter sind als Greta Thunberg, die 16-jährige Klimaaktivistin aus Schweden? Klimastreik, Demo statt Unterricht, viel beachtete Auftritte bei Klimagipfeln und anderen hochkarätigen Treffen, Greta ist das Gesicht einer weltweiten Klimaschutzbewegung. Dass das möglicherweise nur in der Wahrnehmung der Menschen im globalen Norden so ist, gehört zu den Erkenntnissen, die Schüler der Tarmstedter KGS in einem Austauschprojekt mit Jugendlichen aus der türkischen Großstadt Denizli gewonnen haben.

Gut eine Woche lang waren jetzt elf türkische Schülerinnen und Schüler von der Partnerschule Anadolu Lisesi, des „Anatolischen Gymnasiums“, bei Elft- und Zwölfklässlern der Tarmstedter KGS zu Gast, verbrachten viel Zeit in den Familien und bei gemeinsamen Freizeitaktivitäten. Es gab aber auch einen Arbeitsauftrag: Natur erhalten, Zukunft gestalten – also Nachhaltigkeit, das war das Thema des Projekts, das die Niedersachsen gemeinsamen mit den gleichaltrigen türkischen Jugendlichen aus unterschiedlichen Blickwinkeln bearbeiten sollten.

Also machten sich die KGS-Schüler mit ihren Gästen auf in die Bremer Neustadt, wo sie einen Naturkosmetikladen und zwei Unverpackt-Läden besuchten. „Dort gibt es zum Beispiel Waschmittel oder Müsli lose, das man selber in Mehrweggefäße abfüllen kann“, berichtet Rabea. Ein solches Angebot sei für die türkischen Schüler „komplett neu“ gewesen. Sie seien es gewohnt, dass alles in zig Plastikbeutel verpackt werde. „Das mit der unnötigen Verpackung ist dort krass viel“, meint sie. Ebenso überrascht seien die Tarmstedter davon gewesen, dass ihre Gäste mit dem Namen Greta Thunberg nichts anfangen konnten. Das habe aber niemanden deprimiert, erklärt Paul, „sondern eher motiviert.“

Zum Arbeitsprogramm gehörte auch ein Ausflug nach Stapel. Dort besuchten die Schüler einen konventionell arbeitenden landwirtschaftlichen Betrieb und ein Unternehmen in der Nachbarschaft, das unter anderem Lavendel-Säckchen und Samenbomben in Bio-Qualität produziert. „Die verstehen sich gut und arbeiten auch zusammen“, erzählt die Schülerin Beeke, deren Eltern den Hansenhof betreiben. Mehrere dieser Samenbomben, aus denen sich kleine blühende Biotope entwickeln, auf die unter anderem Bienen angewiesen sind, wollen die Schüler bei ihrem Gegenbesuch nach den Osterferien mit nach Denizli nehmen. „Ich bin echt gespannt auf den Unterricht“, sagt Nora, „der soll sehr streng sein, habe ich gehört.“ Die Schüler würden Schuluniformen tragen, es gebe strenge Vorgaben für die Frisuren, und im Unterricht werde nicht diskutiert. Gleichwohl freuten sie sich darauf, die fremde Kultur kennen zu lernen, so der allgemeine Tenor der KGS-Schüler. Apropos Kultur: „Das Plätzchen backen und die Weihnachtsdeko in den Wohnungen mit der heimeligen Beleuchtung fanden die türkischen Jugendlichen ganz toll“, erzählt Inga.

Die Jugendbegegnung mit der Türkei werde von der Deutsch-Türkischen Jugendbrücke mit 12 500 Euro gefördert, sagt die Lehrerin Deike Lührs, die zusammen mit ihrem Kollegen Malte Sievers das Austauschprogramm an der KGS leitet. Dank des Zuschusses könnten die Kosten pro Schüler auf 150 bis 250 Euro inklusive der Flüge gedrückt werden. Initiiert worden ist die Jugendbrücke laut Homepage von der Stiftung Mercator, zu den Unterstützern gehört das Auswärtige Amt.

Fast gleichzeitig mit den türkischen Jugendlichen war eine 19-köpfige Schülergruppe aus Fuerteventura zu Gast an der KGS. Zusammen mit ihren Gastgebern aus dem neunten Jahrgang besuchten sie den Unterricht, waren in Bremen bei Airbus, auf dem Weihnachtsmarkt und in der Eislaufhalle, besuchten in Hamburg das Miniatur Wunderland und die Elbphilharmonie und gestalteten in der Schule gemeinsam ein Wandbild. Obwohl die spanischen Jugendlichen in der Schule Deutsch lernen und die KGS-Schüler ab der 6. Klasse Spanisch wählen können, sei die Kommunikation überwiegend auf Englisch gelaufen, sagt der aus Andalusien stammende Spanisch-Lehrer Jose „Pepe“ Avila.

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