Tarmstedter Parteispitze zuversichtlich SPD will sich mehr kümmern

Auch wenn es anderswo miserabel um die SPD steht: Das Führungsduo des Tarmstedter Ortsvereins blickt in diesen schwierigen Zeiten zuversichtlich in die Zukunft.
28.10.2019, 18:58
Lesedauer: 2 Min
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Von Johannes Heeg

Tarmstedt. Die Oberbürgermeisterwahl in Hannover versemmelt, katastrophale acht Prozent bei der Wahl in Thüringen: Es sind im Moment keine leichten Zeiten für die deutsche Sozialdemokratie. „Da gibt es wirklich nichts schön zu reden“, sagt auch Sylvia Best, zusammen mit Dirk Gröffel seit 2018 Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Samtgemeinde Tarmstedt. Ihre Erklärung für die desaströsen Wahlergebnisse: Die große Koalition im Bundestag tue der SPD nicht gut, ihre Arbeit in der Regierung werde nur unzureichend wahrgenommen. Daher, so Best, habe sie die ungeliebte Groko bei den Mitgliederbefragungen schon zwei Mal abgelehnt. Und daher kämen für sie auch die Groko-Befürworter Olaf Scholz und Klara Geywitz als künftiges SPD-Führungsduo nicht infrage: „Ich habe für Karl Lauterbach und Nina Scheer gestimmt“, bekennt die Tarmstedterin, „wir brauchen einen Neuanfang.“

Geht es nun auch mit der Tarmstedter SPD bergab, wird die älteste Partei Deutschlands auch in der Samtgemeinde in die Bedeutungslosigkeit herabsinken? Best und Gröffel glauben das nicht. „Wir machen hier Kommunalpolitik“, sagt Sylvia Best. Auf den Dörfern würden sich die Menschen kennen, dort wähle man eher Personen bezogen. Und die SPD-Mandatsträger hätten ja auch einiges erreicht in den vergangenen Jahren: So seien die Betreuungszeiten in den Kindergärten auf Betreiben der SPD ausgeweitet, ein Hort sei eingerichtet und die Schulsozialarbeit schrittweise ausgebaut worden. Und auch zum Erhalt des Timkebads habe neben dem örtlichen Förderverein auch die SPD beigetragen.

Und genau diese Themen seien es, für die die SPD stehe und die für sie der Markenkern der SPD seien: „Wir stehen für Solidarität und Gemeinschaft“, sagt Sylvia Best. Dazu gehöre auch, den Bürgern zuzuhören, sich um deren Probleme zu kümmern. Ein Mittel seien die in diesem Jahr eingeführten SPD-Stammtische, die alle Vierteljahre als zwanglose Gesprächsrunden ausdrücklich auch für Nichtmitglieder angeboten würden. Für die nahe Zukunft geplant sei eine „Ideenwerkstatt zum Ladensterben in Tarmstedt“, bei der zusammen mit der Wirtschafts-Interessen-Gemeinschaft Tarmstedt (WIG) die Lage sondiert werden solle. Gerne würden Best und Gröffel auch eine öffentliche Veranstaltung zum Thema Flüchtlinge und Fremdenfeindlichkeit machen. Das sei zwar „in Tarmstedt kein akutes Problem“, betonen sie, weil die Verwaltung zusammen mit ehrenamtlichen Helfern sehr gute Arbeit leiste. Vor allem der Verein FAST tue „parteiübergreifend unglaublich viel für die Integration der Flüchtlinge“. Dennoch stoße man auch in der Samtgemeinde auf rechtsextremes Gedankengut.

52 Mitglieder habe der SPD-Ortsverein derzeit, das Durchschnittsalter betrage 58 Jahre. Junge Leute sind ganz klar unterrepräsentiert, daher freue sie sich umso mehr über jenen 16-Jährigen aus Steinfeld, der im Sommer in die SPD eingetreten sei: „Ein sehr engagierter Junge. Der hilft uns, unsere Homepage zu pflegen“, so Best.

Zwei große Themen beschäftigen die Tarmstedter SPD derzeit: Am 12. Juni 2020 wollen die Genossen im Gasthaus Willenbrock das 50-jährige Bestehen ihres Ortsvereins feiern, eine Arbeitsgruppe befasse sich intensiv mit der Chronik und den Vorbereitungen. Großbaustelle Nummer zwei sei die Kommunalwahl 2021, für die schon jetzt mögliche Bewerber für die Listen angesprochen würden. Eine große Herausforderung seien die Wahlen deshalb, weil aus Altersgründen relativ viele Ratsmitglieder aus den Gemeinderäten und aus dem Samtgemeinderat ausschieden und zudem ein neuer Samtgemeindebürgermeister für Tarmstedt gewählt werden müsse. Amtsinhaber Frank Holle wolle nicht mehr antreten, und die SPD werde auf jeden Fall einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken. Die Räte, sagt SPD-Chefin Sylvia Best, müssten „jünger und weiblicher werden“.

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