Der Brinkumer Namensvetter hat dem Altkanzler etwas voraus Helmut Schmidt hat aufgehört zu rauchen

Stuhr-Brinkum. Der Altkanzler Helmut Schmidt und der Bahnbeamte Helmut Schmidt aus Brinkum haben außer dem Namen tatsächlich nicht viel gemein, dafür haben sie sich schon mal getroffen. Und der eine Helmut Schmidt arbeitet dort, wo der andere lebt.
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Von Hauke Gruhn

Stuhr-Brinkum. Helmut Schmidt ist laut Umfrage einer der beliebtesten Deutschen überhaupt. Helmut Schmidt lebt laut Telefonbuch in einem Brinkumer Reihenhaus. Helmut Schmidt raucht eine Zigarette nach der anderen. Helmut Schmidt hat schon vor neun Jahren aufgehört mit dem Quarzen. Klingt alles widersprüchlich, ist aber in der Sache richtig. Der Altkanzler und der Bahnbeamte aus Brinkum haben außer dem Namen tatsächlich nicht viel gemein, dafür haben sie sich schon mal getroffen. Und der eine Helmut Schmidt arbeitet dort, wo der andere lebt.

'Er ist ein Mann mit Rückgrat und Charisma, ich habe ihn schon als Kind bewundert', sagt Helmut Schmidt über seinen berühmten Namensvetter. Der Brinkumer, der gebürtig aus Bremen stammt, kann sich noch gut an die Sturmflut 1962 erinnern, als der andere Helmut sich zum Krisenmanager aufschwang und Schlimmeres verhinderte.

Klar verfolgte er auch dessen weitere politische Laufbahn bis hinein ins Kanzleramt aufmerksam. Klingt ja auch nicht schlecht, der eigene Name mit dem Zusatz Bundeskanzler. Der Brinkumer Helmut hatte aber selbst nie politische Ambitionen: 'Ich bin zwar politisch interessiert, aber um selbst mitzumischen, fehlte mir immer die Inspiration', sagt der 59-Jährige. 'Wahrscheinlich bin ich für die Politik auch zu sehr gerade heraus.'

Helmut Schmidt war SPD-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, als sein Pendant (damals noch Bremer) die Lehre bei der Deutschen Bundesbahn begann. Das war 1967. Seit mehr als vier Jahrzehnten düst er mittlerweile quer durch die Republik und ins benachbarte Ausland, zunächst als Zugbegleiter und jetzt als Zugchef.

'Man kommt viel herum', erzählt Helmut Schmidt, 'letzte Woche war ich zum Beispiel in Basel.' Oft sei es aber so, dass man spätabends ankommt, dann schnell im Hotel eincheckt - und frühmorgens wieder zurück auf die Schiene muss. Zugbegleiter oder Schaffner waren früher Respektspersonen. 'Heute sind viele Fahrgäste da schon wesentlich schwieriger', sagt der Brinkumer.

Die klassische Situation, wenn der Zugbegleiter sich im Abteil nähert, kennt Schmidt gut: 'Dann wird ganz hektisch in der Tasche gewühlt und irgendwie ist die Fahrkarte abhanden gekommen - und das Portemonnaie haben sie dann auch gerade nicht dabei .' Er versuche dann höflich und korrekt zu bleiben. 'Ein Paragrafenreiter bin ich nicht', betont er, 'aber es muss schon alles seine Ordnung haben.'

Rauchend im Restaurantwagen

Das Schicksal wollte es so, dass sich Altkanzler und Bahnbeamter treffen. Natürlich im Zug, vor etwa 15 Jahren . 'Er wollte gerade zur Vorstellung seines neuen Buches nach Frankfurt', erinnert sich der Zugchef. 'Ich habe mich wie immer per Durchsage mit vollem Namen bei meinen Fahrgästen vorgestellt, und wenige Minuten später habe ich den Altkanzler dann im Restaurantwagen getroffen. Er hat geschmunzelt, als er mich gesehen hat.'

Eigentlich hätte der Zugchef den Namensvetter sofort aus dem Wagon schmeißen müssen. 'Er hat natürlich wieder geraucht, das war im Restaurantwagen aber schon damals nicht gestattet.' Mit einem Kollegen besprach er sich kurz, dann war klar: 'Dem können wir das Rauchen nicht einfach so verbieten.' Zumal außer dem Altkanzler und seinen Bodyguards eh keine anderen Fahrgäste im Restaurantwagen weilten.

Helmut Schmidt ohne Zigarette - dass das geht, beweist der Brinkumer seit mehr als neun Jahren. 'Ich habe 36 Jahre lang geraucht', erzählt er. 'Das fing noch in der Schulzeit mit etwa 14 an. Da haben wir heimlich auf der Bürgerweide in Findorff geraucht, die Zigarette in der hohlen Hand, damit es niemand sah.' Damit auch der Lehrer nichts merkte, wurde schnell noch ein Kaugummi hinterhergeschoben. 2001 war der Punkt gekommen, an dem Helmut Schmidt genug hatte vom Rauchen. Bis dahin dampfte er eine Schachtel nach der anderen. 'Eigentlich wollte ich schon bei einer Kur aufhören, kurz danach habe ich es dann geschafft. Meine Frau hatte schon ein Jahr früher aufgehört', berichtet er. Seine Frau, das ist nicht etwa Loki, sondern Helga, mit der er zwei erwachsene Kinder hat. Inzwischen bringt Enkeltochter Johanna (ein Jahr alt) ordentlich Leben in die Bude.

Nachteile hat er durch seine Namensverwandtschaft zum Kettenraucher der Nation nie gehabt, erzählt Helmut Schmidt. 'Aber ich werde oft auf den Namen angesprochen, zum Beispiel beim Bezahlen mit der EC-Karte an der Tankstelle.' Manche würden ihn auch scherzhaft 'Kanzler' oder 'Altkanzler' rufen, damit kann der Bahnbeamte aber gut leben.

Seit 25 Jahren ist er nun Butenbremer und Stuhrer. 'Zunächst haben wir in Varrel gelebt. Zu der Zeit habe ich nebenbei den KURIER AM SONNTAG ausgetragen.' Auch in Heiligenrode und in der Brinkumer Gartenstraße wohnte er einst mit seiner Familie. Vom aktuellen Domizil nahe des Briseck-Zentrums kriegen ihn jetzt aber keine zehn Pferde mehr weg. 'Auch wenn ich jeden Tag zur Arbeit nach Hamburg fahren muss: Hier fühlen wir uns wohl, hier bleiben wir.' Die nette Nachbarschaft und der kleine Garten seien große Pluspunkte gegenüber der Großstadt. 'Ich mache immer drei Kreuze wenn ich aus Bremen raus bin', sagt Schmidt. 'Die Hektik brauche ich wirklich nicht mehr.'

Und der Arbeitsplatz Hamburg? Das Pendeln sei schon anstrengend, gibt er zu. Aber immerhin: In Hamburg wohnt ja auch sein bekannter Namensvetter, der Altkanzler. Den hat Helmut Schmidt übrigens seit der Begegnung im Restaurantwagen nicht mehr gesehen. 'Dafür aber den Gysi und den Genscher. Auch meinen damaligen Chef Herrn Mehdorn hatte ich mal im Zug.' Selbst der hätte dem Altkanzler Helmut Schmidt wohl das Rauchen im Restaurantwagen nicht austreiben können.

Wenn er sich heute vorstellt, dann klingt das beim Brinkumer bisweilen so: 'Ich bin Helmut Schmidt, weder verwandt noch verschwägert, meine Frau heißt nicht Loki und ich rauche nicht mehr.' Damit bleiben nun wirklich keine Fragen mehr offen.

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