Rolf Struckmeyer im Interview „Die Schulen liegen mir sehr am Herzen“

Rolf Struckmeyer, Vorsitzender des Tarmstedter Samtgemeinderats, spricht im Interview über die Herausforderungen, die das neue Jahr bringt.
01.01.2020, 15:03
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Irene Niehaus

Herr Struckmeyer, das neue Jahr hat gerade begonnen, worauf freuen Sie sich am meisten in 2020?

Rolf Struckmeyer : Auf die weitere Entwicklung unserer Enkeltochter, die jetzt 16 Monate alt ist, und auf neue Herausforderungen in den Bereichen, in denen ich mich engagiere.

Sie engagieren sich schon lange im Samtgemeinderat Tarmstedt, wofür wollen Sie sich in diesem Jahr besonders starkmachen?

Für einen Treffpunkt für Senioren. Um der Gefahr von zunehmender Vereinsamung entgegen zu wirken, werden Begegnungsorte immer wichtiger.

Ein „Hus Tarms“, ein multifunktionales Dorfgemeinschaftshaus, war ja bereits im Rahmen der Tarmstedter Dorferneuerung ein Thema.

Stimmt, auch ich kann mir ein Bürger- und Kulturhaus rechts vom Tarmstedter Rathaus gut vorstellen, aber eben für alle Samtgemeindebürger.

Kommen wir zu den Projekten, die im neuen Jahr das meiste Geld verschlingen.

Das ist die Erweiterung der KGS-Oberstufe. Hier wird die Samtgemeinde die Hälfte der Kosten, zirka zwei Millionen Euro, übernehmen, die andere Hälfte trägt bekanntlich der Landkreis. Die Planungskosten für einen möglichen Erweiterungsbau der Tarmstedter Grundschule werden keine Unsummen verschlingen, wie hoch die ausfallen, weiß ich allerdings noch nicht.

Für Sie als ehemaligen Schulleiter dürften die Schulen das wichtigste Thema in der Ratspolitik sein.

Ja, sie liegen mir sehr am Herzen. Dass die Oberstufe jetzt umfangreich erweitert wird, freut mich sehr, nahezu alle Wünsche der KGS konnten da erfüllt werden. Für den Um- und Ausbau der Grundschule Tarmstedt sollten 2020 die Grundlagen geschaffen werden, um ab 2021 in die Umsetzung zu gehen.

Dann muss die Grundschule Tarmstedt ganztagstauglich gemacht werden.

Das meine ich damit auch, denn das steht aus bundespolitischer Sicht ab 2025 an. Darauf sollte die Samtgemeinde vorbereitet sein, auch wenn ich einen politisch von oben verordneten Ganztag nicht gut finde. Wir sind in der Diskussion mit der Gemeinde Tarmstedt um die Kindergartenfläche an der Schulstraße, die für eine mögliche Ganztagserweiterung der Grundschule genutzt werden könnte. Das funktioniert aber nur, wenn die Gemeinde Tarmstedt ihre Kindergartensituation neu überdenkt und gestaltet.

Eine andere große Herausforderung für die Samtgemeinde ist die Digitalisierung der Schulen.

Stimmt. Die Samtgemeinde bekommt aus dem Digitalpakt-Förderpaket voraussichtlich 660 000 Euro für ihre drei Schulen. Das ist viel Geld. Langfristig sehe ich aber trotz dieses einmaligen Zuschusses eine finanzielle Herausforderung auf die Samtgemeinde zukommen, weil die beschaffte Technik unterhalten und gewartet werden muss. Das heißt, wir brauchen dafür zusätzliches Personal.

Ein Novum zeichnet sich in der Geschichte der Samtgemeinde ab. Statt nur die Fahrzeuge und Ausstattung der Feuerwehren in den Mitgliedsgemeinden zu bezahlen, will sie nun auch für den Bau oder die Erweiterung der Feuerwehrhäuser aufkommen.

Ich finde es richtig, dass die Samtgemeinde beabsichtigt, hier zukünftig ihrer Verantwortung noch besser nachzukommen, denn sie ist grundsätzlich für den gesamten Brandschutz zuständig. Die Gemeinden sind ja heute schon mit der Finanzierung der Kindergärten bis an ihre Grenzen ausgelastet. Es ist zwar nicht auszuschließen, dass durch die Kostenübernahme bei den Feuerwehrgebäuden langfristig die Samtgemeindeumlage erhöht werden muss, aber letztlich ist es dann für alle acht Gemeinden ein gerechteres Verfahren. Ich weiß, was die freiwilligen Feuerwehren für unsere Bürger leisten, dafür bin ich ihnen sehr dankbar.

Welcher Verantwortung kommt die Samtgemeinde in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz nach?

Wir haben eine hohe Dichte an alternativen Formen der Energiegewinnung, unter anderem viele Biogasanlagen, Photovoltaikanlagen und einen großen Windpark. Die Samtgemeinde hat die Genehmigungsverfahren für diese Entwicklung positiv unterstützt, darin sehe ich eine nachhaltige Politik. Bei den Gebäuden, vor allem in den Schulen, achten wir auf eine nachhaltige Planung, zum Beispiel bei der Energieeinsparung. Zudem unterstützt die Samtgemeinde verschiedene Formen und Entwicklungen des Carsharings und mit Ladestationen die Elektromobilität.

Sie waren früher ein erbitterter Gegner des Wilstedter Windparks.

Seit der Betreiber die Geräuschbelästigung der Anlagen dank einer Nachrüstung an den Propellern im Jahre 2017 erheblich reduziert hat, habe ich letztlich die Anlagen mit den immer noch bestehenden Nachteilen akzeptiert.

2021 sind Kommunalwahlen, wollen Sie wieder kandidieren?

Nein. Ich hoffe sehr, dass die Parteien und politischen Gruppierungen in der Samtgemeinde 2020 neue Ideen entwickeln, Menschen für die politische Arbeit zu motivieren und so ausreichend Bürgerinnen und Bürger zu finden, die sich im Samtgemeinderat engagieren wollen. Die politische Zusammenarbeit macht ja auch Spaß, man kann Dinge voranbringen und gestalten. Außerdem kooperieren die Fraktionen im Samtgemeinderat ausgesprochen gut, und über den Großteil der Themen wurde bislang immer einvernehmlich abgestimmt.

Auch Samtgemeindebürgermeister Frank Holle will aufhören.

Ja. Ich bedaure das zwar, bin aber voller Hoffnung, dass die Parteien qualifizierte Kandidaten und Kandidatinnen für die Nachfolge finden, die der Aufgabe dann auch gewachsen sind.

Die Fragen stellte Irene Niehaus.

Info

Zur Person

Rolf Struckmeyer

ist der stellvertretende Bürgermeister der Samtgemeinde Tarmstedt und Ratsvorsitzender. Der 69-Jährige gehört der Wählergruppe „Natürlich Samtgemeinde Tarmstedt“ an, die zusammen mit der CDU und der FDP im Samtgemeinderat eine Fraktion bilden. Bis 2014 leitete er die Grundschule in Tarmstedt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+