Gossenreinigung ist in Wilstedt Bürgerpflicht

Gemeinde will selber kehren

Die Reinigung der Gossen ist in Wilstedt Bürgerpflicht. Um die Hausbesitzer zu entlasten, hat Bürgermeister Riedesel den Kauf einer Kehrmaschine vorgeschlagen. Diese soll 60 000 Euro kosten.
29.09.2020, 19:44
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Heeg

Wilstedt. Das Reinigen der Gehwege, aber auch der Gosse, gehört in Wilstedt zu den Pflichten der Hausbesitzer. Weil wegen des starken Verkehrs auf den Kreisstraßen, die Wilstedt durchziehen, insbesondere das Sauberhalten der Rinnsteine nicht ganz ungefährlich ist, will die Gemeinde maschinell aufrüsten. 60 000 Euro soll die neue Kehrmaschine kosten, für deren Kauf sich Bürgermeister Traugott Riedesel in der jüngsten Ratssitzung stark machte.

Viele Anlieger könnten diese Arbeit kaum noch leisten, was deren Alter, aber auch dem starken Verkehr geschuldet sei. „Manche stellen zur Verkehrsberuhigung extra ihre Autos auf die Straße, um sich zu schützen“, hat Riedesel beobachtet. Der Gemeindearbeiter Jochen Becker habe daher schon mal einige der in Frage kommenden Maschinen getestet und für eine von ihnen eine klare Empfehlung ausgesprochen. Das Modell sei auch für die Reinigung von Plätzen und Gehwegen geeignet und, ganz wichtig, es könne von einer einzigen Person bedient werden. „Nichts ist so teuer wie menschliche Arbeitskraft“, so Riedesel, der seine Ratskollegen ein wenig zur Zustimmung drängen wollte, wie es schien.

Es sei notwendig, die Bürger zu entlasten, auch was das Einsammeln und die Entsorgung von Laub angehe. Daher solle die Maschine möglichst noch in diesem Herbst bestellt werden, zumal die Gemeinde im Moment noch von guten Konditionen profitieren könne. „Die Zeit drängt. Wir haben das Geld, wir haben den Platz, und die Qualität der Maschine stimmt“, warb Riedesel um eine schnelle Entscheidung.

Kooperation angeregt

Uneingeschränkte Zustimmung für das Vorhaben gab es vom Ratsherrn Gerd Heins: „Ich bin für die Anschaffung. Seit 40 Jahren mache ich die Gosse sauber.“ Seine Ratskollegen bremsten Riedesel allerdings ein wenig. Rolf Struckmeyer sah sich außerstande, der Anschaffung zuzustimmen, ohne sich vorher eingehend mit dem Thema befasst zu haben. Er regte auch an zu prüfen, ob Wilstedt bei der Nutzung des Geräts mit anderen Gemeinden kooperieren könnte. So könnte die Auslastung erhöht und die Kosten könnten gesenkt werden. Stephan Kück-Lüers warnte vor einem „Schnellschuss“, schließlich lägen dem Rat keine Informationen zu den Unterhaltungskosten einer solchen Maschine vor. Auch fragte er, ob eine solche Anschaffung ohne Ausschreibung überhaupt erlaubt sei. Auch André Kück sah noch Informationsbedarf und regte eine Ratsentscheidung im Umlaufverfahren an, sobald Riedesel geliefert habe. Für diesen Weg votierte der Rat schließlich auch.

Zuvor hatte Riedesel noch berichtet, dass die Gemeinde Tarmstedt eine Zusammenarbeit mit Wilstedt bei diesem Thema ablehne. Die Tarmstedter ließen die Gossen an der Landesstraße vier Mal im Jahr von einer Firma reinigen, was 4000 Euro jährlich koste. Riedesel bezweifelte allerdings, dass vier feste Reinigungstermine ausreichend seien. Im Herbst könne der Einsatz der Maschinen alle zwei Wochen erforderlich sein, da müsse man flexibel sein. Auch könnten Kooperationen mit anderen Gemeinden zu Problemen führen, wenn Schäden am Gerät entstehen.

Baumbestand im Auge behalten

Um das grüne Dorfbild langfristig zu erhalten, soll der Dorfentwicklungsausschuss den Baumbestand kontinuierlich im Auge behalten, regte Riedesel an. Er reagierte damit auf einen Antrag aus der Schulstraße, wo sich Anwohner wegen des Laubs für die Fällung etlicher Birken ausgesprochen hatten – was im Gemeinderat auf wenig Gegenliebe stieß. „Das sind 14 stattliche Birken“, so Rolf Struckmeyer. Sie fielen zwar nicht unter die Baumschutzsatzung, seien aber dennoch erhaltenswert. „Bäume machen nun mal Dreck, aber jeder Baum ist wichtig“, betonte er. „Wenn wir der Argumentation der Anwohner folgen würden, müssten wir viele Bäume in Wilstedt fällen“, sagte Günther Nase. Laubbäume erforderten nun mal Pflege. Für diesen Fall schlug er vor, dass die Gemeinde einen Baumsachverständigen hinzuziehen soll. „Wenn der Bedarf sieht, müssen wir handeln.“

Umschauen soll sich der Baumexperte auch im Bereich Schlehenweg, wo der jüngste Sturm einige Pappeln umgeworfen hatte. Der Baumstreifen sei älter als das Baugebiet und solle unbedingt erhalten werden, da war man sich im Rat einig. Doch sei die Lebenserwartung von Pappeln vergleichsweise kurz, sodass sie wohl durch andere Bäume ersetzt werden.

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