Angebot für junge Familien

Unterstützung für junge Eltern

Junge Familien erhalten Unterstützung im Landkreis Rotenburg. Jeden Montag trifft sich zum Beispiel eine Krabbelgruppe im ehemaligen Wilstedter Kindergarten, organisiert vom DRK-Kreisverband.
20.05.2019, 16:59
Lesedauer: 3 Min
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Von Sabine von der Decken
Unterstützung für junge Eltern

Als Arbeit gegen Vernachlässigung bezeichnet Bianca Sonneborn das Angebot der offenen Krabbelgruppen.

Sabine von der Decken

Wilstedt. 2018 hat der Landkreis Rotenburg die flächendeckende Versorgung mit Unterstützungsangeboten für junge Familien eingeführt. Auf Grundlage des 2011 novellierten Bundeskinderschutzgesetzes kümmert sich der DRK-Kreisverband Bremervörde um die Umsetzung für den Bereich Tarmstedt, Sittensen, Selsingen und Zeven.

In Wilstedt beispielsweise kommt regelmäßig eine Krabbelgruppe zusammen. „Es geht nicht darum, das Rad neu zu erfinden“, macht Bianca Sonneborn, Hebamme im DRK-Familienzentrum Zeven, deutlich. Vergleichbare Angebote habe es bis dato in Wilstedt noch nicht gegeben. Für die Umsetzung begab sich das DRK auf die Suche nach Kooperationspartnern und wurde in Wilstedt bei der evangelischen Kirchengemeinde fündig. Diese stellt die Räumlichkeiten, die Fachkräfte kommen vom DRK. Seitdem hat in den Räumen des ehemaligen Kindergartens jeden Montag von 15.30 bis 17 Uhr eine offene kostenfreie Krabbelgruppe ihren Platz. Das Angebot richtet sich an Familien mit Kindern im Alter bis zu drei Jahren. Mit dabei sind Fachkräfte der Frühen Hilfen, Familienkinderkrankenschwester oder Familienhebamme.

Am Bedarf orientiertes Angebot

Großer Vorteil bei diesem niedrigschwelligen Angebot sei, so Bianca Sonneborn, die Nähe zwischen Krabbelgruppen, die auch in Tarmstedt, Selsingen, Sittensen und Zeven ins Leben gerufen wurden, und der Koordinierungsstelle für Familienhebammen und Familienkinderkrankenschwestern. Sie erleichtere die Kontaktaufnahme zu jungen Familien und ermögliche die Vermittlung besonderer Angebote und Beratungsangebote.

In Zeven startete das DRK mit einer einzigen Krabbelgruppe, daraus wurde schnell mehr. „Es war total erfolgreich“, sagt sich Bianca Sonneborn. Die Hebamme und ihr Team aus Fachkräften und ehrenamtlichen Helfern orientiere sich mit ihrem Angebot am Bedarf. In Tarmstedt entwickelte sich neben der offenen Krabbelgruppe in Zusammenarbeit mit der Bücherei „das Bücherwürmchen“, eine alle 14 Tage stattfindende Lesegruppe. In Wilstedt treffen sich Mitarbeiter und junge Eltern regelmäßig nicht nur in der Krabbelgruppe, sondern auch zum gemeinsamen Frühstücken und Abendbrotessen.

Das Angebot der offenen Krabbelgruppen entspreche dem Austausch, wie er früher auf Dorfplätzen und in Mehr-Generationen-Familienverbänden an der Tagesordnung war. Denn das Problem sei, dass Eltern heutzutage keine Vorbilder mehr hätten, sagt Bianca Sonneborn. Grund dafür sei die Lockerung des Familienverbands. Ohne Unterstützung könne es zur Überforderung kommen. Mithilfe der offenen Krabbelgruppen, in denen das freie Spiel und Gespräche zwischen den Eltern im Vordergrund stehen, fange das DRK die Problematik auf und gebe jungen Familien Hilfestellung.

Politik der kleinen Schritte

„Wir versuchen mit unterschiedlichsten Angeboten Dorfmittelpunkt zu sein“, sagt die Familienhebamme, die in ihrem Auto immer ihre Hebammentasche dabei hat. Denn während der allwöchentlichen Treffen kommen Fragen über das richtige Gewicht des Kindes ebenso zur Sprache wie die Beantwortung von ganz alltäglichen Fragen, die jungen Eltern täglich unter den Nägeln brennen. „Das ist Prävention“, stellt Sonneborn fest. Auf Nachfrage öffnen Sonneborn und ihre Helfer den während jedes Treffens auf dem Tisch liegenden Ordner mit Infomaterialien zu Kinderkrankheiten, Ernährung und Wohnen. Denn erklärte Absicht ist es, „freundliche Distanz zu wahren und sich nicht aufzudrängen“. Damit fahre man gut. Zusätzlich veranstaltet das DRK regelmäßig Beikostworkshops, Pekip- und Delfikurse, Bastelangebote und Erste Hilfe am Kind.

Schön und gemütlich sollen die regelmäßig angebotenen Familienfrühstücke und -abendbrote sein, sagt Bianca Sonneborn, die seit 35 Jahren als Hebamme und seit 13 Jahren als Familienhebamme tätig ist. Bei dieser Art der Prävention stehe die gesunde Ernährung im Vordergrund. Jedes Mal wird ein Teil der Mahlzeit selber zubereitet, so dass die jungen Eltern im Anschluss das Rezept mit nach Hause nehmen können. „Wir verfolgen die Politik der kleinen Schritte“, sagt Bianca Sonneborn. Wichtig sei eine gute Bindung zum Kind. Sonneborn versteht ihre Arbeit als eine Arbeit gegen die Vernachlässigung.

Für Fragen ist Bianca Sonneborn im DRK-Mehrgenerationenhaus Zeven unter der Telefonnummer 04281/7 17 17 10 sowie per E-Mail an b.sonneborn@drk-bremervoerde.de zu erreichen.

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