Rund 100 Bürger bei Versammlung zur Lebensqualität in Moordeich / 'Die Angst ist da' Jugendliche und Verkehr stören Anwohner

Stuhr-Moordeich. Wenn es nach dem Empfinden einiger Anwohner geht, hat die Lebensqualität in Moordeich nachgelassen. Zu viel Verkehr, zu viel Lärm und die 'störende Jugendszene' sind die Themen, die deshalb am Donnerstagabend rund 100 Bürger zu einer Diskussionsrunde ins Gasthaus Nobel gelockt haben. 'In diesem Ortsteil liegt mittlerweile so viel im Argen, dass man darüber sprechen sollte', sagte Adolf Aßling von der Gruppe der einladenden Bürger. Er moderierte die Veranstaltung auch.
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Von Claudia Gilbers

Stuhr-Moordeich. Wenn es nach dem Empfinden einiger Anwohner geht, hat die Lebensqualität in Moordeich nachgelassen. Zu viel Verkehr, zu viel Lärm und die 'störende Jugendszene' sind die Themen, die deshalb am Donnerstagabend rund 100 Bürger zu einer Diskussionsrunde ins Gasthaus Nobel gelockt haben. 'In diesem Ortsteil liegt mittlerweile so viel im Argen, dass man darüber sprechen sollte', sagte Adolf Aßling von der Gruppe der einladenden Bürger. Er moderierte die Veranstaltung auch.

Eigentlich sollte bei der Versammlung vor allem der Unmut einiger Anwohner über das geplante Baugebiet 'Zu den Gehöften' auf den Tisch kommen. Aber da das wie berichtet im Moment ohnehin auf der Kippe steht, wurde der Themenkreis schon im Vorfeld erweitert.

Zuerst brachte Aßling das Thema Verkehrslärm auf die Tagesordnung. 'Uns geht es um das Tempo und den Lärm', sagte er. Ein Mann brachte vor, dass die Autos nachts so laut durch die Straßen fahren würden, dass er nicht schlafen könne. 'Die Fahrweise ist nervtötend', stimmte Aßling ein. Ebenso nannte er den Fluglärm und den 'permanenten Lärmteppich' durch die Autobahn. 'Aber das ist ja unabwendbar, das nutzen wir ja auch selbst.'

Auch in Sachen Verkehr im Wohngebiet kam vermehrt die Vermutung auf, dass unter den Autofahrern auch viele Anwohner seien. 'Jeder Haushalt in Moordeich hat 2,3 Autos. Da würde es helfen, wenn man sich an die eigene Nase fasst', sagte Kristine Helmerichs (Grüne). Wie viele Ratsmitglieder nahm auch sie an der Versammlung teil. Den Vorschlag, die Schikanen in der Straße zu erhöhen, hält sie nicht für sinnvoll. Dann würde nur noch mehr gebremst und beschleunigt, das sei noch lauter.

Vorschlag: Autos an die Straße

Neben höheren Schikanen wurden aber auch Ampeln mit Geschwindigkeitsanzeigen, mehr Geschwindigkeitsmessungen sowie eine Lärmschutzwand für die Autobahn gefordert. Ein Anwohner schlug vor, dass alle ihre Autos an der Straße parken sollten, um die Fahrbahn zu verengen. Gleichzeitig schob man sich gegenseitig die Schuld zu. Jemand meinte, es seien die jungen Frauen, die zu schnell fahren, jemand anderes beschuldigte die älteren Herren, anderen die Vorfahrt zu nehmen.

Auch das Schulzentrum ist Aßling und anderen ein Dorn im Auge. 'Der Hartplatz ist jetzt Freizeit- und Sportanlage für jedermann. Sonntags geht da den ganzen Tag das Gedonnere mit den Bällen', sagte Aßling. Er warf die Frage auf, warum man das in einem Wohngebiet hinnehmen müsse. Was man dagegen machen kann, wisse er aber auch nicht, das sei aber auch nicht seine Aufgabe. Ein Mann warf ein, dass die sportliche Betätigung doch besser sei als andere Sachen - womit der Übergang zum nächsten Thema, der 'störenden Jugendszene', fließend war.

Eineinhalb Jahre habe man absoluten Terror gehabt, spielte Aßling auf die Randale durch Jugendliche vor allem im Sommer 2009 an. 'Das waren keine Streiche. Und die Politik hat uns alleine gelassen', sagt er und sorgte damit gleich für den Protest einiger Politiker. 'Wir haben weit mehr getan als Bremen und andere', entgegnete Kristine Helmerichs. Jugendliche würden nun mal Dinge tun, die nicht erlaubt sind. Natürlich seien in diesem Fall aber auch Kriminelle dabei gewesen. 'Wir können aber nicht neben jeden Jugendlichen einen Aufpasser stellen', sagte sie und erntete dafür zustimmendes Klopfen.

Peter Strohmeyer (SPD) widersprach ebenfalls. 'Die Gemeinde hat viel gemacht', sagte er mit Verweis auf die Streetworker und Nachtwanderer. Bei letzteren engagiert er sich wie einige andere Ratsmitglieder selbst ehrenamtlich. Wie Frank Schröder (CDU), der die Erziehung ins Spiel brachte. 'Da können wir als Nachtwanderer nichts machen', sagte er. Aßling ruderte dann auch zurück: 'Eure Arbeit redet keiner klein.'

Ein Anwohner schilderte, dass die Randale nach seinem Empfinden in den Herbstferien wieder schlimmer geworden sei. Er und seine Frau würden nicht mehr alleine durchs Biotop gehen. 'Die Angst ist da', sagte er. Sobald die Streetworker weg sind, würden Zäune und Lampen beschädigt. Eine Bürgerin entgegnete, dass die Jugendlichen nicht von Grund auf schlecht seien. 'Wir müssen konstruktive Vorschläge machen', schlug sie vor.

Das sah ein weiterer Bürger ebenso. Jeder würde nur sagen, die Kinder müssten weg, der Verkehr und auch der Fluglärm. 'Wir leben in einer Gesellschaft, in der es viel zu wenig für Kinder gibt', sagte er. Wieder zustimmendes Klopfen, doch an der Diskussion änderte das nichts. Bis auf die Forderung eines Alkoholverbotes und die strenge Durchsetzung von Platzverboten blieben Vorschläge aus der Runde aus. Der Mann versuchte es später noch mal. 'Wir verwenden viel zu viel Energie auf Kontrolle', sagte er. Schicke man die Jugendlichen an der einen Stelle weg, würden sie sich eben woanders treffen. Vielmehr müsse man die Jugendlichen selbst in die Verantwortung nehmen, sie etwa in Eigenregie etwas machen lassen.

Immerhin eine Frau hatte positive Worte für Moordeich über: 'Wir wohnen seit 30 Jahren hier und fühlen uns wohl. Die Probleme darf man nicht unter den Tisch kehren, aber Moordeich ist schön.' Aßling pflichtete ihr bei: 'Moordeich ist schön, aber man muss etwas dafür tun, sonst läuft es aus dem Ruder.'

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