Colja Beyer verlässt Stuhr und Weyhe

„Kommunaler Klimaschutz ist schwierig“

Klimaschutzmanager Colja Beyer beendet seine Tätigkeit für die Gemeinden Stuhr und Weyhe – vorzeitig und kurzfristig. Er hinterlässt auch nicht erledigte Arbeit.
13.09.2017, 17:52
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„Kommunaler Klimaschutz ist schwierig“
Von Sebastian Kelm
„Kommunaler Klimaschutz ist schwierig“

Ist nach eigenem Bekunden durchaus zufrieden mit seiner Bilanz: Colja Beyer, Noch-Klimaschutzmanager der Gemeinden Stuhr und Weyhe, zieht es zu einer neuen Aufgabe in Werlte im Emsland.

Sebastian Kelm

Stuhr/Weyhe. Plötzlich geht es ganz schnell, auf einmal ist er praktisch schon so gut wie weg: Obwohl sein auf drei Jahre ausgelegter Vertrag als kommunaler Klimaschutzmanager offiziell noch bis zum 31. Dezember läuft, sitzt Colja Beyer bereits auf gepackten Koffern. Seine Tätigkeit sei von Anfang an auf diese Dauer ausgelegt gewesen, betont er. Eine Verlängerung der Zusammenarbeit wäre nur auch bei geringerer Förderung seiner Stelle, derzeit zu 65 Prozent bezahlt aus Mitteln der Nationalen Klimaschutzinitiative, möglich gewesen. Nun aber hat der 46-jährige Bremer eine neue Aufgabe gefunden: Er wechselt bereits zum 16. September ans Kompetenzzentrum Niedersachsen Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe in Werlte bei Cloppenburg. Dort werde er sich für die nächsten fünf Jahre als Wissenschaftlicher Mitarbeiter mit landwirtschaftlicher Nutzung von Mooren in ihrer ursprünglichen Form beschäftigen, erklärte Beyer auf Nachfrage. „Bedauerlich für uns, aber gut für ihn“, sagte Stuhrs Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier bei der Verabschiedung am Mittwoch im Rathaus.

Mit der Einstellung Colja Beyers als zentralen Koordinator des Klimaschutz-Aktionsprogramms wollten Stuhr und Weyhe „erste Strukturen“ in diesem Bereich schaffen, so Wimmelmeier. Die für den vorgegebenen Zeitraum gesteckten Ziele seien erreicht worden. „Wir denken, er hat das ganz erfolgreich gemacht“, befand der Wirtschaftsförderer. Obwohl: Nicht abschließen konnte Beyer den Aufbau eines Solardachkatasters in der Win-Region mit Syke, Bassum, Twistringen, Stuhr und Weyhe. Das muss nun Regionalmanager Michael Wenzel weiter bearbeiten. Beyers Funktion als Ansprechpartner im Stuhrer Rathaus wird übrigens der Umweltbeauftragte Marc Plitzko übernehmen. „Der Rest seiner Aufgaben wird auf die einzelnen Fachabteilungen verteilt“, sagte Wimmelmeier. „Es soll ja auch nicht mehr alles so zentral laufen“, führte Beyer zur künftigen Organisation seines bisherigen Bereichs aus.

Bei der Weyher Verwaltung wird Christina Mielke von der Lokalen Agenda 21 Beyer ersetzen. Ihr Chef, Bürgermeister Andreas Bovenschulte, zum Abgang des Klimaschutzmanagers: „Er hat gute Arbeit geleistet, eine Reihe von Diskussionen angestoßen.“ Nun sei es an der Verwaltung, das von ihm eingeleitete Umdenken in der alltäglichen Praxis zu verinnerlichen.

Und wie fällt Colja Beyers persönliches Fazit aus? Er sei „schon sehr zufrieden“. Unter anderem verweist er auf die Herbeiführung der Mitgliedschaft der Gemeinde Stuhr im Klimabündnis, den Aufbau der Klimaschutz-Webseite, das Erstellen von Treibhausgas-Bilanzen, den Austausch von kraftstoffbetriebenen Dienstfahrzeugen durch Elektro-Dienstfahrzeuge, die Beschaffung von Pedelec-Dienstfahrrädern, den Start der Stadtradeln-Kampagne oder die Koordination der Kampagne „Clever heizen“.

Gleichwohl räumte Beyer ein, dass sich bei ihm eine gewisse „Ernüchterung“ eingestellt hat. „Kommunaler Klimaschutz ist sehr schwierig“, lautet seine Erkenntnis. Da es sich um eine freiwillige Aufgabe, nicht um eine einklagbare Vorgabe handele, sei es nicht einfach, Verbesserungen auf diesem Feld zu erzwingen. „Das ist überall das selbe“, berichtete er von Rückmeldungen anderer Kollegen. Und er ergänzte: „Die Kommunen profitieren da halt nicht direkt von, nur wir alle global.“

Er wisse auch, dass viele mit seiner Arbeit nicht viel anfangen können. „Nach außen ist auch nicht viel sichtbar, da ich hauptsächlich in den beiden Rathäusern anzutreffen war“, sagte er dazu. Daher glaube er auch, eben dort mehr erreicht zu haben als bei der Bevölkerung. Ob die überhaupt merken werden, dass er bald weg ist? „Schwer zu sagen“, meinte Beyer. Und auf die Frage, für welche Errungenschaft er in Erinnerung bleiben wird oder gern bleiben möchte, antwortete er nur: „Ich weiß nicht genau, vielleicht für alle.“

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