Kinder- und Jugendarbeit in Weyhe Initiative schafft Schutzzonen und Rückzugsmöglichkeiten

Weyhe-Kirchweyhe. Die rettende Idee ist Kirsten Beckefeld kurz vor dem Einschlafen gekommen. Sonst stand eigentlich alles fest: Die Idee, in Weyhe Schutzzonen für Kinder und Jugendliche einzurichten war längst geboren, Geschäfte und öffentliche Gebäude sollten als Anlaufstellen mit ins Boot genommen werden - nur: Es fehlte noch ein Logo. Und ein Name. Doch dann hatte Kirsten Beckefeld einen Geistesblitz.
04.02.2010, 18:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Nils Hartung

Weyhe-Kirchweyhe. Die rettende Idee ist Kirsten Beckefeld kurz vor dem Einschlafen gekommen. Sonst stand eigentlich alles fest: Die Idee, in Weyhe Schutzzonen für Kinder und Jugendliche einzurichten war längst geboren, Geschäfte und öffentliche Gebäude sollten als Anlaufstellen mit ins Boot genommen werden - nur: Es fehlte noch ein Logo. Und ein Name. Doch dann hatte Kirsten Beckefeld einen Geistesblitz.

'Ich habe im Bett ein bisschen nachgedacht. Dann kam ich über den Weyher Gewerbering auf den Namen', erinnert sich Kirsten Beckefeld, Mitglied des Schulelternrates der Grundschule Kirchweyhe. Gewerbering, Ring: Der Weyher Rettungsring war geboren, Kirsten Beckefeld machte sich gleich daran, ein Logo zu entwerfen.

Entstanden ist die Idee schon vor einiger Zeit. Auslöser des Rettungsrings waren einige Vorfälle im Jahr 2008, als Schulkinder in Kirchweyhe von Fremden aus Autos heraus angesprochen wurden. Die Eltern waren verunsichert und wollten etwas für die Sicherheit ihrer Kinder tun. 'Wir haben uns dann im Internet umgesehen und sind dort auf interessante Projekte gestoßen', erklärt Petra Ehlers, Vorstandsmitglied des Fördervereins der Grundschule Kirchweyhe. Interessant war vor allem eine Idee aus Ennepetal (Nordrhein-Westfalen), dort waren sogenannte Fluchtpunkte aufgebaut worden. Die Weyher griffen das Konzept auf, und modellierten es für ihre Gemeinde um: Es werden im gesamten Weyher Gebiet Schutzzonen eingerichtet, in denen Kinder Hilfe holen können. Diese Schutzzonen werden im Vorfeld gut sichtbar durch Aufkleber mit dem Logo von Kirsten Beckefeld gekennzeichnet. Es handelt sich dabei um öffentliche Gebäude, aber auch um Arztpraxen oder Geschäfte. 'Nur Privathäuser zählen nicht dazu. Und keine Autos', erklärt Christiane George, Mitglied des Weyher Gemeindeelternrats.

Etwa 100 dieser Schutzzonen gibt es schon in der Gemeinde, flächendeckend verteilt. 'Wir wollen ein ganzes Netz aufziehen. Das soll sich nicht nur auf die Schulwege konzentrieren', betont Petra Ehlers. Und es sollen in nächster Zeit noch mehr werden. Die Macher vom Rettungsring haben zuerst ganz bescheiden 100 Aufkleber in Auftrag gegeben, mittlerweile haben sie schon auf 250 Exemplare aufgestockt. Die Mitarbeiter und Inhaber in den Schutzzonen erhalten eine Checkliste mit sieben Punkten, was genau in welcher Situation zu tun ist. Außerdem sind die wichtigsten Notfallnummern in der Liste aufgeführt. Eines ist den Weyher Initiatoren dabei besonders wichtig: Mit der Aktion sollen keine Ängste geschürt werden. Ganz im Gegenteil: 'Wir wollen die Kinder stärken', erklärt Christiane George. Es geht auch um die Fälle, die auf den ersten Blick eher harmlos wirken. 'Kinder dürfen unsere Toilette benutzen', heißt es zum Beispiel in der Absichtserklärung, die die Kooperationspartner des Rettungsrings unterzeichnen. Oder: 'Sie erhalten medizinische Unterstützung bei Verletzungen, zum Beispiel Pflaster', heißt es weiter.

Aber auch ernstere Fälle werden abgedeckt. 'Mobbing ist so ein Thema, das immer wichtiger wird. Auch nachmittags, wenn die Schule längst vorbei ist', weiß Marcus Grosser von Pro Yougend Weyhe. Wenn kleinere Kinder von größeren Kindern gehänselt oder drangsaliert werden, finden sie in den Schutzzonen Rückzugsmöglichkeiten. 'Das ist praktisch der Punkt, kurz bevor die Arbeit der Streetworker einsetzt', so Grosser. Ähnlich sieht es Erster Gemeinderat Andreas Bovenschulte. 'Der Rettungsring ist ein ganz wichtiger Baustein im Gesamtkonzept', findet er.

Die Initiatoren des Rettungsringes sind restlos begeistert von den positiven Reaktionen, die von den Weyher Geschäftsleuten kommen und kamen. 'Weyher halten offenbar zusammen', schwärmt Christiane George. Seit gestern ist das Projekt offiziell in der Gemeinde angelaufen, auch am Rathaus prangt nun groß und breit ein Sticker an der Eingangstür - natürlich mit dem Logo von Kirsten Beckefeld. Das, dass kurz vorm Einschlafen entstand.

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