Generalüberholung Wilstedter Orgel wird wochenlang saniert

Die Wilstedter Kirchenorgel wird generalüberholt. Dahinter steckt wochenlange Arbeit. Fragt man die Experten, dann war ihr Einsatz überfällig.
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Von Carmen Jaspersen (Fotos) und Johannes Heeg (Text)

Die beiden Männer knien sich förmlich hinein in ihre Arbeit. Und das gleich in zweifacher Hinsicht: Erstens lieben die Orgelbauer ihren Beruf, was man sofort spürt, wenn man mit ihnen spricht, und zweitens weist ihr Arbeitsplatz auf der oberen Empore der Wilstedter Kirche doch einige schwer zugängliche Stellen auf. Ihr Job: Sie sollen die 1953 eingebaute Orgel der Göttinger Firma Paul Ott gründlich überholen, damit sie wieder ihre ursprüngliche Klangfülle erreicht. Davon war sie zuletzt weit entfernt, wie der Organist Hans-Werner Behrens sagt, denn manche Tasten klemmten, und die Orgel war verstimmt.

Damit sie bei ihrer zum Teil fitzeligen Arbeit beide Hände frei haben, tragen Orgelbaumeister Heiko Lorenz und sein Kollege Karl Friedrich Wieneke meistens Stirnleuchten. Schwer beizukommen war zum Beispiel den Pulpeten, wie die Fachleute die in der Orgel verbauten Dichtungselemente nennen. Die waren verschlissen und mussten alle raus, was bei der Wilstedter Orgel bauartbedingt „sehr schwierig“ war. Zudem wurden Ventilbeläge gewechselt, Hunderte von Gelenken mussten gangbar gemacht werden, viele Dutzend korrodierte Messingstifte wurden durch Edelstahlkonstruktionen ersetzt. Um dieses „Wunderwerk der Mechanik“ am Laufen zu halten, dürfe keinesfalls Öl zum Schmieren verwendet werde. „Das verharzt irgendwann“, sagt Lorenz, der daher ausschließlich Graphit oder Teflon verwendet.

Auf die Wilstedter Orgel lässt Lorenz nichts kommen, die sei „gut gebaut für die damalige Zeit“. Sie werde bei guter Pflege noch lange halten. Doch müssten eben von Zeit zu Zeit Staub, tote Tiere, wie Nachtfalter, Spinnen oder Fliegen, sowie Schimmel entfernt werden. Hauptproblem sei der Staub, der hauptsächlich durch Kleiderabrieb entstehe. Er verstimme die Pfeifen, die dann „tiefer und schlechter klingen“. Also nehme er jede der fast 1400 Pfeifen in die Hand, reinige und stimme sie. Schimmel habe er auch an einigen Stellen gefunden. Doch der sei eingetrocknet gewesen, was für ein gutes Lüftungsmanagement spreche. Um das Schimmelrisiko noch weiter herabzusetzen, will Lorenz kleine PC-Lüfter einbauen. Sie sollen den Luftaustausch noch um einen Tick verbessern. Beim Orgelgebläse will Lorenz den Schallschutz verbessern: „Das ist bis jetzt zu laut gewesen.“ Zu hoch, ja „unerträglich hoch“ eingerichtet gewesen sei bislang das Zimbel-Register. Die 24 winzigen Pfeifen, gerade mal zehn Millimeter groß und für die höchsten Töne zuständig, werden eine Oktave tiefer eingerichtet. Sie sind die einzigen, die ersetzt werden.

Noch sind die Orgelbauer nicht ganz ganz fertig mit ihrer Arbeit. Über Weihnachten sei die Orgel aber benutzbar, wenngleich nicht in allen Registern. Der Orgelbaumeister erklärt: „Ein Register steht jeweils für ein Instrument, beispielsweise Flöte, Posaune oder Trompete.“ Im neuen Jahr steht dann noch reichlich Feinarbeit an.

Jede einzelne Pfeife wird intoniert, „das heißt, wir richten die Klangfarbe ein“, so Lorenz. Dafür veranschlagt er gute drei Wochen. Danach werden die Orgelpfeifen noch gestimmt, was zwei Tage dauern soll. „Wenn ich das richtig mache, können Sie mit der Orgel Klänge erzeugen, die berühren, die zu Herzen gehen, die Gänsehaut erzeugen“, kommt der Experte ins Schwärmen.

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