Südafrika-Fan Kirchweyher bereist seit über vier Jahrzehnten das WM-Land

Weyhe-Kirchweyhe. Noch genau vier Monate, dann ist es soweit. In vier Monaten, am 11. Juni, startet die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika mit dem Spiel der Gastgeber gegen Mexiko. Ein besonderer Tag für alle Fußball-Fans auf der ganzen Welt. Und ein ganz besonderer Tag für Reinhard Röhrbein aus Kirchweyhe. Denn Röhrbein hat eine ganz starke Verbindung zum Kap der guten Hoffnung - und das seit über vier Jahrzehnten.
11.02.2010, 02:03
Lesedauer: 3 Min
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Von Nils HArtung

Weyhe-Kirchweyhe. Noch genau vier Monate, dann ist es soweit. In vier Monaten, am 11. Juni, startet die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika mit dem Spiel der Gastgeber gegen Mexiko. Ein besonderer Tag für alle Fußball-Fans auf der ganzen Welt. Und ein ganz besonderer Tag für Reinhard Röhrbein aus Kirchweyhe. Denn Röhrbein hat eine ganz starke Verbindung zum Kap der guten Hoffnung - und das seit über vier Jahrzehnten.

Stilechter geht es wirklich nicht. Im Original-Nelson-Mandela-Hemd sitzt Reinhard Röhrbein auf seinem Sofa in Kirchweyhe. Und obwohl sich vor dem Fenster die Schneeflocken jagen, lässt sich der 66-Jährige nicht beirren und erzählt vom sonnigen Tafelberg und von der Hitze am Kap. Im Jahr 1967 war er zum ersten Mal an der Südspitze Afrikas. Anfang 20 war er damals, und hatte gerade seinen Wehrdienst hinter sich. 'Meine Englisch-Kenntnisse waren miserabel', erinnert sich Röhrbein. Nicht gerade die besten Startvoraussetzungen. Das Fernweh hatte den gebürtigen Kirchweyher nach Johannesburg getrieben, in seinem Job als Schiffsmakler am Bremer Hafen knüpfte er die ersten Kontakte zu Südafrikanern. Doch vor Ort folgte dann bald die Ernüchterung.

Apartheid auf dem Zenit

Denn in Südafrika herrschte damals strikte Rassentrennung zwischen Schwarzen und Weißen. Das Apartheid-System war auf dem Zenit. 'Es war schrecklich', so Röhrbein. Die Schwarzen mussten die Innenstädte um 18 Uhr verlassen und zurück in die sogenannten Townships fahren. In den Innenstädten der südafrikanischen Metropolen waren die Weißen nachts unter sich. Gestalten wie 'Kongo-Müller' trieben sich in den Kneipen und Schänken herum, immer auf der Suche nach frischen Rekruten für ihre Söldnertruppen. Den jungen Reinhard Röhrbein zog es bald nach Windhuk (Namibia), in der ehemaligen Kolonie wird bis heute deutsch gesprochen. 'Dort habe ich dann zwei Jahre in einem Obst- und Gemüsehandel gearbeitet', erzählt er.

Fernsehen und Radio waren in Namibia damals noch nicht besonders verbreitet, deshalb erkundete Röhrbein auf langen Touren die Landschaften. 'Da habe ich wirklich eine ganze Menge gesehen', schwärmt er noch heute. Doch 1969 hatte er genug. Erstmal zumindest. 'Entweder bleibst du jetzt für immer oder du gehst wieder in die Heimat', sagte er sich und machte sich kurzentschlossen zurück auf den Weg nach Bremen. In der Hansestadt verdiente er sich seinen Lebensunterhalt wieder in seinem alten Job als Schiffsmakler.

Rückkehr im Jahr Mandelas

Doch der Süden des Schwarzen Kontinents ließ ihn nie wieder ganz los. 1990, im Jahr Nelson Mandelas, kehrte Röhrbein zurück ans Kap. Die politische Situation in Südafrika hatte sich mittlerweile grundlegend geändert, die Freilassung der Symbolfigur Mandela nach 27 Jahren im Gefängnis sorgte für Hoffnung in Kapstadt, Johannesburg und Durban. 'Es war eine euphorische, energiegeladene Stimmung im ganzen Land zu spüren', erzählt der Kirchweyher. Die Zeiten, die er erlebt hatte, als die weißen Vorarbeiter die Schwarzen willkürlich mit Zaunlatten zusammenschlugen, waren endgültig vorbei. Und Röhrbein war fasziniert vom neuen Südafrika - und von Namibia. 1995, 1999 und 2009 reiste er erneut in beide Länder.

Der 66-Jährige kommt nicht nur als Tourist, sondern auch als Helfer. Als er in Rente ging, gab es zu seiner Verabschiedung eine Schiffstour von Bremen nach Bremerhaven. Und Röhrbein forderte die Gäste auf, für zwei namibische Waisenkinder zu spenden. '12000 Euro sind so zusammengekommen', betont er stolz. Die beiden Mädchen, heute zwölf Jahre alt, dürfen nun bis zur Hochschulreife eine Privatschule besuchen.

Röhrbein will seine Liebe teilen und weitergeben. Er organisiert seit zehn Jahren Weinproben mit Weinen aus der Region. Und er plant eine Reise, die im November 2011 stattfinden soll. Dazu lädt er am morgigen Freitag, 12. Februar, ins Gasthaus Kirchweyher Hof ein. 'Ich rechne mit 25 bis 30 Teilnehmern', sagt er. Allen Fußballfans, die eine Reise zur Weltmeisterschaft planen, will Röhrbein außerdem mit Rat und Tat zur Seite stehen. 'Ich kann sogar eine Unterkunft in Südafrika vermitteln', verspricht er. Interessierte sollten sich per Mail an rroehrbein@online.de bei ihm melden.

Stichwort WM: Die negativen Schlagzeilen, die im Vorfeld über das Turnier die Medien beherrschen, kann der Südafrika-Experte nicht nachvollziehen. 'Ich bin hundertprozentig überzeugt, dass die Sicherheit vor Ort gewährleistet ist. Es herrscht eine riesige Vorfreude im ganzen Land', weiß er.

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