Kommentar zum Wilstedter Freibad

Die Menschen mitnehmen, nicht vor den Kopf stoßen

Warum holt die Verwaltungsspitze der Samtgemeinde Tarmstdt nicht die Fördervereine ins Boot, wenn sich gravierende Personalprobleme in den Freibädern auftun? Johannes Heeg kommentiert.
05.05.2021, 20:00
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Von Johannes Heeg
Die Menschen mitnehmen, nicht vor den Kopf stoßen

Die Hoffnung ist groß, dass die Freibäder in absehbarer Zeit öffnen können. Auch in Wilstedt hofft man (Symbolfoto).

Roland Weihrauch/dpa

Warum macht er das? Warum haut Frank Holle vorschnell eine Info raus, die man so verstehen kann, als würde das Wilstedter Freibad in dieser Saison geschlossen bleiben? Das war ungeschickt, denn damit hat der Verwaltungschef der Samtgemeinde Tarmstedt für jede Menge Empörung, Ärger und Frust in Wilstedt gesorgt. Ein seltsames Vorgehen für einen Mann, der schon 15 Jahre im Amt ist und sich doch einiges auf seine Erfahrung zugute hält.

Eine Badleiterin hat schon gekündigt, ein Badleiter geht Ende Juli und ein dritter, sehr erfahrener Mitarbeiter fällt wegen Krankheit aus - für diesen plötzlich eingetretenen Personalmangel kann Holle nichts. Für solche Krisensituationen gibt es in der Samtgemeinde aber ein Gremium, den Arbeitskreis Freibäder, dem unter anderem Vertreter der drei Freibad-Fördervereine Wilstedt, Hepstedt und Kirchtimke angehören. Diese Runde, der übereinstimmend eine sehr konstruktive Arbeit bescheinigt wird, wäre doch der richtige Ort gewesen, um das Problem in Ruhe und sachlich zu erörtern.

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Stattdessen erfahren die ehrenamtlichen Schwimmbadkümmerer aus der Zeitung von einem Vorschlag der Verwaltung, wonach eine für Wilstedt vorgesehene Fachkraft in Hepstedt eingesetzt werden soll. Das ist kein guter Stil, verstößt Holle doch damit gegen alle Regeln zeitgemäßer Partizipation. Die Menschen mitnehmen heißt eben, sie nicht vor den Kopf zu stoßen.

Die Politik, beeindruckt von der Mobilisierungswelle in Wilstedt, hat schnell reagiert und am Dienstag, am Tag der Protestkundgebung mit 75 Menschen vor dem Rathaus, genau das beschlossen, was die Fördervereine anmahnen: schnelle Stellenausschreibung, ernsthaftes Bemühen um Kooperation mit Nachbarbädern sowie ausdrücklich die Einbeziehung aller Beteiligten, um deren Kompetenz und Erfahrung für das weitere Vorgehen zu nutzen.

Warum nicht gleich so? Die Freibäder sind den Menschen wichtig, sie sind Orte der Begegnung, die sich nicht nehmen lassen wollen. Das hat sich zuletzt in Kirchtimke gezeigt, wo Schließungspläne fürs Timkebad zu einer unglaublichen Mobilisierung der Dorfgemeinschaft geführt haben.

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