Jörg Lemmermann aus Wilstedt Der Kommunikator

Im aktuellen Geschäftsbericht: Jörg Lemmermann aus Wilstedt hat 2014 seine „Einkauf Manufaktur“ gegründet. Er berät Unternehmen, die ihren Einkauf optimieren wollen.
22.01.2019, 05:15
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Johannes Heeg

Wilstedt. Der Mann kommt ganz schön rum im Land, gute 50 000 Kilometer im Jahr legt Jörg Lemmermann in seinem Auto zurück. Der Wilstedter ist Chef eines Ein-Mann-Unternehmens, das Firmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz berät, wie sie ihren Einkauf optimieren können. Dies tut er auf zweierlei Weise: Lemmermann schaut sich die Struktur des jeweiligen Betriebs an und macht Verbesserungsvorschläge, und er schult Einkäufer. 2014 hat sich der 49-Jährige mit seiner „Einkauf Manufaktur“ selbstständig gemacht.

Den Schritt in die Selbstständigkeit hat Lemmermann nie bereut, sagt er. "Ich arbeite sehr gerne mit Menschen und finde die Themen Einkauf, Verkauf, Verhandlung einfach sexy.“ Dass Berater nicht den allerbesten Ruf genießen, dass sie als "Schlaumeier" gelten – solche Klischees lässt er an sich abperlen. Seine Kunden merkten schnell, dass er für seine Themen „brenne“. Er schätze die Eigenverantwortung, zum anderen aber auch die daraus resultierenden Freiheiten. "Einer meiner früheren Chefs hat mich mal als nicht führbar bezeichnet", sagt er, "vielleicht habe ich mich auch deshalb selbstständig gemacht."

Auf Empfehlungen angewiesen

Lemmermann muss wohl einiges richtig machen in seinem Job, denn immer wieder werde er von Kunden erneut beauftragt oder sogar weiter empfohlen. „Als Einzelkämpfer bin ich auf Empfehlungs-Marketing angewiesen. Das klappt seit dem Beginn meiner Selbstständigkeit sehr gut“, meint er. Wie sich erfolgreiche Arbeit bemessen lasse, erklärt er so: „Erfolg in Einkaufs-Optimierungsprojekten lässt sich an Kennzahlen ablesen. Da stellen sich geringere Mängelquoten ein, der Betrieb spart Geld, die Lieferzuverlässigkeit steigt.“ Seine Kunden seien Mittelständler mit einem Einkaufsvolumen von mehreren Millionen Euro im Jahr. „Ich benötige natürlich ein gewisses Einkaufsvolumen, um meine Tagessätze zu rechtfertigen“, sagt Lemmermann. Eine Mindestsumme könne er aber nicht nennen, da jedes Unternehmen anders sei. 35 Kunden betreue er derzeit – darunter ein Autozulieferer, ein Landmaschinenhersteller, ein Fruchtsaftbetrieb, ein Rettungswagenhersteller.

Bei den Seminaren sei es schwieriger, den Erfolg zu quantifizieren. „Es hängt immer vom Teilnehmer selber ab, wie viel er vom Gelernten umsetzt oder im Unternehmen umsetzen kann“, sagt der Wilstedter. Grundsätzlich erfasse er immer Teilnehmer-Feedbacks, denn auch er müsse sich weiterentwickeln und auf Optimierungspotenzial hingewiesen werden. „Ich erlebe es immer wieder, dass Teilnehmer mich im Nachhinein nochmals kontaktieren und ihr Vorgehen mit mir abchecken. Dann weiß ich, dass ich fachlich und menschlich überzeugt habe.“

Sein wichtigstes Werkzeug ist die Kommunikation. „Man muss wissen, was Menschen motiviert, warum sie bestimmte Entscheidungen treffen“, erklärt Lemmermann. Was er in seinen Seminaren zu vermitteln versuche, ist Menschenkenntnis. In einem Gespräch beruhten nur sieben Prozent der Wirkung auf dem Inhalt der Worte. Elementar seien also die übrigen 93 Prozent, der nonverbale Anteil – Gesten, Blicke, Betonung, Pausen, Lautstärke. Es komme also entscheidend auf die Selbstdarstellung des Einkäufers wie auch des Verkäufers an. Auch die schult Lemmermann. Beide sollen ihren Job gut machen. Nur kompetent zu sein, reiche oft nicht, „die Kompetenz muss der Mensch natürlich auch ausstrahlen und rüberbringen“, so der Berater.

Nach einem Beispiel für ein Erfolgserlebnis gefragt, berichtet Lemmermann von einem 61-Jährigen, der sich nach einem Verhandlungs-Seminar dafür bedankt habe, dass er habe teilnehmen dürfen. Er sei aufgrund seines Alters mit sehr gemischten Gefühlen ins Seminar gegangen, fragte sich allerdings im Nachhinein, warum sein Chef ihn nicht schon früher angemeldet hatte. „Besonders betont hat der Mann, übrigens mein bislang ältester Teilnehmer, dass in der Video-Analyse niemand bloßgestellt wurde, sondern dass das Feedback sachlich, konstruktiv und annehmbar war“, so Lemmermann.

Nicht als Berater geboren

Der Diplom-Wirtschafts-Ingenieur betont immer wieder, dass er nicht als Berater auf die Welt gekommen sei. Nach seinem Abitur am Fachgymnasium in Zeven und der Bundeswehrzeit absolvierte Lemmermann in Elmshorn ein duales Studium. In dem Kooperationsbetrieb, der Prothesenteile wie künstliche Hüften und Kniegelenke sowie Wirbelsäulenstabilisatoren herstellte, blieb er weitere vier Jahre, in denen er Einkäufer, Einkaufsleiter und später auch Vertriebler war. In dieser Zeit war er oft bei Operationen dabei, reichte den Ärzten Spezialwerkzeug und Instrumente.

Über mehrere andere Stationen landete Lemmermann 2008 bei einer Unternehmensberatung in Düsseldorf, wo er als Angestellter das machte, was er nun auf eigene Rechnung tut. „Ich war 17 Jahre selbst Einkäufer“, so Lemmermann, „ich kenne das Geschäft aus der Praxis, nicht nur aus Büchern.“ Daher wisse er auch, dass er als Schlaumeier nicht weit käme: „Man muss die Mitarbeiter mitnehmen.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+