Viele Besucher Varreler Gutsscheune Glühende Saiten beim Bluegrass Jamboree

Beim sechsten Bluegrass Jamboree begeistern drei Bands das Publikum. Rund 400 Besucher wollten sich das nicht entgehen lassen.
08.12.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Bayer-Thiemig

Beim sechsten Bluegrass Jamboree in der Varreler Gutsscheune begeisterten drei Bands das Publikum. Die Sternstunde des Bluegrass Jamboree liegt in der virtuosen Zusammenführung von Blues, Early Jazz, Celtic Folk und Spirituals in der Ur-Blue-grass Band The Bluegrass Boys unter Mandolinist und Bandleader Bill Monroe in den 1940er-Jahren in Kentucky.

Brennen Leigh & Noel McKay, Lindsay Lou & The Flatbellys und Town Mountain – bis auf wenige Fachleute dürfte niemand in Deutschland diese Namen kennen. Seit Freitagabend ist das allerdings in Stuhr und Umgebung anders, denn erneut tourte das Bluegrass Jamboree durch Europa und machte auch wieder in der Varreler Gutsscheune halt. Um es vorweg zu nehmen, mit beeindruckender Virtuosität begeisterten die Musiker das reichlich angereiste Publikum. Es war ein rundum gelungener Abend mit einem stimmungsvollen Duo und zwei tollen Bands.

Verschiedene Elemente

Was ist Bluegrass? Der Bluegrass entstand in den Jahren 1937 bis 1945 in den Bergen von Kentucky und Tennessee. Zu dieser Zeit experimentierte der Mandolinenspieler Bill Monroe mit Old-Time-Fiddle- und Hillbilly-Stücken, angloamerikanischen Balladen, afroamerikanischer Tanzmusik und traditionellem Gospel-Harmoniegesang. Er formte daraus eine von Swing- und Blueselementen angereicherte Form der Country-Musik, also handgemachte Musik auf akustischen Instrumenten.

Die Idee, bunte und oft noch wenig bekannte Facetten der Bluegrass-, Folk-Roots- und Americana Music in einem regelmäßigen, hochkarätigen abendfüllenden Programm darzustellen, ist längst in Varrel angekommen. Es war übrigens der sechste Treck des Bluegrass Jamboree unterwegs, der jetzige Jahrgang steht unter dem Motto: „The Singer And The Song“.

Den Anfang in Varrel machte Sängerin Brennen Leigh, die zusammen mit ihrem Partner Noel McKay die etwa 400 Besucher von den Stühlen riss. Wichtig schien es für beide Musiker zu sein, dass bei aller Ernsthaftigkeit der Humor nicht zu kurz kam. Mit viel Augenzwinkern kam das „Let’s Go To Lubbock On Vacation“ herüber. Begeistert war das Publikum auch beim „Breaking Up Is Easy“. Das in Austin im US-Bundesstaat Texas beheimatete Duo, leitete einen schwungvollen Abend ein.

Zurück in die 1950er-Jahre

Frisch und amüsant, das galt auch für Lindsay Lou & The Flatbellys. Die junge Band aus Michigan, aus dem Norden der USA, bot einen charmanten Mix aus modernen Rhythmen, New Folk-geprägtem Gesang, vielfältigen Akkordschemata und dem archaischen Klang von Mandoline, Gitarre und Resonator-Gitarre, auch Dobro genannt. Die Songs waren durchweg stark, mit griffigen Refrains und dreistimmigem Gesang. Da standen drei Burschen auf der Bühne, die direkt einem Historienfilm über den amerikanischen Bürgerkrieg entsprungen zu sein schienen. Sie lieferten gemeinsam mit Frontfrau Lindsay Lou (Gitarre, Gesang) ein lustvoll über die Stränge schlagendes Programm ab.

Den dreistündigen Abend rundete Town Mountain aus North Carolina eher traditionell ab. Die Reibeisenstimme des fantastischen Sängers Robert Greer passte großartig zu Herzweh- und Alkohol-Balladen wie „I’m Drinking Whisky With Tears Cos I’m On The Rocks“. In Standardbesetzung mit 5-5-String-Banjo, Flachmandoline, Stahlsaitengitarre, Kontrabass und Geige sowie mit Solo- und Harmonie-Gesang sind die fünf rustikalen Typen aktuell eine der besten Bands der USA. Sie katapultierten die Konzertscheune in die 1950er-Jahre und drückten mächtig aufs Tempo, holten das letzte aus dem Publikum raus.

Ein beeindruckender Abend

Zum Finale wurde der Abend – zumindest auf der Bühne – schließlich wirklich zu einem kleinen Jamboree, denn alle elf Musiker und ihr Organisator Rainer Zellner präsentierten sich zusammen und imponierten mit dem wunderschönen Song „Fraulein“. Jamboree kommt übrigens aus der Indianersprache, Pfadfinder verwenden es auch für ihre internationalen Stammeszusammenkünfte. Der Begriff wird allerdings auch immer wieder gerne für Musikfestivals verwendet.

Es war ein beeindruckender Abend: Unverstärkte Instrumente in Hochgeschwindigkeitsmelodik, dazu immer wieder traumhafter mehrstimmiger Gesang. Die rein akustische Musik, die auch ohne Schlagzeug über rasant rhythmischem Schienenschlag dahin rollt, wird auch im nächsten Jahr wieder viele Besucher nach Varrel locken.

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