Tjalf Hoyer ist Startschütze in Wilstedt

Sänger mit Langstreckenerfahrung

Der Musiker und Marathonläufer Tjalf Hoyer ist diesen Freitag Startschütze beim 37. Wilstedter Abendlauf. Der 40-Jährige hält viel vom barfuß Laufen.
31.05.2019, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Heeg
Sänger mit Langstreckenerfahrung

Tjalf Hoyer freut sich auf Wilstedt. Der Marathonläufer schickt beim Abendlauf die 5000- und 10 000-Meter-Läufer auf die Strecke.

Johannes Heeg

Wilstedt. Könnte gut sein, dass Tjalf Hoyer an diesem Abend barfuß in Wilstedt aufläuft. Vom barfuß Laufen hält der 40-jährige Bremer, der als Startschütze beim 37. Wilstedter Abendlauf die 5000- und 10 000-Meter-Läufer auf die Strecke schicken wird, nämlich eine ganze Menge. Dass er zu diesem Zweck spezielle Schuhe trägt, klingt erst mal merkwürdig, doch der gebürtige Vegesacker, Sänger und Frontmann der Band Afterburner kann das erklären.

Hoyer arbeitet als studierter Kulturwissenschaftler an der Akademisierung von Gesundheitsberufen sowie der Erforschung von Gesundheitskulturen. Als selbstständiger Bildungsmanager bewege er sich „an einer Schnittstelle zur ganzheitlichen Medizin“. In der Freizeit läuft er. Gewöhnlich macht er mehrere Geländeläufe im Jahr und einen Marathon, dieses Jahr aus zeitlichen Gründen allerdings nicht. In der Nähe von Bruchhausen-Vilsen baut er derzeit einen Resthof um, zusammen mit seinem Bruder.

Während er dabei festes Schuhwerk trägt, bevorzugt Hoyer ansonsten Barfußschuhe. Damit komme er im Alltag und auch beim Sport dem schuhlosen Gehen am nächsten. Was wichtig sei, dem Bewegungsapparat zu Liebe. „Laufen ist unsere Natur“, sagt er, doch sehe er den Schuh – vor allem, wenn er einen Absatz hat – als zivilisatorische Errungenschaft „auch mit einem kritischen Blick“. Denn: Würden die Zehen zu sehr eingeklemmt, störe das den natürlichen Bewegungsablauf, was wiederum zu Problemen in Knien und Rücken führen könne. Das gelte für Stöckelschuhe ebenso wie für Laufschuhe: Falsche Schuhe verhinderten geradezu, dass Sportler an ihrer Lauftechnik arbeiten. Hoyers Empfehlung: „Wir sollten uns mehr mit unseren Füßen befassen.“ Das Thema ist ihm wichtig, doch möchte er keinesfalls als dogmatisch oder oberlehrerhaft rüberkommen. Tut er absolut nicht, dennoch betont er: „Das ist meine persönliche Sicht der Dinge.“

Den Wilstedter Abendlauf kennt Tjalf Hoyer bisher nur vom Hörensagen. Das wird sich ja nun ändern, und darauf freut er sich schon. Obwohl er am Sonnabend früh aus den Federn muss, weil er an einem 16-Kilometer-Geländelauf mit Hindernissen in Nordrhein-Westfalen teilnimmt, will er das Laufereignis in Wilstedt voll auskosten und auch das für 23 Uhr angesetzte Feuerwerk noch miterleben. 2500 Läuferinnen und Läufer haben sich bislang angemeldet, heißt es vom MTV Wilstedt. Mehr als 1000 Kurzentschlossene kämen sicher noch dazu, berichten die Organisatoren aus Erfahrung. Mit dabei sein werde der Bremer Extrem-Läufer Emin da Silva, der im vorigen Jahr Startschütze in Wilstedt war. „Er wird die zehn Kilometer rückwärts laufen“, so Lauftreffleiter Stephan Kück-Lüers. Emin da Silva trainiere nämlich für den New-York-Marathon, den er ebenfalls komplett rückwärts laufen wolle. Gefreut hat sich Kück-Lüers auch darüber, dass am Mittwoch endlich die Genehmigung für den Abendlauf eingetrudelt ist. „Die haben wir im März beim Landkreis beantragt“, sagt er mit leichtem Stirnrunzeln.

Seinen ersten Hindernislauf hat Tjalf Hoyer 2015 in der Lüneburger Heide absolviert. Und sich hinterher gewundert, „wie ich als gut trainierter Läufer an meine Grenzen gestoßen bin“. Denn der moderne Mensch verliere viele seiner Fähigkeiten, wenn er sich zu wenig oder einseitig bewege. „Heben, stemmen, klettern und hangeln sind Sachen, die die meisten nicht mehr beherrschen. Das habe ich damals am eigenen Leib gemerkt. Zwei Minuten an der Eisenstange hängen, das können nur noch Kinder“, sagt Hoyer.

Er selbst versuche daher, sein Training möglichst vielseitig zu gestalten. Auch, indem er Rennrad fahre, schwimme und in die Kletterhalle gehe. Seine sportlichen Herausforderungen gehe er entspannt an: „Ich bin noch nie auf Zeit gelaufen“, sagt Hoyer. Die mentale Erholung beim Laufen, das sei für ihn das Wichtigste. „Die Bewegung tut wahnsinnig gut, vor allem im Kopf“, meint er. So habe er auch 2011 in Berlin seinen ersten Marathon gut weggesteckt. Auch später habe er nach einem Marathon „noch nie Muskelkater gehabt“.

Weil er jetzt mit seinen 40 Jahren wesentlich fitter sei als mit 20, seien auch die zehn bis zwölf Konzerte jährlich mit seiner Band kein Problem. Sein Job sei es dabei, „zwei Stunden auf der Bühne herum zu rennen und dabei zu singen“, das gehöre zur Show. Seinen „Tanz“ verstehe das Publikum als Aufforderung, es ihm gleich zu tun. Die Botschaft: „Ich mache mich zum Affen, und das dürft ihr auch. Bewegt euch, ich mache es vor.“

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Zur Sache

Straßen wegen Abendlauf gesperrt

An diesem Freitagabend diktiert der Sport das Geschehen in Wilstedt: Der Volkslauf „Wilstedt bei Nacht“ wird sich auch auf den Verkehr auswirken. Denn von 20 bis 22.30 Uhr sind die Kreisstraßen für den Durchgangsverkehr gesperrt, um einen reibungslosen Ablauf der einzelnen Wettbewerbe zu gewährleisten. Die ersten Läufer gehen um 20.15 Uhr auf die Strecke, der 10-Kilometer-Hauptlauf wird um 21.15 Uhr gestartet, so Heiko Lundt vom Orga-Team.

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