Neues Projekt in Wilstedt

Blühfelder sollen auch den Bauern helfen

Ein neuer Verein namens Blühfelder hat genau so etwas unter den Wilstedter Windrädern verwirklicht. Aus den bislang 6000 Quadratmetern sollen möglichst mehr werden.
27.07.2021, 10:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Heeg
Blühfelder sollen auch den Bauern helfen

Die Mitglieder von Blühfelder e.V. (von links nach rechts): Cornelius Möhle, Kristin Jagels, Jakob Schnackenberg, Jonas Wahlers, Lea Jagels, Maria Wahlers und Luca Pot d’Or. Tobias Wahlers fehlt auf dem Bild.

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Wilstedt. Am Fuße der Wilstedter Windräder summt und brummt es derzeit mehr denn je. Das ist kein Wunder, denn auf gut 6000 Quadratmetern blühen dort gerade verschiedene  Pflanzen um die Wette – eigens ausgesät für Biene und Co. Was wiederum kein Zufall ist, sondern Absicht und Zweck eines neuen Vereins namens Blühfelder e.V., der just ins Vereinsregister eingetragen wurde.

Ambitionierte Idee

Jonas Wahlers aus Bülstedt ist der Vorsitzende des jüngsten Vereins der Samtgemeinde Tarmstedt, hinter dem eine ambitionierte Idee steckt. Wahlers erklärt: "Wir wollen etwas für Insekten und Artenschutz im Allgemeinen tun, dabei den Dialog zwischen Landwirten und Verbrauchern fördern und gleichzeitig die Bauern unterstützen." Entstanden sei das Projekt aus einem Freundeskreis heraus, sagt der Wilstedter Landwirt Jakob Schnackenberg, Schriftführer im Blühfelder-Verein. "Voriges Jahr haben wir im kleinen Kreis über die Sorgen der Landwirte gesprochen, die mit überfüllten Märkten und geringer Wertschätzung ihrer Produkte zu kämpfen haben." Viele Studien gebe es dazu, "das ist ein weltweites Problem".

Die Blühfelder-Leute, unter ihnen ein Grafikdesigner, ein Eventmanager, eine Ärztin und ein Medienwissenschaftler, sehen sich derzeit in einer Testphase. Schnackenberg ist in Vorleistung gegangen und hat auf einer acht Hektar großen Fläche einen Kartoffelacker mit breiten Blühstreifen eingerahmt. Die Blühmischung habe man so gewählt, dass Bienen und Hummeln von Ende Juni bis September immer Blüten vorfinden, die ihnen Nahrung bieten. Phacelia ist dabei, Buchweizen, Koriander, Ölrettich, Sonnenblumen und andere, elf sind es insgesamt. Das Blütenparadies werde gut angenommen: "Gefühlt auf jeder zweiten Blüte sitzt immer ein Schmetterling oder eine Biene", sagt Schnackenberg, "dort tobt das Leben". 

Paten gesucht

Die Testphase soll aber auch zeigen, ob Blühwiesenprojekte für die Bauern ein echtes wirtschaftliches Standbein werden können. "Es soll kein Zuschussgeschäft sein", betont Schnackenberg. Das Projekt solle sich wirtschaftlich tragen "wie jede andere Ackerkultur auch". Zum Plan gehöre daher, Geldgeber zu finden. Gesucht würden Projektpaten, also Menschen, denen es etwas wert sei, dass die Artenvielfalt gefördert wird. Für einen Euro pro Quadratmeter könnten sich Interessierte engagieren. Die Hälfte davon soll zur Deckung der Anlaufkosten verwendet werden, die andere Hälfte des Erlöses solle direkt den Landwirten zugute kommen. Im Moment ist das nur Jakob Schnackenberg, doch sei das Projekt offen für weitere Berufskollegen in der Region und auch außerhalb. Ab einer Größe von einem halben Hektar, also 5000 Quadratmeter, sollen sich Blühflächen so auch wirtschaftlich lohnen.

Die Macht der Ketten

Eines möchte der Blühfelder-Verein nicht: von Steuergeldern gepäppelt werden. "Wir suchen die direkte Verbindung zur Bevölkerung", sagt Jonas Wahlers, "die Menschen sollen sich aktiv für unser Projekt entscheiden." Denn der Verein wolle mit Interessierten in Kontakt treten. "Die Verbraucher haben häufig keine Vorstellung davon, wie die Preise im Supermarkt zustande kommen", so Schnackenberg, sie wüssten gar nicht, warum Lebensmittel so billig seien. Die Marktmacht der Supermarktketten erläutert er anhand der Jahrhundertdürre 2018: "Unsere Ernteausfälle hat im Supermarkt keiner bemerkt, das Brot ist nicht mal teurer geworden. Vor hundert Jahren hätte die Dürre noch Hunger bedeutet. Heutzutage spielt die hiesige Produktion keine Rolle, dann kaufen die Ketten bedenkenlos woanders ein, ohne Rücksicht auf Ökostandards und Arbeitsbedingungen."

Weitere Infos bei Jonas Wahlers unter 0176/41518888 sowie bei Instagram unter "Blühfelder".

Zur Sache

Kinder legen sich für Bienen ins Zeug

Oerel. Von einer bunt blühenden Wiese profitieren Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Das wissen auch die Kinder der Kita Oerel, die auf ihrem Gelände heimische Wiesenmischungen ausgesät haben. Aktiv wurden sie im Rahmen des Projektes „Ersthelfer für die Vielfalt“ der Nabu-Umweltpyramide Bremervörde. „Aufmerksamkeit für Insekten, Empfinden von Faszination für sie und der Wille, etwas für den Schutz zu tun, dafür wollwn wir hier einen Grundstein legen“, so Nabu-Mitarbeiterin Bettina Schroeder, die das von der Niedersächsischen Umweltstiftung geförderte Projekt umsetzt.

In den beiden ersten Modulen des Projektes werden die Kinder zu „Krabbeltierfreunden“ und „Blumenentdeckern“. Die Vielfalt an Insekten braucht eine Vielfalt an heimischen Blumen, daher bekamen die Kinder im Frühling aus dem Projekt heraus zwei Blühmischungen zum Aussäen. Als erstes haben sie ein Beet im Eingangsbereich neu eingesät, damit sich auch die Eltern daran erfreuen können. Die zweite Blühfläche entstand in einem geschützten Bereich auf dem Gelände, der extra für gemeinsame Aktionen rund um die Natur hergerichtet wurde. Dort hatten die Kleinen viel Arbeit vor sich - Gras abtragen, die Fläche harken und einsäen, alles gut festgetreten, Zaun herum bauen und Trittsteine auslegen.

Nach der Aussaat mussten die Kinder geduldig sein, denn das Aufgehen der Saat dauerte einige Wochen. Doch dann wurden sie mit einer bunten Blühwiese belohnt. Auf den Trittsteinen, die einen Weg durch die Fläche bilden, können sie nun die Blumen und die Blütenbesucher aus nächster Nähe beobachten. Und sie tragen ein Abzeichen, auf dem eine Wiese, eine Blume und eine Biene zu sehen sind.

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