Samtgemeindebürgermeister in Tarmstedt

Rennen ums Rathaus beginnt

Bernd Sievert (SPD) will Frank Holle (CDU) als Samtgemeindebürgermeister in Tarmstedt beerben – Markus Schwiering auch. Doch der parteilose Hepstedter hält sich noch bedeckt.
30.06.2020, 21:50
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Heeg
Rennen ums Rathaus beginnt

2014 sind Samtgemeindebürgermeister Frank Holle (links) und Bernd Sievert gegeneinander angetreten. Sievert unterlag damals, will 2021 aber erneut versuchen, den Chefsessel im Tarmstedter Rathaus zu erklimmen.

Hans-Henning Hasselberg

Tarmstedt. Bernd Sievert (SPD) wagt einen erneuten Anlauf auf den Chefsessel im Tarmstedter Rathaus. Der 56-jährige Tarmstedter möchte Nachfolger von Frank Holle (CDU) werden, dessen Amtszeit nach 15 Jahren am 31. Oktober 2021 endet. Holle schließt bislang eine dritte Wahlperiode als Bürgermeister in der Samtgemeinde Tarmstedt kategorisch aus. Wie er seine berufliche Zukunft ab dem 1. November 2021 tatsächlich sieht, will Holle an diesem Mittwoch bekannt geben.

Ein neuer Arbeitsplatz böte sich ihm möglicherweise ganz in der Nähe: Nach Auskunft des Landkreises Rotenburg werden außer in Sittensen, Geestequelle und Zeven überall neue Bürgermeister gewählt – also in zehn Kommunen im Landkreis, darunter auch in der Kreisstadt Rotenburg. Ein Termin für die Kommunalwahl 2021 in Niedersachsen stehe noch gar nicht fest, es solle aber ein Sonntag im September sein. Die Amtszeit beträgt künftig fünf Jahre und wird exakt an die Ratsperioden angeglichen.

Während Sievert seinen Schritt am Dienstag von sich aus öffentlich gemacht hat, hält sich ein zweiter Anwärter für die Verwaltungsspitze der Samtgemeinde noch sehr bedeckt: Markus Schwiering. Der parteilose Hepstedter, der in seinem Heimatdorf seit der letzten Kommunalwahl ehrenamtlicher Bürgermeister ist, ist vom CDU-Gemeindeverband Tarmstedt gefragt worden, ob er sich eine Kandidatur vorstellen könnte. Auf Anfrage mochte der 42-jährige Jurist, der in Tarmstedt als selbstständiger Rechtsanwalt arbeitet, die Sache „zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht kommentieren“. Er verwies auf einen Pressetermin, den CDU-Chef Stephan Otten für kommenden Freitag angesetzt hat. Otten selbst gibt sich ebenfalls geheimnisvoll: „Am Freitag wissen Sie mehr.“

Was definitiv feststeht: Bernd Sievert möchte es noch einmal wissen. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Samtgemeinde- und Gemeinderat Tarmstedt war 2014 im Rennen um den Posten des Samtgemeindebürgermeisters gegen Frank Holle angetreten, war aber mit 2439 zu 2871 Stimmen unterlegen. Eine erneute Kandidatur hatte der frühere Berufssoldat bisher nie ausgeschlossen.

Der SPD-Ortsverein Tarmstedt hat nach dem Vorstoß Sieverts „nun auch offiziell das Interessenbekundungsverfahren eröffnet“, so die Parteivorsitzende Sylvia Best. Weitere Kandidatinnen und Kandidaten könnten sich bei ihr und dem Co-Vorsitzenden Dirk Gröffel melden. „Wir wollen den Bürgermeisterkandidaten in einem demokratischen und transparenten Prozess auswählen“, betont Best. Die Bewerbungen würden selbstverständlich vertraulich behandelt.

Auf einer Mitgliederversammlung am 1. September könnten sich alle Kandidatinnen und Kandidaten den rund 50 SPD-Mitgliedern vorstellen. Nominiert wird der Bürgermeisterkandidat auf einer weiteren Mitgliederversammlung Ende September per Mitgliedervotum. „Bis dahin können sich Interessierte noch melden“, erklärt Best.

Auch bei der CDU wird der Kandidat oder die Kandidatin von der Parteibasis nominiert, so Stephan Otten auf Anfrage. Der CDU-Gemeindeverband Tarmstedt hat rund 140 Mitglieder.

„Wir begrüßen ausdrücklich die Kandidatur von Bernd Sievert", so Sylvia Best und Dirk Gröffel. Das Ergebnis bei der letzten Wahl vor sechs Jahren sei ja "denkbar knapp ausgefallen". Gleichwohl werde der Vorstand das Mitgliedervotum akzeptieren. Fürs Rathaus wünsche sich der Parteivorstand "eine offenere Politik und mehr Transparenz", so Best, "da wird zu viel im stillen Kämmerlein verhandelt".

Bernd Sievert wurde 2019 bei der Bundeswehr in den Ruhestand verabschiedet und arbeitet seitdem halbtags als Sachbearbeiter bei einer Bundeswehr-Tochter namens Heeres-Instandsetzungs-Logistik in der Kaserne in Seedorf. Parteifreunde hätten ihn zu seiner Bewerbung ermuntert, sagt er. Was er als hauptamtlicher Bürgermeister anders machen würde als der Amtsinhaber, erklärt er so: „Mir hat das nicht gefallen, wie die Verwaltungsspitze mit dem Freibad Kirchtimke umgegangen ist. Nur dank des unglaublichen ehrenamtlichen Engagements im Dorf konnte das Freibad überhaupt erhalten werden. Solch einen Einsatz gilt es wertzuschätzen.“ Verbessert werden müsste die Mobilität in den Ortschaften, die abseits der Buslinie Zeven-Bremen liegen. Ein Problem, das nicht kleiner werde, wenn demnächst das private Carsharing-Projekt mit Elektroautos in der Samtgemeinde auslaufe.

Auch innerhalb der Verwaltung sieht Sievert Optimierungsbedarf. „Wir müssen endlich das Ratsinformationssystem zum Laufen kriegen. Seit sieben Jahren wird daran rumgebastelt, und wir kommen nicht voran.“ Unterstützung leisten könnte die Samtgemeinde beim Aufbau einer regionalen Lebensmittelversorgung. „Corona hat das Einkaufsverhalten der Menschen verändert“, so Sievert, „die Menschen kaufen wieder mehr lokal.“

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