Stiftung soll Wilstedter Pfarrhaus kaufen Bötjersche Scheune als Vorbild

Was die Zukunft des Pastorenhauses angeht, sieht der Wilstedter Conrad Bölicke die Wilstedter Bürgerstiftung in der Verantwortung. Sie könnte das Anwesen kaufen und sich um eine Auffanglösung bemühen.
30.01.2019, 17:50
Lesedauer: 4 Min
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Von Johannes Heeg

Wilstedt. Für die Zukunft des alten Pastorenhauses hat der Wilstedter Conrad Bölicke jetzt einen ganz neuen Ansatz ins Spiel gebracht. „Warum kauft nicht die Bürgerstiftung Wilstedt das Grundstück an der Hauptstraße?“, fragt er. Schließlich gehöre es doch auch zu ihren ureigensten Aufgaben, historische Bausubstanz und die Dorfstruktur zu erhalten und gleichzeitig das Dorf zukunftsfähig zu machen, so Bölicke, der zu den Mitgründern der Bürgerstiftung zählt.

Er könnte sich eine Auffanglösung vorstellen: „Die Stiftung kauft das Anwesen und sichert es erst mal. Dann könnte man sich in Ruhe eine sinnvolle Planung überlegen, die den Wilstedtern zugutekommt“, argumentiert der Unternehmer. Auch Bölicke findet die Idee gut, im Ortskern bezahlbare Wohnungen für ältere Menschen zu bauen, die jetzt in zu groß gewordenen Häusern leben. Die Stiftung verfüge über jährliche Einnahmen von 20 000 Euro, die sie noch erhöhen könnten, wenn sie Zustiftungen einwerben würde. Über die Jahre komme da einiges zusammen, was die Stiftung als Sicherheit vorweisen könnte, um sich auf dem Kreditmarkt ein Darlehen für den Ankauf des Kirchengrundstücks zu beschaffen. Die Stiftung könnte auch Fördergelder einwerben.

Bölicke verweist auf die denkmalgeschützte, einst vom Zerfall bedrohte Bötjersche Scheune in Worpswede, die von einer Stiftung mit großem finanziellen Aufwand und mit Unterstützung der Bevölkerung zu einem wichtigen Veranstaltungsort entwickelt worden sei. „Wenn so etwas in Wilstedt gelänge, dann wäre das eine Sternstunde unserer Bürgerstiftung“, meint er. Sollte den Wilstedtern allerdings nichts einfallen, werde der Ort möglicherweise zu „einem Schlafdorf wie Grasberg und Tarmstedt“. Die Bürgerstiftung müsse ja nicht Bauherr sein, doch könnte sie als eine Art Treuhänderin fungieren, bis beispielsweise eine Genossenschaft gegründet ist, die alles Weitere in die Hand nehme.

Marko Intemann, Vorsitzender der Wilstedter Bürgerstiftung, hat schon vor einem Jahr im Seniorenbeirat den Vorschlag in den Raum gestellt, dass die Stiftung in Altenwohnungen investieren könnte. "Aber die gesamte Fläche zu entwickeln, wäre ein Millionenprojekt, und das würde unsere Möglichkeiten übersteigen", sagte er auf Anfrage. Intemann könnte sich zwei Szenarien vorstellen: "Am besten wäre es, die Gemeinde kauft das Kirchengrundstück und würde mit einem Investor ein Konzept entwerfen. Die Stiftung könnte dann in einem zweiten Schritt eine der Wohnungen kaufen, um sie langfristig zu vermieten." Denkbar wäre aber auch, dass die Stiftung das Pfarrhaus samt Grundstück kauft, wenn die Gemeinde Wilstedt eine Bürgschaft dafür übernimmt. "Dann könnte die Stiftung mit einem Investor, der sich auskennt, ein Altenwohnprojekt umsetzen. "Wir können kein finanzielles Risiko eingehen", so Intemann, "für Stiftungen gibt es strenge Vorgaben." Zu den Aufgaben der Bürgerstiftung gehöre zwar die Heimatpflege, "aber wir können nicht als Großinvestor auftreten".

Unterdessen hat sich auch der Worpsweder Architekt Axel Spellenberg wieder Gedanken zum Pastorenhaus gemacht: „Dass es nun doch kein Denkmal wird, heißt doch nicht, dass es nicht wieder zu einem wahren Schmuckstück werden könnte“, sagt der 73-Jährige. Kein Denkmalschutz sei vielmehr eine Chance, das Gebäude – mit Ausnahme der historischen Giebelfront mit dem charakteristischen Schindelgiebel und der Südfassade – abzubrechen und komplett neu als Fachwerkbau mit Ziegeldach zu bauen. Die Altbaufassaden blieben stehen, würden saniert und hinterdämmt, die dahinter gebaute Bausubstanz wäre ein Neubau in denselben Ausmaßen, jedoch keine Rekonstruktion. „Die sanierten Fassaden erstrahlen in neuem Glanz und verleihen der von mir konzipierten Wohnanlage einen dörflich rustikalen Charakter“, stellt er sich vor. Hinter dem Schaugiebel und unter dem neuen Ziegeldach verbergen sich fünf attraktive, großräumige Wohnungen, zwei im Erdgeschoß und drei im Dachgeschoß, zuzüglich des zu Wohnzwecken ausgebauten Dachbodens. Durch den erneuerten, farbig gestrichenen Torbogen mit dem Spruchbalken würde man in einen Dorfladen mit Café gelangen, so sein Plan.

Diese Version wäre erheblich kostengünstiger als eine komplette Sanierung. „Abgebrochen werden soll das Pastorenhaus nach den Vorstellungen von Ratsmitgliedern ja ohnehin, ersatzweise würde dann ebenso neu gebaut werden. Aber bei einem Totalabriss ginge der Charakter der durch das alte Pastorenhaus geprägten, historischen Dorfmitte verloren, das große Grundstück würde dann in ein reines Neubauareal umgewidmet“, befürchtet er. Nach seiner Konzeption könnten, zusammen mit den Neubauwohnungen im Pastorenhaus, insgesamt 42 Wohnungen in reizvoll dörflicher Gestaltung erstellt werden. Das alte Pastorenhaus mitsamt den rustikalen Dorfhäusern für mehrere Generationen, einem Dorfplatz und wertvollen alten Bäumen könnte zu einem Schmuckstück in Wilstedts Dorfmitte werden, schwärmt der Architekt.

Dass das Thema Denkmalschutz vom Tisch ist, findet auch der Ratsherr Stephan Kück-Lüers gut. „Ich glaube, dass wir so mehr Möglichkeiten haben, Wohnraum für ältere Wilstedter zu bauen“, sagte er auf Anfrage. Der Gemeinderat werde alles tun, um sinnvolle Pläne zu unterstützen. Den Ideen von Axel Spellenberg mit dem „Dorf im Dorf“ könne er einiges abgewinnen, „doch wird sich das wegen der Emissionslasten aus der Landwirtschaft baurechtlich so wohl nicht umsetzen lassen“. Dass ein Investor Teile des Pfarrhauses in einen Neubau integriert, sei aber vorstellbar, so der CDU-Mann.

Der Dorfentwicklungsausschuss wird sich am Montag, 11. Februar, unter anderem mit dem alten Pfarrhaus beschäftigen. Die Politiker beraten auch über einen Antrag der Fraktion Natürlich Wilstedt, wonach die Gemeinde das Pfarrhaus sicherheitshalber kaufen soll. Die öffentliche Sitzung beginnt um 20 Uhr im Haus der Gemeinde Am Brink.

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