Neues AfD-Kreistagsmitglied

In der rechten Szene gut vernetzt

Der AfD-Kreisvorsitzende Andreas-Dieter Iloff ist jetzt Mitglied im Diepholzer Kreistag. Glückwünsche aus den anderen Fraktionen gab es nicht, offenbar wegen Iloffs Aktivitäten in der rechten Szene.
04.04.2017, 18:56
Lesedauer: 3 Min
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In der rechten Szene gut vernetzt
Von Claudia Ihmels

Landkreis Diepholz. Kein Beifall, kein Handschlag aus den Reihen der anderen Fraktionen – die Stimmung im Diepholzer Kreistag war frostig, als am Montag Andreas-Dieter Iloff für die Alternative für Deutschland (AfD) als Nachrücker in das höchste politische Gremium des Landkreises einzog. Denn der neue Mandatsträger, seit November 2016 auch Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes Diepholz, ist offenbar gut vernetzt in der rechtsextremen Szene, soll auch schon heidnische Feste auf seinem Hof bei Kirchdorf veranstaltet haben.

Iloff ist nicht der einzige neue Kreistagsabgeordnete. Für Torsten Eggelmann von den Grünen rückte Romuald Buryn nach, der in einem Zug mit Iloff verpflichtet wurde. Doch nur in Bezug auf Iloff und AfD-Fraktionschef Harald Wiese sah sich Landrat Cord Bockhop gezwungen, dem offiziellen Teil eine kurze Stellungnahme voranzustellen. „Aus gegebenem Anlass, es gab Nachfragen hinsichtlich Herrn Wiese und Herrn Iloff“ sagte Bockhop zu Beginn der Sitzung in der Parkgaststätte in Ehrenburg. Bockhop verwies auf das entsprechende Wahlrecht, verlas auch Passagen. Demnach gebe es keine Gründe, warum die Angesprochenen nicht für den Kreistag kandidieren und Mitglied werden dürften. Seitens des Landkreises würden in dieser Hinsicht keine Erkenntnisse vorliegen, auch keine strafrechtlichen, so Bockhop. Die anschließende Belehrung und Verpflichtung der neuen Kreistagsmitglieder besiegelte er mit einem kurzen Handschlag.

Das neue Mitglied der fünfköpfigen AfD-Fraktion rückt für Stephan Schleef nach. „Aus persönlichen Gründen“ habe er dem Landrat gegenüber die Rückgabe seines Kreistagsmandats erklärt, so Schleef am Dienstag auf Nachfrage des WESER-KURIER. Weiter wollte er sich nicht äußern.

Iloff ist unterdessen für Andrea Röpke, Diplom-Politologin und freie Journalistin mit dem Schwerpunkt Rechtsextremismus, kein Unbekannter. „Iloff ist ein umtriebiger Mann, Hufschmied mit einer Vorliebe für Körperkult und Riefenstahl-Ästhetik“, sagt sie. Früher habe er statt Andreas-Dieter Adrich als Vornamen benutzt. Bevor Iloff bei der AfD gelandet sei, habe er mit Neonazis die „Hooligans gegen Salafisten“-Kundgebung (HoGeSa) in Hannover besucht oder an einem „konspirativen Treffen“ auf dem Anwesen des Thüringer Neonazis Thorsten Heise teilgenommen. „Zum 25. Juni 2011 hatten ein Aktivist der Rassistensekte ,Artgemeinschaft – Germanische Glaubensgemeinschaft' sowie der wegen Volksverhetzung verurteilte Rigolf Hennig eingeladen“, berichtet Röpke und fügt hinzu: „Es sollte anscheinend eine kleine Vorstellungsrunde für die neu entstehende braune ,Europäische Aktion' werden.“ Unter den Anreisenden sei damals auch Iloff gewesen.

Röpke verweist zudem auf die den niedersächsischen Verfassungsschutzbericht von 2000, in dem Iloffs Aktivitäten und die des „Freundeskreises Deutschland e.V.“ erwähnt wurden. Dieser Verein wird auch mit Iloffs Hof in Verbindung gebracht, laut Röpke wird der Auehof seit 1989 von Iloff betrieben. Der „Freundeskreis Deutschland“ wurde nach Angaben des Amtsgerichts Oldenburg 1996 gegründet. Zu den vier Gründungsmitgliedern gehörte neben Iloff auch Harald Wiese, der später auch als stellvertretender Landesvorsitzender der Republikaner in Bremen aktiv war. Eingetragen ist der „Freundeskreis Deutschland“ bis heute im Vereinsregister, unklar ist, ob er noch aktiv ist.

Harald Wiese betonte am Dienstag, dass er neben der AfD keiner anderen politischen Gruppierung oder keinem anderen Personenkreis angehört, aus dem sich eine Überwachung herleiten könnte. Er sei in die AfD eingetreten, weil er sich am demokratischen Prozess beteiligen wolle. „Gerade die Tabuisierung der Probleme der massenhaften Migration machte ein Engagement erforderlich“, so Wiese.

Zum Auehof liegen Röpke weitere Informationen und eigene Beobachtungen vor. Der Hof werde von Iloff als „gänzlich unamerikanische Gemeinschaft“ betrieben. Traditionell würden dort auch heidnische Sonnenwenden mit „germanischem Fünfkampf“ stattfinden. „2013 wurden in einer nahe gelegenen Sandgrube zahlreiche Zelte errichtet, Fahnen gehisst und Wachen mit Ferngläsern aufgestellt. Die Polizei kontrollierte das entlegene Treiben“, so Röpke.

Von Andreas-Dieter Iloff gab es am Dienstag keine Stellungnahme.

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