Gefährliche Lücke bei Dipshorn Anlieger stimmen Radwegbau zu

Der Radweg zwischen Dipshorn und Otterstedt kann nun wohl doch weitergeplant werden. Die Anlieger wollen eine entsprechende Einverständniserklärung unterschreiben.
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Von Johannes Heeg

Dipshorn. Es ist ein trüber Mittwoch im November, an dem drei Bewohner des Dipshorner Wochenendgebiets auf einer Terrasse sitzen. Die Temperatur beträgt drei Grad, es gibt heißen Tee, man hört Wildgänse und Kraniche. Grund des Treffens ist der geplante Radweg, der entlang der viel befahrenen Kreisstraße an ihren Grundstücken vorbeiführen soll. Um präzise zu sein: Es geht um die Frage, ob die Anlieger im Tütschmoor tatsächlich die sind, die die Vollendung des Radwegs zwischen Otterstedt und Dipshorn verhindern wollen.

Den Eindruck kann nämlich gewinnen, wer sich Zeitungsberichte zu dem Thema durchliest. „Lang geplanter Lückenschluss zwischen Dipshorn und Otterstedt scheitert am Veto einiger Waldeigentümer“, dieser Satz war Anfang Dezember in dieser Zeitung zu lesen. Er geht auf eine Äußerung von Vorwerks Bürgermeister Thomas Müller zurück, der bei einem Pressegespräch das Aus für das Projekt verkündet hatte. Man habe alles Mögliche versucht, mit den Anliegern gesprochen, mehrere Varianten geprüft. Doch letztlich komme man nicht weiter, so Müller. Einige seien dagegen, dass für die Bauarbeiten ihre Grundstücke betreten werden.

Wie kann das sein, dass ausgerechnet eine Gruppe von Menschen, die sich „Anwohner pro Radweg“ nennt, einen Radweg verhindern will? Diese Frage ist auch Thema in den sozialen Netzwerken. Wer bei Facebook Dipshorn eingibt, wird nicht viel finden. Allerdings fällt auf, dass nach Erscheinen des Zeitungsartikels mehr als ein Dutzend Kommentare zur Radweglücke zwischen Otterstedt und Dipshorn gepostet worden sind. Tenor: Die Verfasser äußern ihren Unmut darüber, dass einige Bewohner des Wochenendgebiets gegen den Radweg seien.

Ist das wirklich so? Die Frau und die beiden Männer auf der Terrasse im Tütschmoor sagen: „Wir sind für diesen Radweg, nicht dagegen.“ Sie wollen ihre Namen nicht in der Zeitung lesen nach dem, was sie auf Facebook gesehen haben und als „Shitstorm“ bezeichnen. Sie sehen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Das Trio besitzt drei von insgesamt fünf Grundstücken, die an die Kreisstraße grenzen und von den Radwegplänen tangiert sind. Sie leben in dem Waldgebiet, ein weiterer Eigentümer wohnt in Göttingen, ein anderer in München. Die Frau sagt, sie sei passionierte Radfahrerin, regelmäßig fahre sie klimaschonend zum Einkaufen nach Ottersberg. Einer der Männer berichtet von gefährlichen Situationen, die er als Radfahrer schon selbst auf der Kreisstraße erlebt habe: „Wenn sich zwei Lastwagen begegnen, wird das ganz schön eng. Der Mindestabstand von 1,50 Meter zum Radfahrer wird dann nicht eingehalten.“

Je länger das Gespräch dauert, desto deutlicher schält sich heraus: Ja, es gibt Probleme mit dem Radweg. Doch nein, dafür seien nicht die Anwohner verantwortlich, sondern die verfehlte Kommunikation vonseiten der Gemeinde und des Landkreises. Von Anfang an sei versäumt worden, die Anlieger ins Boot zu holen. „Das war keine Bürgerbeteiligung, sondern Bürgerverängstigung“, sagt einer der Männer und zeigt mehrere Behördenschreiben in bürokratisch verfasster Amtssprache.

Und dann ist da noch die Sache mit den Bäumen. In einem der ersten Entwürfe für den Radweg sei noch davon die Rede gewesen, „dass 200 bis 300 Bäume gefällt werden müssten“, so die Anlieger, „das wollten wir so nicht akzeptieren.“ Als später dann deren Vorschlag aufgegriffen worden sei, mithilfe von Betonfertigteilen platzsparender zu bauen, hätten die Behördenvertreter signalisiert, dass am Ende vielleicht doch nur zehn bis 15 Bäume entfernt werden müssten. „Damit können wir leben“, so die Anlieger. Und das Betretungsverbot? Ein Missverständnis, sagen sie, möglicherweise verursacht durch die insgesamt gestörte Kommunikation. Selbstverständlich dürften Bauarbeiter während des Radwegbaus die Grundstücke betreten. Die Anlieger seien jetzt bereit, eine entsprechende Einverständniserklärung zu unterschreiben. Darin stimmen sie erstens dem Bau des Radwegs zu und zweitens einer Neugestaltung des Waldrands, wodurch Zäune im Tütschmoor durch dichte Hecken ersetzt werden. Dieses Thema müsse aber noch detailliert besprochen werden.

Dass nun doch Bewegung in die Sache gekommen ist, freut Bürgermeister Thomas Müller: „Wenn wir die Einverständniserklärungen vorliegen haben, sind wir einen großen Schritt weiter.“ Dann könne der Landkreis die Planung wie vorgesehen so vorantreiben, dass im September 2021 die Baureife vorliegt. Und wenn dann das Land die Förderung zusagt, könne der Radweg im Frühjahr 2022 ausgeschrieben und gebaut werden. Beim Landkreis stehe dieser Radweg ziemlich weit oben auf der Prioritätenliste.

Weiterhin stehe die Gemeinde zu ihrer Zusage, beim Ankauf von Flächen durch den Landkreis den Kaufpreis von 1,20 auf 3,50 Euro pro Quadratmeter aufzustocken. Benötigt würden etwa 300 Quadratmeter, so Müller. Außerdem gebe die Gemeinde 40 000 Euro für die Waldrandumgestaltung.

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