Ermittlungen im Fall Wenco-Service Nord in Stuhr Geschäftsführer drohen zehn Jahre Haft

Stuhr-Varrel. . . . Ermittlungen in Wirtschaftsstrafsachen können kompliziert und langwierig sein. So stellt sich die Situation auch im Fall Wenco-Service Nord dar. Die Staatsanwaltschaft Stade will ihre Hausaufgaben bis Ende des Jahres gemacht haben.
24.07.2010, 04:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Hauke Gruhn

Stuhr-Varrel. . . . Ermittlungen in Wirtschaftsstrafsachen können kompliziert und langwierig sein. So stellt sich die Situation auch im Fall Wenco-Service Nord dar. Die Staatsanwaltschaft Stade will ihre Hausaufgaben bis Ende des Jahres gemacht haben. Dann wird gegen den ehemaligen Geschäftsführer von Wenco-Service Nord vermutlich Anklage erhoben. Ihm drohen laut Kai Thomas Breas von der Staatsanwaltschaft bis zu zehn Jahre Haft wegen Insolvenzverschleppung, Untreue in zahlreichen Fällen und Steuerhinterziehung in beträchtlicher Höhe.

Rückblick: Im Juli 2009 wird bekannt, dass die Firma Wenco-Service Nord mit ihrem Standort im Stuhrer Ortsteil Varrel zahlungsunfähig ist und Insolvenz anmelden muss. Gut einen Monat später nimmt die auf Wirtschaftsstrafsachen spezialisierte Staatsanwaltschaft Stade Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und der Untreue gegen den Geschäftsführer, der in Fischerhude wohnt, auf. Mitte Oktober 2009 verkündet Insolvenzverwalter Dirk Oelbermann, dass bis zu 100 Mitarbeiter in Varrel ihren Job verlieren werden. Lediglich die Mitarbeiter im Außendienst können von Wenco-Service West übernommen werden, dem Rest soll der Übergang in eine Transfergesellschaft angeboten werden.

Gleichzeitig erhebt Oelbermann schwere Vorwürfe gegen den Ex-Geschäftsführer: Dieser habe seinen Erkenntnissen nach bis zu zehn Millionen Euro aus der Firma gezogen, ohne dass Gewinne da waren. Oelbermann bezeichnet das als 'systematische Ausplünderung über Jahre'. Im November einigt sich der Insolvenzverwalter mit den Gläubigern von Wenco vor dem Syker Amtsgericht: Sie sollen etwa 25 Prozent ihres Geldes (insgesamt 15 bis 25 Millionen Euro) zurückerhalten.

Transfergesellschaft endet bald

Inzwischen stellt sich die Situation für viele der Varreler Mitarbeiter, die in die Transfergesellschaft gewechselt sind, wieder positiv dar. 'Es sind eine Menge Mitarbeiter vermittelt worden oder sie haben sich selbst etwas anderes gesucht', berichtet Petra Brunk, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende. 'Allerdings wird die Transfergesellschaft wohl demnächst aufgelöst.' Die von Wenco-Service Nord angemieteten Räume seien bereits im Mai übergeben worden. Brunk: 'Da ist jetzt Totentanz.' Auch wenn Wut und Trauer über den Verlust des alten Arbeitsplatzes noch nicht ganz verflogen sind: Über den Ablauf der Transfergesellschaft könnten die Mitarbeiter sich nicht beschweren, so Brunk. 'Jeder hat hier Fortbildungskurse gemacht, es ist alles gelaufen wie geplant. Wir wurden auch gut betreut.'

Konkrete Erfolgszahlen möchte Thomas Maus von der Firma Quotac, die die Transfergesellschaft betreibt, zurzeit noch nicht nennen. Aus seiner Sicht ist die Gesellschaft zwar auf einem guten Weg. 'Aber die Situation kann sich zum Ende hin noch einmal anders darstellen als ursprünglich angedacht.' Die Transfergesellschaft läuft Ende August aus. Eine Verlängerung ist zurzeit nicht angedacht.

Während für die meisten Mitarbeiter wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist, zieht sich die Schlinge um den Hals des früheren Wenco-Geschäftsführers immer enger zu. Laut Insolvenzverwalter Oelbermann hat dieser auf drei Ebenen etwas zu befürchten. 'Die Steuerfahndung ermittelt, die Staatsanwaltschaft auch und es wird eine zivilrechtliche Klage gegen den Geschäftsführer geben.' Sprich: Der Ex-Wenco-Chef soll Schadenersatz in Millionenhöhe leisten.

Laut Staatsanwaltschaft Stade ist der frühere Geschäftsführer bislang von Untersuchungshaft verschont geblieben, weil keine Fluchtgefahr bestehe. Konkret werde wegen Bankrotts, Insolvenzverschleppung, zahlreicher Untreuehandlungen und Steuerhinterziehung in beträchtlicher Höhe gegen den Mann ermittelt, so Sprecher Kai Thomas Breas. 'Wir gehen davon aus, das wir die Ermittlungen bis Ende Dezember abgeschlossen haben.' Dann werde gegebenenfalls Anklage erhoben, so Breas. Der Strafrahmen ist dabei durchaus beträchtlich: Für die Untreue und die Steuerhinterziehung könnten jeweils bis zu zehn Jahre Haft verhängt werden. Auf Insolvenzverschleppung stehen noch einmal bis zu fünf Jahre. Die Staatsanwaltschaft Stade geht laut Breas davon aus, dass es im Falle einer Verurteilung zu einer Gesamtstrafe von bis zu zehn Jahren kommen könne.

Es ist daher davon auszugehen, dass die Verhandlung nicht vor dem Amtsgericht Syke, wo maximal Haftstrafen bis zu vier Jahren ausgesprochen werden dürfen, stattfindet, sondern vor dem Landgericht Verden. Dort werden übrigens aller Voraussicht nach auch die Schadenersatzklagen gegen den Ex-Geschäftsführer verhandelt. Ein Landgerichtssprecher bestätigte gegenüber unserer Zeitung auf Anfrage, dass inzwischen drei Klagen vorliegen, alle von Wenco-Service Nord, vertreten durch Insolvenzverwalter Dirk Oelbermann. Zwei der Klagen hätten einen 'erheblichen Umfang'. Es gebe aber noch keinerlei Reaktion des Beklagten, das Verfahren befinde sich noch im Anfangsstadium.

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