Kreisstraße zwischen Dipshorn und Otterstedt Plan für Radweg vor dem Aus

Der Plan, die Radfahrer zwischen Dipshorn und Otterstedt von der Straße zu bekommen, steht vor dem Aus. Anwohner machen bei dem Vorhaben nicht mit. Gemeindevertreter sind frustriert.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Christiane Seeger

Dipshorn. Seit Langem schon soll die Radweglücke zwischen Otterstedt und Dipshorn geschlossen werden. Nachdem es im Juni dieses Jahres noch vielversprechend aussah, dass das Teilstück gebaut werden kann, hat Bürgermeister Thomas Müller nun das Aus verkündet. Auch die letzte verbliebene Möglichkeit, eine Verlängerung des Radweges direkt an der Kreisstraße, wurde nun verworfen. Bereits im Dezember letzten Jahres sagte er: „Diese Variante ist unsere letzte Chance. Wenn das nichts wird, wird es keinen Radweg geben.“

Um die bestehende Radweglücke zu schließen, wurden verschiedene Streckenführungen ins Auge gefasst: Den Radweg durch das Wochenendgebiet Tütschmoor führen zu lassen, war eine Variante. Den Weg um das Wochenendgebiet herumzuleiten, eine weitere. Eine Überlegung, den Radweg auf die andere Straßenseite zu verlegen, wurde ebenfalls verworfen.

Bei einem Ortstermin sei zuletzt eine platzsparende Variante direkt an der Kreisstraße ins Gespräch gekommen. Dabei würde eine spezielle Winkelstütze den Radweg stabilisieren. Unter dem Radweg würde eine Rohrleitung für die Entwässerung sorgen. Diese stelle sicher, dass kein Wasser vom Radweg auf die Straße abgeleitet wird, so Gert Engelhardt vom Amt für Wasserwirtschaft und Straßenbau. Betroffen seien etwa 100 Meter der 1,3 Kilometer langen Radwegstrecke. Das Winkelstück würde direkt auf die offizielle Grenze des Grundstücks gesetzt. Allerdings müssen die Bauarbeiter zur Durchführung der Erdarbeiten die Grundstücke betreten. Etwa ein Meter würde zum Arbeiten benötigt. Beim Ortstermin hatte Bürgermeister Müller nach eigener Aussage den Eindruck gewonnen, dass die Anlieger damit leben könnten.

Mittlerweile ist das Wochenendgebiet zum Wald eingestuft worden. Die Untere Naturschutzbehörde überprüft seit Beginn des Jahres alle Wochenendgebiete im gesamten Landkreis Rotenburg. Das Problem dabei: Ein Wald muss für jedermann frei zugänglich sein, so Paragraf 23 des Niedersächsischen Gesetzes über den Wald und die Landschaftsordnung. Daher seien sämtliche Umfriedungen zu entfernen. Im Wochenendgebiet Tütschmoor befinden sich zehn davon betroffene Grundstücke, davon liegen fünf an der Straße.

Ende Oktober trafen sich die Gemeindevertreter, Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde und des Landkreises mit den Grundstückseigentümern zu einem Infotermin. Die Untere Naturschutzbehörde stellte das Konzept für eine Waldrandumgestaltung vor. Zu hohe Bäume sollten entnommen und neu angepflanzt werden. Der Waldrand müsse strukturell neu aufgebaut werden. Eine Schlehenhecke könne als Trennelement zwischen Radweg und Wald dienen.

Den Anliegern, die gerne Zäune haben wollten, wurde dabei ein Kompromiss vorgeschlagen: Wenn ein Zaun nicht zulässig sei, dann eine Waldrandbepflanzung, beispielsweise eine ökologisch wertvolle Schlehenhecke. Die Finanzierung in Höhe von 40 000 Euro wolle die Gemeinde übernehmen. Nach dem Infotermin schrieben die Eigentümer, die sich „Initiative pro Radweg“ nennen, an die Gemeinde. Man bestehe auf eine Einfriedung an der Straße. Ebenso wurde ein generelles Betretungsverbot für Bauarbeiten erteilt. Auf das Angebot der Kostenübernahme für die Umgestaltung wurde nicht eingegangen, so Bürgermeister Müller. Nach sechs Jahren Planung und Arbeit sei seine Motivation mittlerweile erloschen.

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, findet Gert Engelhardt. Immerhin seien für die Planung der verschiedenen Varianten Kosten im unteren bis mittleren fünfstelligen Bereich entstanden, die sich nun der Landkreis und die Gemeinde teilen müssten. Die Anwohner sehen wohl die Schuld beim Landkreis, so Engelhardt. Bei der Bewilligung eines Zaunes hätten sie mitgespielt. Doch dafür gäbe es keinen Spielraum. Die Aufforderungen der Unteren Naturschutzbehörde zur Beseitigung der festgestellten Missstände wurden noch nicht versendet. Am 4. Dezember tagen die Behördenvertreter wieder, eine letzte Chance für die Eigentümer, ihr Betretungsverbot zurückzuziehen.

Info

Zur Sache

Radfahrer müssen Straße nutzen

Bereits 2015 wurde ein Radweg ab Otterstedt entlang der Kreisstraße gebaut. Dieser endet allerdings jäh an der Kreisgrenze, so dass Radfahrende in Richtung Dipshorn auf der Straße weiterfahren müssen. Ein Tempolimit an dieser Gefahrenstelle befindet sich nur auf der Rotenburger Seite. Hier darf 70 Stundenkilometer schnell gefahren werden. Auf der Verdener Seite gilt weiterhin Tempo 100. Die Kosten für den Radwegbau trägt zu 65 Prozent das Land Niedersachsen. Den Rest teilen sich zu gleichen Teilen der Landkreis und die Gemeinde.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+