Lob vom Wilstedter Gemeinderat Neue Biogasanlage bekommt nur Gülle

Keine zusätzlichen Flächen für den Maisanbau benötigt eine neue Biogasanlage, die in Wilstedt geplant ist. Sie soll nur mit Gülle der eigenen Kühe gefüttert werden.
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Von Johannes Heeg

Wilstedt. Seit Jahren steht am Ortsausgang von Wilstedt in Richtung Buchholz eine Biogasanlage. Nun soll am anderen Ende des Dorfes in Richtung Tarmstedt eine weitere Anlage gebaut werden, die Strom und Wärme erzeugt. Klaus und Claas Schnackenberg haben das vor, Vater und Sohn, beide Landwirte und Chefs der Freesenhoff KG, die nach dem alten Namen des Hofs benannt ist, der seit dem 17. Jahrhundert in Familienbesitz ist.

Anders als die bestehende Biogasanlage, zu deren Betreibern ein anderer Wilstedter Landwirt gehört, soll die neue nicht mit Mais und Rüben gefüttert werden, sondern ausschließlich mit der Gülle und dem Mist, die die 300 Milchkühe des Freesenhoffs erzeugen. „Wir können damit die Auflagen erfüllen, die in Sachen Lagerung an uns gestellt werden“, so Claas Schnackenberg auf Anfrage. Das, was nach der Vergärung herauskommt, der sogenannte Gärrest, werde als Dünger auf Felder und Wiesen aufgebracht, sei aber „schneller pflanzenverfügbar als die reine Gülle“.

Wie viel die Familie Schnackenberg investieren will, sagt sie nicht. Die Anlage werde eine Leistung von 75 Kilowatt haben. Der durch die Verbrennung des Biogases in einem Motor erzeugte Strom werde ins Netz eingespeist, während die Abwärme zur Beheizung des benachbarten eigenen Wohnhauses genutzt werden soll. „Für ein weiteres Haus würde das auch noch reichen“, so Claas Schnackenberg, dessen Bruder Thees ebenfalls im Betrieb arbeitet. Zu dem Projekt gehöre noch ein Gärrestbehälter gut eineinhalb Kilometer vom Hof entfernt am Ende der Flakstraße. Dort werde ein bestehendes Güllesilo umgewidmet.

"Der Bauantrag ist eingereicht", so Claas Schnackenberg. Wenn es gut laufe, könne im Frühjahr 2021 Baubeginn sein. Betreiber der Biogasanlage werde die FH Energie GmbH & Co. KG sein, eine 100-prozentige Tochter der Freesenhoff KG. Aus Sicht der Gemeinde Wilstedt spricht nichts gegen das Vorhaben, das wurde in der jüngsten Ratssitzung deutlich. Da nur die eigene Gülle verwertet werden solle, würden keine zusätzlichen Flächen für den Maisanbau in Anspruch genommen, lobte die Ratsfrau Hanna Schulz. Ratsherr Günther Nase erklärte, dass die neue Anlage wesentlich kleiner sei als die bestehende Biogasanlage, die am Standort schon eine Leistung von 750 Kilowatt habe und zudem zwei Satelliten-Blockheizkraftwerke in Wilstedt mit Gas versorge.

Die Biogasanlage an der Buchholzer Straße in Wilstedt wird von der Nawaro Biogas WBO GmbH & Co. KG betrieben, zu der auch Standorte in Ostereistedt und Breddorf gehören. Sie wurden erst vor wenigen Jahren modernisiert und an die Erfordernisse der Energiewende angepasst. Größere Blockheizkraftwerke haben kleinere ersetzt. Sie sollen nicht mehr wie früher 24 Stunden ununterbrochen laufen, sondern nur noch, wenn der Strom tatsächlich benötigt wird. Die erzeugte Wärme wird in großen Speichern zwischengelagert und kann ebenfalls nach Bedarf abgerufen werden. Jeweils mehr als eine Million Euro hat die Nawaro Biogas WBO in ihre drei Anlagen investiert. „Wir wollen unsere Stromproduktion flexibler machen“, hatte Betriebsleiter Heiko Gerken 2017 der Redaktion gesagt. Die Stromerzeugung solle nur noch auf Anforderung durch den Netzbetreiber laufen, um kurzfristig Schwankungen anderer erneuerbarer Energieträger wie Photovoltaik und Wind auszugleichen.

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