Mit dem neuen Windpark geht es voran Wilstedt-Süd soll 2022 Strom liefern

Der neue Windpark Wilstedt-Süd soll ab 2022 Strom liefern, so der Projektentwickler WPD, der jetzt für das Vorhaben den Zuschlag der Bundesnetzagentur bekommen hat.
20.11.2020, 16:48
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Johannes Heeg

Wilstedt. Nach der Genehmigung des Windparks Wilstedt-Süd durch den Landkreis Rotenburg hat der Bremer Projektentwickler WPD nun auch die nächste Hürde in dem umfangreichen Verfahren geschafft: Das Unternehmen hat bei der Ausschreibung der Bundesnetzagentur den Zuschlag bekommen und kann damit das Projekt weiter vorantreiben. Nur die Bewerber, die mit den niedrigsten Einspeisevergütungen kalkulieren, bekommen den Zuschlag. Nun komme es darauf an, wie sich die Lieferzeiten beim Windradhersteller Nordex darstellen, so Jens Feldmann, bei WPD zuständig für PR und Marketing. „Wenn alles optimal läuft, könnten im ersten Quartal 2022 die ersten Kilowattstunden Strom eingespeist werden“, so seine Einschätzung.

Ob es ein Bürgerwindrad geben wird oder auch einen 20-prozentigen Rabatt für alle Strombezieher in Wilstedt und umzu, wie das Projektmanager Markus Birnkraut Anfang 2019 angedeutet hatte, ist derzeit noch offen. Geplant sei „eine umfangreiche Bürgerbeteiligung“, so WPD-Sprecher Feldmann auf Anfrage. Deren Form sei aber noch nicht abschließend festgelegt. Angekündigt hatte Projektmanager Birnkraut Anfang 2019 auch, dass die Wilstedter Bürgerstiftung sehr vom neuen Windpark profitieren werde. 20 000 Euro im Jahr bekommt die Stiftung vom Betreiber aus den Erträgen des alten Windparks, um damit Aktionen und Projekte im Dorf anzuschieben und zu unterstützen. Aus dem Windpark Wilstedt-Süd werde voraussichtlich eine deutlich höhere Summe an die Bürgerstiftung fließen.

Den neuen Wilstedter Windpark bauen will eine Gesellschaft namens „wpd Windpark Nr. 483 GmbH & Co. KG“ mit Sitz in Bremen. Sie hat eine Genehmigung für den Betrieb von sechs Windenergieanlagen vom Typ Nordex N149 mit jeweils 164 Meter Nabenhöhe, 149 Meter Rotordurchmesser und 238,6 Meter Gesamthöhe. Die Rotorblätter werden mit sogenannten „Serrations“ – gezackten Bauteilen aus Glasfaserlaminat – ausgestattet, die die Geräusche reduzieren sollen.

Die Leistung beträgt jeweils 4,5 Megawatt. Für Wilstedt-Süd wird eine jährliche Gesamtproduktion von etwa 95,7 Millionen Kilowattstunden Strom erwartet. Diese Menge decke den jährlichen Strombedarf von rund 24 000 Vierpersonen-Haushalten, so die Prognose von WPD. Gegenüber der konventionellen Stromerzeugung würden durch den neuen Windpark jährlich 64 000 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid vermieden.

Außer für Wilstedt-Süd hat die Bauaufsicht des Landkreises Genehmigungen für die Errichtung und den Betrieb von fünf weiteren Windparks in Alfstedt/Ebersdorf, Oerel und Rotenburg/Wohlsdorf erteilt. Wie die Behörde mitteilt, dürfen auf den dortigen Vorrangflächen demnach insgesamt 32 einzelne Windräder mit einer Gesamtleistung von 162,3 Megawatt aufgestellt werden.

Nach dem Inkrafttreten des Regionalen Raumordnungsprogramms im vergangenen Mai hätten die Antragsteller mit hoher Intensität an der Vervollständigung ihrer sehr umfangreichen Antragsunterlagen gearbeitet, heißt es vom Landkreis. Nach intensiver Prüfung konnten die Mitarbeiter der Bauaufsicht bis Mitte September die ersten Bescheide erteilen. Aktuell liegen dem Landkreis weitere Anträge für sieben Windparks mit insgesamt 30 Windrädern und einer Gesamtleistung von 140,1 Megawatt zur Prüfung vor.

Studie zu Infraschall

Wilstedt. Menschen, die den Bau von Windkraftanlagen verhindern wollen, argumentieren oft mit dem von Windrädern erzeugten Infraschall, der ihrer Gesundheit schade. Windparkbetreiber können nun mit einer jüngst veröffentlichten wissenschaftlichen Studie gegenhalten: Ein weltweit einzigartiges Forschungsprojekt komme zu dem Schluss, dass es keinen Zusammenhang zwischen seismischen Wellen oder Infraschall und Belästigung gebe, heißt es in einer Pressemitteilung des Windkraft-Projektierers WPD.

Für die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte erste Langzeit-Schall-Studie sind, wie berichtet, Anwohner des Windparks Wilstedt und auch der Windenergieanlage Ingersheim befragt worden. "Die geäußerten Symptome konnten dabei nur subjektiv auf den Betrieb von Windanlagen zurückgeführt werden „Die tieffrequenten Schallamplituden, die sich dem Anlagenbetrieb zuordnen ließen, waren äußerst gering“, so Johannes Pohl, Diplom-Psychologe am Institut für Psychologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. „Und auch die gemessenen Bodenschwinggeschwindigkeiten wiesen Amplituden auf, welche um ein Vielfaches unterhalb der Spürbarkeitsgrenze des Menschen liegen. Dies macht es unwahrscheinlich, dass diese Wellenarten Stresseffekte auslösen oder ein Grund für erlebte Belästigungen sein können.“ Laut Pohl könne die Studie zu einer Versachlichung der Diskussion rund um Bodenerschütterungen und den Infraschall beitrage. Gleichwohl seien weitere Forschungen nötig, um einerseits eine noch windparkspezifischere Datenbasis zu schaffen und um andererseits die physikalischen und psychologischen Faktoren, die zu einer Belästigung beitragen können, besser zu verstehen.

Die vollständige Studie mit dem Titel „Objektive Kriterien zu Erschütterungs- und Schallemissionen durch Windenergieanlagen im Binnenland“ (kurz: TremAc) ist im Internet unter der Adresse https://filer.itz.uni-halle.de zu finden. Projektpartner waren das Karlsruher Institut für Technologie, die Universität Stuttgart, die Technische Universität München, die Universität Bielefeld, die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und das Unternehmen Mesh Engineering. Als Anlagenhersteller unterstützte Enercon die Studie, als Betriebsführer des Windparks Wilstedt die wpd windmanager GmbH & Co. KG. „Der Windpark Wilstedt ist das wohl am besten untersuchte Windprojekt Deutschlands“, erklärt Klaus Meier, Geschäftsführender Gesellschafter von wpd windmanager. Mit den Ergebnissen als Grundlage soll das Thema Infraschall nun auf sachlicher Ebene weiter diskutiert werden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+