Großer Gottesdienst am Stuhrer Rathaus

Gemeinsame Sache

Unter dem Motto „Christlich sind wir Stuhr“ laden alle christlichen Kirchengemeinden der Kommune zu einem gemeinsamen Gottesdienst ein. Die Vorbereitungen dafür laufen schon seit 2014.
14.08.2017, 15:39
Lesedauer: 2 Min
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Gemeinsame Sache
Von Oliver Matiszick

Den Gottesdienst an Heiligabend 2016 begann Robert Vetter mal anders. Als er vor die Menschen trat, die sich in der Stuhrer St.-Pankratius-Kirche auf den Bänken und zusätzlich herbeigeschafften Klappstühlen drängten, fischte er sein Smartphone aus der Tasche – und bat um die Erlaubnis, ein paar Fotos von der versammelten Menge schießen zu dürfen. „Eine volle Kirche, das sieht man als Pastor ja auch nicht so oft“, begründete Vetter den Wunsch nach einem Bild zur Erinnerung.

Die Schnappschüsse von seiner perplexen Gemeinde hat Vetter immer noch auf dem Laptop in seinem Büro gespeichert. Und er hofft, dass in diesen Augusttagen 2017 noch ein paar hinzukommen. Mit nochmals deutlich mehr Menschen darauf, die sich zum Gottesdienst versammelt haben.

Schließlich ist es ein besonderes Jahr für die evangelische Kirche – der Höhepunkt der Lutherdekade, die 2008 ausgerufen wurde und nun auf das 500. Reformationsjubiläum am 31. Oktober hinführt. Und daran wollen sie in Stuhr erinnern: mit einem Gottesdienst, wie es ihn dort noch nicht gegeben hat. Seit 2014 hat Vetter federführend an dem Projekt gearbeitet, für das Eike Fröhlich, seine Amtskollegin aus dem Ortsteil Varrel, schließlich den Titel fand: „Christlich sind wir Stuhr“.

Und so wird es am Sonntag, 20. August, auf dem Gelände rund um das Rathaus Stuhr (Blockener Straße 6) dazu kommen, dass alle christlichen Kirchengemeinden in Stuhr, die fünf evangelischen und die beiden katholischen, den Tag über ein Fest feiern, das um 11 Uhr mit einem gemeinsamen Gottesdienst beginnt. Die vier Kurz-Predigten teilen sich die Vertreter beider Kirchen, das Ganze findet unter freiem Himmel statt. Denn die zu erwartende Menschenmenge in einem geschlossenen Raum unterzubringen, sagt Vetter, „das wäre schwierig geworden“.

Wobei die Sache mit dem gemeinsamen Feiern ganz so einfach nicht war. Was den weltlichen Teil, das anschließende große Fest bis in den Nachmittag hinein, zu dem auch die benachbarte Feuerwehr mit einem Tag der offenen Tür beiträgt, angeht – kein Problem. Bei den kirchlichen Aspekten wiederum war Fingerspitzengefühl gefragt. Denn von Katholiken zu erwarten, dass sie Martin Luther, dessen Reformation einst zur Spaltung der Kirche geführt hat, feiern würden: Das wäre dann doch arg zu viel gewesen. „Aus deren Sicht ist es natürlich traurig, dass es damals so gekommen ist“, sagt Vetter. Also wurde nach einer Sprachregelung gesucht, die die Begriffe „Fest“ und „Feier“ umschiffen würde. „Deshalb haben wir uns darauf verständigt, dass es um das Reformationsgedenken geht“, sagt Vetter. Die Gemeinsamkeiten betonen, nicht das Trennende – so soll es sein, so wollen sie es über den Tag hinaus halten.

Doch ob die Reformation nun gefeiert oder ihrer gedacht wird – das, wofür Martin Luther steht, geht für Vetter ohnehin über alle Begrifflichkeiten hinaus. „Er ist derjenige, der mich gelehrt hat, für etwas einzustehen – auch gegen größte Widerstände“, sagt der 51-jährige Pastor. Seit 2004 betreut er die Stuhrer Kirchengemeinde inzwischen, und der Verdacht, dass die Gottesdienste dort seither langweiliger geworden wären, lässt sich nicht nachhaltig erhärten. Was vielleicht auch mit Vetters Luther-Lieblingszitat zu tun haben könnte: „Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz.“

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