Bürgermeister sponsert Wörpebrücke Arzt mit Spendier-Herz

Wilstedts Bürgermeister Traugott Riedesel sponsert die neue Wörpebrücke mit 10 000 Euro vom eigenen Konto. Das Projekt hatte sich wegen behördlicher Auflagen von 45 000 auf 60 000 Euro verteuert.
26.02.2019, 16:44
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Von Johannes Heeg

Wilstedt. Dass in Wilstedt die Uhren ein wenig anders ticken als in den umliegenden Gemeinden, zeigte sich jetzt wieder im Finanzausschuss. In der jüngsten Sitzung gab der Vorsitzende Stephan Kück-Lüers nämlich bekannt, dass Bürgermeister Traugott Riedesel seiner Gemeinde 10 000 Euro gespendet hat – ganz privat von seinem persönlichen Bankkonto. Eine weitere Spende von 2500 Euro steuert die Wilstedter Bürgerstiftung bei, ebenfalls gedacht für die Finanzierung der Wörpebrücke.

Riedesel ist nicht der Typ, der davon ein großes Aufhebens macht. Schon gar nicht würde der 68-jährige Landarzt mit dieser Spende von sich aus an die Öffentlichkeit gehen. Aber auf Anfrage äußerte er sich doch zur Fußgänger- und Radfahrerbrücke, die Wilstedt und Tarmstedt über die Wörpe hinweg verbindet und als sein Herzensprojekt gilt. „Leider ist die Sache finanziell aus dem Ruder gelaufen“, blickt Riedesel zurück.

Er erklärt: In der Anfangsphase der Planungen sei man noch von Baukosten für die Holzkonstruktion in Höhe von 30 000 Euro ausgegangen. Zuzüglich Kosten für Planung, Genehmigung und Umfeldgestaltung sei die Gemeinde auf einen Betrag von 45 000 Euro gekommen, den sie sich brüderlich mit der Nachbargemeinde Tarmstedt und dem Land Niedersachsen teilen wollte: Jeder sollte mit einem Drittel oder jeweils 15 000 Euro zum Gelingen des Projekts beitragen.

Der Plan ging nicht ganz auf, denn am Ende ergab die Abrechnung ganze 60 000 Euro für die Wörpebrücke. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass die behördlichen Auflagen die Nebenkosten derart in die Höhe treiben“, sagt Riedesel. So sei die vom Landkreis geforderte Statik viel aufwendiger ausgefallen als ursprünglich angenommen. Die Fundamente wurden stärker und einen halben Meter höher als gedacht, und damit sei auch der Anschluss der Brücke an die Zuwegung aufwendiger geworden. „Wir hatten nicht im Blick, dass es im Uferbereich besondere Anforderungen gibt“, so Riedesel, und auch der landschaftliche Begleitplan sei erheblich teurer geworden als geplant. Dieser regelt unter anderem, dass zum Ausgleich für die Eingriffe in die Natur 27 Apfelbäume in der Verlängerung der Straße An der Reitbahn gepflanzt werden mussten.

Seit Ende Juni ist die Brücke fertig, nachdem es zunächst wegen des Behördenkrams und später wegen des lang anhaltenden Hochwassers der Wörpe zu monatelangen Verzögerungen gekommen war. Im Dezember bekam das Bauwerk mit „Imbuschbrücke“ sogar einen Namen, ein Flurstück stand dafür Pate. „Die Brücke ist wirklich sehr schön geworden“, findet Riedesel. Was er auch findet: „Es wäre unfair, der Gemeinde Wilstedt die Mehrkosten dafür einfach komplett aufzuhalsen.“ Also habe er entschieden, seine ohnehin von Anfang an geplante Spende von 5000 auf 10 000 Euro zu verdoppeln. „Ich bin jetzt 68 Jahre alt, arbeite zwölf Stunden am Tag, wir haben keine Schulden, und unsere Kinder haben alle einen Beruf“, relativiert er seine Großzügigkeit. Außerdem könne er die Spende von der Steuer absetzen.

Die Wörpebrücke gehöre für ihn „zu den kleinen netten Dingen, die es in der Kommunalpolitik auch geben muss“, erklärt Riedesel. Er sei aber der Meinung, dass nicht für alles der Steuerzahler aufkommen müsse.

Riedesels aktuelle 10 000-Euro-Spende ist nicht die erste Wohltat, die der ehrenamtliche Bürgermeister seiner Gemeinde angedeihen lässt. 2014 – die Gemeinde Wilstedt steckte gerade in einer finanziellen Klemme, was mit dem neuen Kindergarten zu tun hatte, der 1,5 Millionen Euro gekostet hat – meldete Riedesel ein Gewerbe an und kaufte ein dringend benötigtes Kommunalfahrzeug. Runde 70 000 Euro legte der Arzt für Trecker, eine spezielle Heckensäge und einen Anhänger hin – eigenes Geld wohlgemerkt. Dann schloss seine neue Firma, die sich mit der Vermietung von Fahrzeugen befasst, mit der Gemeinde einen Mietvertrag ab. Die Miete war niedrig, und der Vertrag enthielt eine Option, wonach die Gemeinde das Gerät zum Zeitwert erwerben könne, wenn sie wieder flüssig ist.

„Der alte Trecker war Schrott“, sagte Riedesel damals, er habe in dieser besonderen Situation einfach eingreifen müssen. Für ihn sei das „kein großes Opfer gewesen“. Auf der Bank bringe das Geld ohnehin keine Zinsen, und zum Konsumieren habe er weder Zeit noch Lust. Riedesel hat offenbar so viel Spaß an seinem Bürgermeister-Job, dass er ebenfalls seit 2014 sogar auf die ihm zustehende Aufwandsentschädigung in Höhe von jährlich 5500 Euro verzichtet. „Ich brauche das Geld nicht“, sagt er. Die Entschädigung sei dafür da, um berufliche Nachteile zu kompensieren, doch diese habe er gar nicht. Er könne sich seine Arbeitszeit als ehrenamtlicher Bürgermeister frei einteilen. Mit dem eingesparten Geld konnte die Gemeinde Wilstedt damals einen zweiten Gemeindearbeiter einstellen und ihm 450 Euro im Monat zahlen.

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