Gemeinderat entscheidet

Planung für Buchholz geht weiter

Die Planungen für ein neues Wohngebiet mit 25 Häusern in Buchholz gehen weiter. Der Gemeinderat lehnte jetzt der Antrag einer Bürgerin, das Vorhaben zu stoppen, bei einer Gegenstimme ab.
05.05.2021, 11:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Kessels

Dipshorn. Der Bebauungsplan Nummer 4 „Langenkamp und Ziegeler Weide“ in Buchholz wird von der Gemeinde Vorwerk weiterverfolgt. Der Gemeinderat lehnte in seiner jüngsten Sitzung, zu der sich zwölf Zuhörer, vorwiegend aus Buchholz, im Dorfgemeinschaftshaus von Dipshorn eingefunden hatten, den Antrag einer Bürgerin ab, das Planverfahren einzustellen. Annette Bergmann, die in der Nähe des Plangebiets wohnt, befürchtet, dass sich durch den Bau von 25 neuen Häusern Buchholz zu einer Schlafsiedlung entwickelt und dass der Autoverkehr unzumutbare Ausmaße annimmt.

Der Bebauungsplan soll für ein Gebiet am südlichen Ortseingang gelten, das an der Großen Straße gegenüber der Siedlung Am Bremers Weg liegt. Es ist zwei Hektar groß, die Hälfte davon – inklusive Verkehrsflächen – soll bebaut werden mit 25 Häusern. Annette Bergmann hatte ihrem Antrag Zahlen zur Einwohnerentwicklung von Buchholz beigefügt: Laut Ortschronik habe das Dorf 1997 in 113 Häusern 411 Einwohner gehabt, 2014 seien es laut einer Veröffentlichung der Gemeinde schon 650 Einwohner gewesen, im vergangenen Jahr „vermutlich“ etwa 800. Jens Frömmrich bezweifelte diese Zahlen – derzeit habe Buchholz 527 Einwohner, Vorwerk 284 und Dipshorn 227. „Ich glaube nicht, dass Buchholz jemals 700 Einwohner hatte“, sagte Frömmrich, der selbst in dem Dorf wohnt. Die Samtgemeinde sei gerade dabei, eine Statistik zu erstellen.

Annette Bergmann fragte, was der Anlass für die Planung sei – etwa die Hoffnung auf höhere Einkommensteuereinnahmen? Der Aufstellungsbeschluss vom Dezember 2019 sei ohne Bürgerbeteiligung zustande gekommen, da diese bei Gebieten unter einem Hektar (10.000 Quadratmeter) nicht vorgeschrieben sei. Sie glaube aber, dass das Gebiet für 25 Häuser größer sei. Buchholz sei ein Dorf ohne jede Infrastruktur, ohne Kindergarten, ohne Geschäfte und vor allem ohne Arbeitsplätze. 25 neue Wohnhäuser würden mindestens 40 neue Pendler nach Bremen bedeuten, und der Autoverkehr in der Großen Straße sei schon jetzt ein Problem. „Das soll hier nicht so aussehen wie in Tarmstedt“, meinte Bergmann.

Darin stimmte Bürgermeister Thomas Müller ihr zu. Aber das könne der Gemeinderat schließlich im Bebauungsplan festsetzen. „Wir bestimmen selbst, wie das Baugebiet aussehen wird.“ Aufgekommen seien die Überlegungen dafür im September 2019 bei einer Informationsveranstaltung der Samtgemeinde für die Bürgermeister über ein vereinfachtes Planungsverfahren. Dafür sei aber zwingend ein Aufstellungsbeschluss bis zum 31. Dezember 2019 nötig gewesen. Nachdem die Gemeinde in Vorwerk nur sechs neue Bauplätze habe schaffen können, habe man sich für Buchholz entschieden. Von den 20.000 Quadratmetern der gesamten Fläche werde nur die Hälfte versiegelt, das sei weit unter dem zulässigen Wert.

Für Annette Bergmann ist das viel zu viel. Jedes Dorf in der Samtgemeinde weise neue Baugebiete aus, meinte sie. „Was kommt dabei heraus?“ In Buchholz sollen laut Thomas Müller vor allem junge Buchholzer bauen; Kinder gebe es dort genug. Maik Seeger meinte, das Dorf solle sich langsam entwickeln können – die Planungsfehler aus Tarmstedt werde man dort sicherlich nicht wiederholen. Wohler Jagels wies darauf hin, dass es in der Politik Bestrebungen gebe, den Bau von Einfamilienhäusern ganz zu verbieten. Dem solle die Gemeinde mit dem Bebauungsplan zuvorkommen. „Oder sollen wir bald Hochhaussiedlungen bauen?“, fragte er sarkastisch.

Dann, so ein Zuhörer, solle man vielleicht „in x Jahren“ ein Baugebiet ausweisen, wenn nötig. Aber Buchholz sei schon jetzt ein Schlafdorf, das nicht noch vergrößert werden solle. Das fand auch Ratsherr Gerardus Versteegh. „Wir brauchen das nicht“, sagte er. Die Gemeinde habe etwa 1000 Einwohner in ihren drei Dörfern, dafür reiche es, jedes Jahr nur ein paar neue Häuser zu bauen. Aber einen Beschluss über die Ausweisung eines Baugebiets fasse man heute ohnehin nicht, es werde nur über den Antrag Annette Bergmanns abgestimmt, erklärte der Bürgermeister. Und dabei war das Ergebnis eindeutig: Für die Einstellung der Planung sprach sich nur Gerardus Versteegh aus, während bei einer Enthaltung neun Ratsherren dagegen stimmten.

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