Volker Harling tritt für SPD und Grüne an

Neuer Bewerber für Landratsposten im Rotenburger Kreishaus

Volker Harling (57) geht für SPD und Grüne als Landratskandidat ins Rennen. Der parteilose Rotenburger tritt gegen den CDU-Mann Marco Prietz (32) an, der bereits vor einem halben Jahr nominiert wurde.
22.04.2021, 18:49
Lesedauer: 4 Min
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Von Johannes Heeg
Neuer Bewerber für Landratsposten im Rotenburger Kreishaus

Volker Harling aus Rotenburg will Landrat des Landkreises Rotenburg werden. Der Rotenburger wird von SPD und Grünen unterstützt.

CARMEN JASPERSEN

Landkreis Rotenburg. Für die Landratswahl am 12. September ist jetzt ein zweiter Kandidat dazugekommen: Der parteilose Volker Harling (57) aus Rotenburg soll nach dem Willen von SPD und Grünen gegen den jetzigen CDU-Fraktionsvorsitzenden im Rotenburger Kreistag, Marco Prietz, antreten. Beide wollen Nachfolger von Hermann Luttmann werden, der nicht mehr antritt.

Die Personalie gaben SPD und Grüne am Donnerstagabend in Zeven offiziell bekannt. Sie haben sich damit viel Zeit gelassen, wurde Prietz doch bereits im September von seiner Partei nominiert. SPD und Grüne sagen dazu, sie hätten sich in den vergangenen Wochen und Monaten intensiv mit der Vorbereitung der Landratswahl beschäftigt. Das gemeinsame Ziel, eine versierte Führungskraft als unabhängigen Landratskandidaten zu finden, sei erreicht worden. Gemeinsam wolle man dafür arbeiten, dass der Beginn der neuen Wahlperiode im November den Aufbruch in ein offenes Miteinander im Landkreis Rotenburg markiere. „Wir wollen, dass die Spitze der Kreisverwaltung mutig vorangeht und ein überparteiliches, kreatives Klima der Zusammenarbeit im Kreistag fördert“, heißt es in einer Erklärung.

„Stärkere Impulse setzen“

Was Volker Harling motiviert und auch von seinem Gegenkandidaten unterscheide, drückt er so aus: „Auch im Landkreis Rotenburg müssen wir viel mehr als bisher für Nachhaltigkeit und Klimaschutz tun.“ Kreistag und Kreisverwaltung könnten und müssten „viel stärkere Impulse setzen“. Beim Bauen beispielsweise: „Da könnte wirklich viel CO2 eingespart werden, wenn die Kommunen, aber auch Privatleute und die Wirtschaft nachhaltige Baustoffe verwenden würden.“ Hinzu kämen positive Klimaeffekte durch Dachbegrünung, Fotovoltaik und Heizen ohne fossile Energieträger, das heißt mit Hilfe von Erdwärme und Wärmepumpen.

Die „Fridays for Future“-Bewegung sehe er positiv, „weil sich unsere Jugend Sorgen um die Zukunft macht“. Daher wolle er „unsere Jugend auch einbinden und auffordern, tatkräftig an Veränderung mitzuarbeiten“. Veränderungen würden allerdings nicht mit den Konzepten gelingen, die bis jetzt verfolgt würden. „Wir leben damit weit über unsere Verhältnisse“, so Harling. Ihm schwebe „eine andere Art Wohlstand“ vor, „indem wir mehr Zugang zu gemeinschaftlichem und gesundem Leben ermöglichen“. Ziel müsse sein, „mehr gebrauchen und wiederverwenden als verbrauchen und wegwerfen“. Denn „auch unsere Kinder, Enkel, Ur-Ur-Ur-Enkel sollen noch gut leben können“.

Auch im Verkehrssektor müsse massiv umgesteuert werden, auf dem Land müsse es attraktive Angebote für Menschen geben, die nicht mit dem Auto fahren könnten oder wollten. Harling würde gern die Bahnlinie Rotenburg-Zeven-Bremervörde für den Personenverkehr reaktivieren. Eine solche Zugverbindung sei „wesentlich komfortabler als die jetzige Buslinie“, meint er. Dadurch würden Nordkreis und Südkreis endlich auch zusammenwachsen. „Das sollten wir einfach mal ausprobieren, an einem oder mehreren Wochenenden“, so Harling. Bessere Bahn- und Busverbindungen könnten ergänzt werden durch „neuartige abgasfrei fahrende Sammel-Einheiten auf den Straßen“. Seine Vorstellung: „Einfach hinfahren, und das mit ökologischen und attraktiven Verkehrsmitteln, die kostengünstig, schnell und bequem sind. Mit digitalen Systemen einfach buchbar.“ Anfänge gebe es bereits, womit er das E-Car-Sharing-Angebot der Stadtwerke Rotenburg meint.

Anforderungen an den Landrat

Ein zentrales Anliegen sei ihm das soziale Miteinander. „Ich will die Gemeinschaft stärken“, sagt Harling. Die solle einerseits durch Investitionen in gut erreichbare Begegnungsstätten gefördert werden: Gemeinschaftshäuser und soziokulturelle Zentren, wie es in Rotenburg angedacht ist, oder kleine Freilichtbühnen für Musikfestivals, Kinos, Diskotheken und Theater. Und andererseits durch Projekte, die der gesunden Ernährung der Bevölkerung und gleichzeitig den Landwirten dienen. „Wir brauchen mehr regionale Kreisläufe“, sagt Harling. Das sorge für kurze Transportwege und gleichzeitig für regionale Wertschöpfung. „Bei diesen Themen ist der Landrat gefordert“, sagt er, „der Verwaltungschef kann und muss Diskussionen fördern, damit hier mehr über solche Dinge nachgedacht wird.“

Sein Gegenkandidat Prietz, das räumt Harling unumwunden ein, sei ein „erfahrener Politiker“. Doch spiele Klimaschutz bei ihm „nur am Rande“ eine Rolle, was sich daran zeige, dass die CDU den Bau von Autobahnen und anderen Straßen fördern wolle. „Das ist die alte CDU-Linie, da bewegt sich viel zu wenig“, findet Harling. Wer den Wohlstand langfristig sichern wolle, müsse eine zukunftsfähige, das heißt enkeltaugliche Politik machen. Er traue sich zu, eine große Verwaltung wie die des Landkreises Rotenburg zu führen. „Dort gibt es starke Dezernats- und Amtsleiter“, so Harling, „und ich halte sehr viel von Teamarbeit.“ Seine Rolle als Landrat sieht er so: „Ich will diesen Landkreis zusammenführen. Dabei bin ich auch Impulsgeber, Koordinator und Vermittler zwischen den Bürgerinnen und Bürgern, der Politik und der Verwaltung.“

Info

Zur Sache

Erfahrung in Personalführung

Der 57-jährige Landratskandidat Volker Harling kennt Politik und öffentliche Verwaltung bis jetzt nur von außen, er war nie Mitglied eines Gemeinderates oder des Kreistags. Doch habe er Erfahrung in Personalführung und Finanzen, betont der Diplom-Volkswirt, der in Rotenburg lebt, verheiratet ist und zwei erwachsene Kinder hat. Sein Geld hat Harling zuletzt als Geschäftsführer eines Betriebs der Elektroindustrie mit 120 Mitarbeitern verdient, und als Controller und Leiter Finanzen war er auch für zwei weitere Betriebe zuständig. Nach dem Verkauf der Firma 2020 wurde er entlassen. Nun gönne er sich eine Auszeit, so könne er sich gut auf den Wahlkampf vorbereiten. Auf die Idee, als Landratskandidat anzutreten, habe ihn sein Bruder Wolfgang Harling gebracht, der SPD-Mann ist Bürgermeister von Hellwege und Mitglied des Rotenburger Kreistags. Ende 2020 sei das gewesen, und nach einer kurzen Bedenkzeit hätten dann „ernsthafte Gespräche mit SPD und Grünen begonnen“.

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